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CeBIT-Sonderschau zeigte Produkte von ueber 100 Anbietern


16.04.1993 - 

Osteuropaeische Programmierer basteln an europaeischer SW mit

Fuer Anwender im neuen Europa ohne Grenzen stehen die Aktien gut. Zwar hielten sich europaeisch orientierte Anbieter von Softwareprodukten und -dienstleistungen mit konkreten Produktankuendigungen noch zurueck. Doch generell zeigt man sich aeusserst willig, die fuer einen europaeischen Einsatz notwendigen Ergaenzungen - wie etwa unterschiedliche Gesetzmaessigkeiten - in vorhandene Programmpakete einzubauen.

Schwerpunkte im kommerziellen Bereich

"Der Binnenmarkt, der seit 1993 einer schrittweisen Verwirklichung entgegengeht, bietet dabei vor allem fuer diejenigen Softwarehaeuser Wachstumschancen, die rechtzeitig auf die Moeglichkeiten grenzueberschreitender Vermarktung setzen", betonte Martin Vollmer vom 1&1 Presse-Service, Montabaur.

Im Jahr 1988 gegruendet, ist das Ziel von 1&1, "DV-Unternehmen bei der Realisierung von Marketing-Aufgaben zu unterstuetzen". Eine der Aktionen war - nach der Premiere 1992 - die Sonderausstellung auf der CeBIT ?93, die 1&1 erneut gemeinsam mit der Muenchner IDG Verlagsgruppe sowie der Messe Gesellschaft Hannover veranstaltet hat.

"Wo sich normalerweise kleinere Softwarehaeuser die Messe finanziell gar nicht leisten koennen, finden sie hier auf dem Gemeinschaftsstand ideale Bedingungen, um ihre Produkte einem interessierten Fachpublikum zu zeigen", betonte Vollmer. Mehr als 100 Anbieter aus ganz Europa waren dieses Jahr in Halle 4, Erdgeschoss, vertreten, 20 Prozent mehr als noch 1992. Schwerpunkte der Angebotspaletten lagen dabei ganz eindeutig im kommerziellen Bereich, also etwa bei der PPS oder Verwaltungsprogrammen fuer alle Branchen.

"Zwischen vier und neun Quadratmeter grosse Flaechen bieten oft gerade soviel Platz, um einen Computer mit der dazugehoerigen Software installieren zu koennen", schmunzelt der Marketing-Mann. Und das reiche ja auch. Denn auf einem weitgefaecherten Markt, der allein in Deutschland nach inoffiziellen Schaetzungen etwa 10 000 Software-Unternehmen - von einem bis ueber 1000 Mitarbeiter - umfasse, sei eben die Messepraesenz in Hannover ueberlebensnotwendig.

"Da in den meisten Faellen die Softwarehaeuser mit der Entwicklung ihrer Produkte voll ausgelastet sind, bleibt keine Zeit mehr fuer Marketing, Vertrieb und Personal", erlaeutert Martin Vollmer. Wer aber nicht verkaufe, der koenne logischerweise langfristig auch nicht existieren.

Weiter zwinge die gestiegene fachliche wie DV-technische Komplexitaet der Software, etwa durch bedienerfreundlichere Benutzeroberflaechen und die Notwendigkeit zur Integration einzelner Programmbereiche, jedes einzelne Softwarehaus zu erweitertem Engagement. Der Weg nach Europa werde auch fuer bislang nur regional operierende Betriebe unumgaenglich.

Damit sich die Werbetrommel fuer die kleineren Softwarehaeuser auch richtig ruehrte, haben die drei Veranstalter der Sonderausstellung einen Softwarepreis initiiert, der waehrend der CeBIT fuer die drei besten europaeischen Programme verliehen wurde.

Die auf der Sonderausstellung vertretenen Unternehmen stammten aus 13 europaeischen Laendern und kamen fast zur Haelfte aus Osteuropa. So jung wie ihre Produkte, haben die neuen Programmierschmieden vom Entwicklungsstart an den europaeischen Gesamtmarkt im Auge. Sie befinden sich in der vorteilhaften Lage, neue Systeme aufbauen zu koennen, die der modernsten Technologie, den allgemeinen Standards und den unverfaelschten offenen Systemen entsprechen. Damit koennen sie sich direkt in die internationalen Netze einklinken. "Die Ironie des Schicksals will es, dass die osteuropaeischen Laender in der aktiven Zeit ihrer Ideologie immer den westlichen Technologien hinterherhinkten. Jetzt, nach dem politischen Zusammenbruch, erhalten sie erstmals die Moeglichkeit, den Westen zu ueberholen. Einige der weltbesten Software-Entwickler sind in Osteuropa und insbesondere in Ungarn zu finden, wo die Lohnkosten erheblich niedriger als in den westeuropaeischen Laendern sind. Sie haben den Wissensstand, um hervorragende Anwendungen auf den Systemen modernster Technologie zu konkurrenzlosen Kosten zu entwickeln", bringen Insider die Situation auf den Punkt.

Im Unterschied dazu setzen nach 1&1-Erfahrungen viele westeuropaeische Softwarehaeuser zunaechst auf die Nachfrage im eigenen Land, um dann erst - bei entsprechender Kundenanfrage - das Produkt europafaehig zu gestalten.

Kriterien, nach der die Jury die Softwareprodukte zu beurteilen hatte, waren neben der Bereitstellung von Vertriebs- und Supportstrukturen auch ausserhalb des Herkunftlandes:

- die Moeglichkeit der Mehrsprachigkeit und Mehrwaehrungsfuehrung,

- die Beruecksichtigung von Laenderspezifika wie Gesetzen und Verordnungen sowie

- die Unterstuetzung von internationalen Standards.

Gemeinsam mit dem Marketing-Preis wurde dieses Jahr erstmals ein Innovationspreis vergeben. Das Produkt soll konsequent modulartig aufgebaut sein und auf einer objektorientierten Entwicklungskonzeption fussen.

*Nicole Winkler ist freie Journalistin in Muenchen.