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06.12.2006

Outplacement, Rente oder Knast

Des einen Freud, des anderen Leid: An der Spitze der IT-Hersteller herrschte viel Bewegung.

Die CW-Ausgabe 17 vom 28. April 2006 vereinte gleich zwei Persönlichkeiten der IT-Branche auf der Titelseite: Sun-Chef Scott McNealy und Ex-CA-Chef Sanjay Kumar. Der eine gab "das Zepter ab", der andere "bekannte sich schuldig". Mit McNealy verabschiedete sich ein Urgestein der Branche in den Ruhestand. Zuletzt konnte der Manager in seinem Unternehmen nicht mehr viel bewegen, und auch seine markigen Sprüche hatten an Schärfe verloren. Kurz nach McNealys Abgang kündigte Sun an, dass bis zu 5000 Mitarbeiter ihrem Ex-Chef folgen werden.

Not macht erfinderisch

Kumar hingegen stieg aus der CA-Vorstandsetage direkt in die Niederungen der Justiz herab. Er wurde unlängst zu zwölf Jahren Haft verurteilt: wegen Wertpapierbetrugs, Behinderung der Justiz, Verschwörung sowie Vorlage falscher Unterlagen bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC. Zudem muss der Ex-Manager noch acht Millionen Dollar Strafe zahlen. Kumar hatte im CA-Vertrieb Monate mit 35 Tagen eingeführt, um die Ziele der Finanzanalysten zu erreichen. Dies wirkte sich positiv auf den Aktienkurs aus und über das Optionsprogramm wiederum auf Kumar und weitere CA-Manager.

In Rente ging Jack Messman, CEO von Novell. Der Schritt kam nicht überraschend, denn das Traditionsunternehmen hatte in den vergangenen Jahren wiederholt Manager und Einnahmen verloren. Auch hatten einflussreiche Investoren heftige Kritik an der Strategie sowie Zweifel an der Eignung von Messman geäußert. Nachfolger Ron Hovsepian agierte bislang glücklos. Novell verlor zudem Raymond Noorda, den "Vater" des vernetzten Computers. Er hatte 1983 gemeinsam mit Messman die bankrotte Firma Novell Data Systems mit 17 Mitarbeitern übernommen und wieder aufgebaut. Bis 1995 kämpfte er als Novell-CEO mit Netware, Unix und Wordperfect erbittert gegen die Dominanz des Rivalen Microsoft. Noorda starb im Alter von 82 Jahren im US-Bundesstaat Utah an den Folgen einer Erkrankung.

Auch in Deutschland drehte sich das Personalkarussell. IBM-Deutschland-Chef Johann Weihen trat nach zwei Jahren an der Spitze in den Ruhestand ab. Er war 33 Jahre für den IT-Konzern tätig. Sein Nachfolger wurde Martin Jetter. Im Herbst abberufen wurde auch Jürgen Gallmann, Microsofts Statthalter in Deutschland seit 2002. "Die starke Verlagerung von Entscheidungsspielräumen in die Corporation, mehr aber das darin zum Ausdruck kommende Verständnis der Rollen von Muttergesellschaft und der Microsoft Deutschland GmbH haben mich veranlasst, diesen Schritt zu gehen", schrieb er in einer internen Mail an die Mitarbeiter. Die zunehmende Kontrolle durch die Muttergesellschaft soll auch Jörg Limberg im Sommer dazu veranlasst haben, den Posten des Deutschland-Chefs von Open Text zu räumen. Limberg wird Zentraleuropa-Chef von Business Objects.

Gallmanns Nachfolger bei Microsoft ist Achim Berg, zuvor Vorstandsmitglied der Festnetzsparte T-Com. Dort war er für den Vertrieb und den Service zuständig, wobei er sich nicht gerade durch Erfolge ausgezeichnet hat: Telekom-CEO Kai-Uwe Ricke wurde im November geschasst, weil er die rasante Abwanderung der Festnetzkunden nicht stoppen konnte. Und der Service zählte noch nie zu den Aushängeschildern des Ex-Monopolisten. Rickes Nachfolger René Obermann aus der konzerneigenen Mobilfunksparte kündigte dann auch in seiner Antrittsrede als vorrangige Ziele an, im Festnetz den Service zu verbessern und die Abwanderung der Kunden zu stoppen. In einem ersten Schritt wurde unter anderem T-Com-Chef Walter Raizner entlassen.

Kronprinz ohne Land

Nicht in den Ruhestand oder zu einem Outplacement-Berater, sondern in eine andere Branche hat es Thomas Ganswindt verschlagen. Nach 17 Jahren bei Siemens verließ der Vorstand und einstige Kronprinz von Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer das Unternehmen und wechselte an die Spitze der Luxemburger Elster Group (ehemals Ruhrgas Industries). Die rund 9000 Mitarbeiter zählende Firma vertreibt Geräte, mit denen sich der Verbrauch von Strom, Gas und Wasser messen lässt. Das Ausscheiden Ganswindts war eine Frage der Zeit: Das Handy-Geschäft war an BenQ verschenkt worden, und ein Großteil seiner Com-Sparte fließt in ein Joint Venture mit Nokia. Nun holt ihn die Schmiergeld-Affäre ein. (ajf)