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Interview mit TKIS-Chef Peter Chylla


31.05.2002 - 

"Outsourcer spüren Flaute mit Zeitverzug"

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat der IT-Dienstleister Thyssenkrupp Information Services (TKIS) sich in den letzten Monaten aus einigen Märkten zurückgezogen und konzentriert sich nun mehr oder weniger auf das IT-Outsourcing. Peter Chylla, Vorsitzender der Geschäftsführung der TKIS GmbH, Düsseldorf, erläutert CW-Redakteur Joachim Hackmann die Gründe.

CW: Die gesamte IT-Wirtschaft stöhnt unter der wirtschaftlichen Flaute, anscheinend geht es nur den Outsourcern richtig gut. Wie schätzen Sie die derzeitige Lage ein?

Chylla: Seit einigen Monaten ist erkennbar, dass die kommende Zeit unter wirtschaftlichen Aspekten auch für uns nicht ganz einfach werden könnte. Für IT-Dienstleister, also auch für uns, ist der Erfolg eng mit den Software-Lizenzverkäufen beispielsweise von SAP, Oracle und IBM verknüpft - und die sind mancherorts rückläufig. Aus dem Erwerb von geschäftskritischen Applikationen entwickeln sich nämlich Projekte und daraus entstehen häufig Betreiberverträge. Der Markt funktioniert nach einem ganz einfachen Mechanismus: Fließt vorne kein Öl oder Benzin nach, lässt sich hinten nichts verfeuern. An der Spitze dieser Wertschöpfungskette, bei den Softwareherstellern, wirkt sich der Mangel drastisch aus, die Anbieter im Projektgeschäft spüren die Zurückhaltung etwas gedämpfter. Die Betreiber sind am wenigsten betroffen.

CW: Demnach sind Sie zurzeit noch guter Dinge.

Chylla: Bei der Triaton stammen 75 Prozent der Einnahmen aus dem Outsourcing-Geschäft und 25 Prozent aus dem Beratungs- und Integrationsumfeld. Das schwache Projektgeschäft trifft somit auch uns, wenngleich nicht so hart. Im Outsourcing-Bereich wird uns die schwache Wirtschaftslage erst mit Zeitversatz erreichen.

CW: Da widersprechen Sie sämtlichen Analysten, die allesamt von dauerhaft steigenden Umsätzen beim Outsourcing ausgehen.

Chylla: Das kann schon sein, aber man muss sauber unterscheiden: Bei den Bestandskunden, die ohnehin Outsourcing-Leistungen von uns beziehen, sind derzeit kaum zusätzliche Geschäfte zu machen, da sie keine neuen Systeme einführen. Allerdings gibt es auch die Gruppe der potenziellen Neukunden sowie die wechselwillige Klientel. Dort ist die Entwicklung positiv und die Nachfrage so groß wie nie zuvor. In den letzten Jahren waren vor allem Industriekonzerne sehr aktiv beim IT-Outsourcing. Heute zeigen sich zunehmend auch Banken und TK-Unternehmen an diesen Services interessiert.

CW: Nicht alle Konzerne wählen jedoch den Weg der Auslagerung. Viele stellen die IT-Abteilung auch als internen Dienstleister auf, der sich auch um externe Aufträge bemüht. Durch diese so genannten IT GmbHs entstehen neue Wettbewerber.

Chylla: Ich bin ein Verfechter der These, dass der Druck auf die IT GmbHs durch die großen Outsourcer ständig steigen wird. Schauen Sie sich die ausgegründeten IT-Abteilungen an: Die wenigsten können auf nennenswerte Einnahmen außerhalb der Mutterkonzerns verweisen. Zu den erfolgreichen Ausgründungen zähle ich nur das ehemalige Debis Systemhaus und TKIS. Ich glaube auch, dass dieser Markt sich zu einem ganz normalen Geschäft entwickeln wird. Er ist es bislang noch nicht, weil er noch stark fragmentiert ist. Es wird künftig weniger, dafür aber größere Teilnehmer geben.

CW: Sie haben in der Vergangenheit mehrfach ehrgeizige Pläne angekündigt. So wollen Sie innerhalb von drei bis fünf Jahren den Umsatz verdreifachen. Stehen Sie noch zu dieser Aussage?

Chylla: Ja, ich habe das erst auf der diesjährigen CeBIT noch einmal unterstrichen. Die Ziele ergeben sich aufgrund der Marktlogik: Die großen Anbieter wachsen überproportional durch Übernahmen oder Joint Ventures. Wer also in der obersten Liga mitspielen will, muss sich solche Ziele setzen. Das kann nicht allein durch organisches Wachstum funktionieren, denn die Zeiten, in denen allein der Markt im zweistelligen Bereich zulegte, sind vorbei.

Man kann die Notwendigkeit, die hinter den hohen Zielen steckt, auch umgekehrt formulieren: Wer derartige Vorgaben nicht erfüllt, wird künftig nicht mehr als ernsthafter Marktteilnehmer wahrgenommen.

CW: Mit der Web-Agentur Xtend sind Sie auch im New-Economy-Umfeld angetreten. Der Ausflug auf dieses für TKIS ungewohnte Terrain verlief nicht gerade glücklich.

Chylla: Xtend ist kein Thema, bei dem wir in Jubelarien verfallen. Unser Ausflug, wie Sie ihn nennen, ist entlang des Marktes verlaufen, also irgendwo in der Mitte zwischen den Schicksalen von GFT, Pixelpark, ID New Media und Kabel New Media. Wir haben unser Engagement mit Wirkung zum 1. März 2002 beendet. Xtend New Media wurde veräußert, nachdem wir das Unternehmen zuvor saniert haben.

CW: Was hat Sie denn der Ausflug gekostet? In einer regionalen Zeitung war von 50 Millionen Euro die Rede.

Chylla: Wir sprechen von Buchwertkorrekturen, die beispielsweise aus der Insolvenz einer Werbeagentur herrühren, an der wir beteiligt waren (Anm. der Redaktion: gemeint ist das Unternehmen NHS). Die genannte Summe ist somit kein Cash-Verlust.

CW: Die Xtend war neben Triaton und den Healthcare- sowie den Telematikdiensten ein wesentlicher Bestandteil der Vier-Säulen-Strategie von TKIS. Hat diese Strategie nun keine Gültigkeit mehr?

Chylla: Nein, aber das ist schon seit geraumer Zeit so. Wir haben die Telematikdienste im Rahmen eines Management-Buyouts veräußert. Auch von der Gleichartigkeit der verbliebenen Säulen sind wir abgerückt. Wir fokussieren uns schon seit der CeBIT 2001 auf die Triaton als den IT-Dienstleister für die Industrie. Es hat sich herausgestellt, dass dieser Zweig dauerhaften Erfolg, Wachstum und Stabilität liefert. Triaton ist die Haupt- und Kerngesellschaft von TKIS. Thyssenkrupp Health Care Services hat sich übrigens erfreulich entwickelt.

CW: In der New-Media-Sparte fanden sich auch Unternehmen wie NHS und Contentgate wieder. Was ist aus den Anbietern geworden?

Chylla: An der Werbeagentur NHS hatten wir wie bereits erwähnt nur eine Minderheitsbeteiligung. Sie musste aufgrund der schlechten Lage auf dem Werbemarkt Insolvenz anmelden. Contentgate hingegen war ein reines Startup mit minimalem Personalaufwand. Es hat sich als Mediator von digitalen In-halten aufgestellt. Das hat sich als nicht trag-fähig erwiesen. Aus dem Xtend-Umfeld haben wir noch zwei Unternehmen an Bord. Die Infoscreen GmbH, die auf großformatigen Bildschirmen, etwa in den Münchner und Hamburger U-Bahn-Stationen, Werbung und Nachrichten sendet und die wir zusammen mit der Deutschen Städte-Medien GmbH betreiben. Sie ist trotz des eingebrochenen Werbemarktes eine Perle. Außerdem sind wir mit Mediagate noch im Umfeld von Digital-TV tätig.

Das Unternehmen TKIS

Der Thyssenkrupp-Konzern konzentriert sich auf die drei Tätigkeitsschwerpunkte Stahl, Industriegüter und Dienstleistungen. Letzteres Segment bedient die Thyssenkrupp Serv AG mit rund 26000 Mitarbeitern. Sie liefern Services wie Entsorgung, Wartung von Industrieanlagen, Gebäude-Management und IT-Dienstleistungen. Letztere wiederum werden unter anderem von der Tochter Thyssenkrupp Information Services (TKIS) erbracht. Mit rund 3200 Mitarbeitern nahm TKIS im vergangenen Geschäftsjahr knapp 500 Millionen Euro ein. Rund 360 Millionen Euro davon entfielen auf das IT-Systemhaus Triaton GmbH. Dort sind rund 2400 Mitarbeiter beschäftigt. Neben Triaton gibt es unter dem TKIS-Dach noch kleinere Töchter wie die Thyssenkrupp Health Care Services GmbH, Mediagate GmbH und die Beteilung an der Infoscreen GmbH. Von der einst favorisierten Vier-Säulen-Organisation bestehend aus IT-Systemhaus-Diensten (Triaton), Multimedia-, Healthcare- und Telematik-Services ist TKIS mittlerweile abgerückt. Telematikangebote gibt es nicht mehr und der Multimediabereich wurde verschlankt: Xtend New Media wurde verkauft, das Startup Contentmedia eingestellt und die Werbeagentur NHS, an der TKIS eine Minderheitsbeteiligung hielt, musste Insolvenz anmelden.