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08.03.1991 - 

EDS setzt auf europäisches Potential

Outsourcing-Anbieter tun sich in Deutschland noch relativ schwer

MÜNCHEN (IDG/CW) - Der amerikanische Facilities-Management-Anbieter Electronic Data Systems (EDS) erzielte im vergangenen Jahr weltweit einen Umsatz von sechs Milliarden Dollar. Allerdings machte er die Hälfte davon mit dem Mutterkonzern General Motors (GM) und gut fünf Milliarden im eigenen Land.

In Europa tut man sich hingegen schwer: Nur zwölf Prozent der Einnahmen stammen aus der Alten Welt.

In Deutschland belief sich der EDS-Umsatz im vergangenen Jahr auf 325 Millionen Mark. Damit belegte der Outsourcer hinter der Daimler-Benz-Tochter Debis-Systemhaus den zweiten Platz, das Einnahmen in Höhe von 800 Millionen Mark verbuchen konnte - allerdings zu 80 Prozent mit dem Stammhaus Daimler. Beide Unternehmen bieten jedoch neben FM weitere Dienstleistungen und Software an.

Hierzulande scheint man sehr viel zurückhaltender zu sein als im benachbarten Ausland, wenn es um Outsourcing und Facilities Management geht. International erfolgreich agierende Unternehmen wie Andersen Consulting, IBM, DEC oder Cap Gemini konnten in Deutschland keine spektakulären Umsätze verbuchen. Bei der deutschen IBM hieß es auf Anfrage, man unternehme zur Zeit keine aktiven Schritte in Richtung FM, beobachte die Entwicklung aber sehr aufmerksam. Digital Equipment ist hingegen nach eigenem Bekunden auch in der Bundesrepublik in diesem Geschäft tätig. Weil es sich aber um eine relativ neues Tätigkeitsfeld handeln würde, wollte das Unternehmen keine Angaben zum Volumen machen. Auch bei Andersen Consulting gibt man sich zurückhaltend, was den Outsourcing-Anteil am gesamten Dienstleistungsangebot betrifft.

Das beherrschende Thema der 90er Jahre

Den Marktforschern der deutschen IDC zufolge erzielten Unternehmen mit FM und Outsourcing 1989 in Deutschland einen Umsatz von 109 Millionen Mark, was einen Anteil von 0,7 Prozent am gesamten Software- und Servicemarkt ausmache. Die Auguren erwarten bis 1992 eine jährliche Zuwachsrate von 15, ab 1993 bis 1995 ein Wachstum von 14 Prozent. Gleichwohl konzertiert IDC diesem Markt künftig zunehmende Bedeutung. Die amerikanische Marktforschungs-Gesellschaft Input betrachtet Outsourcing dagegen als das beherrschende Thema der neunziger Jahre.

EDS zumindest erwartet einiges vom europäischen Geschäft. Nach den Plänen des Unternehmens ist vorgesehen, innerhalb der nächsten vier Jahre nicht nur den GM-Anteil von zur Zeit 50 auf 25 Prozent der Aufträge zu reduzieren sondern auch verstärkt international zu agieren: Heute kommen 85 Prozent des EDS-Umsatzes aus den USA und trotz der 14 europäischen Niederlassungen nur zwölf Prozent aus der Alten Welt. Peter W. Bakker, Präsident des nordeuropäischen Geschäftsbereichs, scheint der niedrige Umsatzanteil nicht zu stören. Er glaubt, daß der Markt für Facilities Management in den meisten europäischen Ländern erst zu wachsen beginnt, und hält deshalb den Zeitpunkt für gekommen, sich hier stärker zu engagieren.

Bakker zufolge werden zwei wichtige Trends dafür sorgen, daß Outsourcing in den nächsten Jahren auch in Europa attraktiver wird: Großunternehmen schließen sich auf nationaler und internationaler Ebene zusammen, um ihre Produkte auf dem gesamten Kontinent besser vermerkten zu können. Außerdem planen diese Großanwender, ihre Informationssysteme zu dezentralisieren. "In beiden Fällen wird das Rechenzentrum zum Problem, das nur dann kosteneffektiv gehandhabt werden kann, wenn man das System zusammen mit dem Personal an ein Unternehmen wie das unsere übergibt", prognostiziert Bakker.

Deutsche DV-Leiter rechnen sehr genau

Im vergangenen Jahr expandierte EDS kräftig in Europa: Service-Abkommen mit der französischen Finanzierungsgesellschaft Ficofrance, der englischen Midland Bank und Spaniens Telefonica Sistemas wurden unterzeichnet. Das letzte große Geschäft brachten die Outsourcer erst kürzlich mit dem schwedischen Automobilbauer Saab unter Dach und Fach. "Wir haben einen 300 Millionen Dollar schweren System-Management-Vertrag abgeschlossen, freut sich der Nordeuropa-Chef.

Gute Möglichkeiten sieht er in naher Zukunft vor allem in der Lebensmittel- und Getränke-Industrie, bei Transport- und Großhandelsunternehmen sowie bei Druckereien und Verlagen. Dem öffentlichen Bereich, Versicherungen und Banken sagt Bakker ein langsameres Wachstum voraus.

Aus Deutschland hatte EDS im vergangenen Jahr allerdings keine öffentlichkeitswirksamen Großabschlüsse zu melden ein Phänomen, das aber auch anderen in der Branche tätigen Unternehmen zu schaffen macht. Deutsche DV/Org.-Leiter rechnen augenscheinlich sehr genau die Outsourcing-Kosten gegen die eines eigenen Rechenzentrums auf.

Hinzu kommt sicher noch die Angst vor der Herausgabe der eigenen (zum Teil unternehmensrelevanten) Daten an Dritte. Ein Anwender: "Ob Outsourcing Kostenvorteile gegenüber dem eigenen Rechenzentrumsbetrieb bringt, läßt sich pauschal nicht sagen. Das ist aufgabenspezifisch und muß in jedem Einzelfall sehr genau berechnet werden."

Auch der EDS-Kunde Porsche hat beispielsweise nicht seine gesamte DV außer Haus gegeben, sondern nur CAD-Service und Know-how eingekauft. Als man in Stuttgart schnellstmöglich ein funktionierendes CAD-System benötigte, entschied man sich für ein Angebot der Amerikaner, das die von GM entwickelte Software für Karosserie-Oberflächen Computer Graphic System (CGS) sowie entsprechende Schulung und FM einschloß. Heute betreibt EDS auf dem Porsche-Gelände ein CAD-Rechenzentrum, um diese Dienste bereitstellen zu können.