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05.07.1991 - 

Begriffsklärungen sind überfällig

Outsourcing bedeutet nicht die Demontage der DV-Anlage

Systemintegration und Systembetrieb sind nach der Definition des Marktforschungsinstituts Input die bei. den möglichen Varianten des Outsourcing. Frank Solbach beschreibt die unterschiedlichen Aspekte und beleuchtet das Anbieterspektrum in Deutschland.

Steigende Budgets für die Datenverarbeitung, immer größere Rechenanlagen, die Forderung nach höheren Verarbeitungsgeschwindigkeiten und besserer Verfügbarkeit, Unmengen von Rechen- und Speicherkapazitäten und teures Personal treiben die Kosten für die Informationsverarbeitung in die Höhe. Gerade der Mangel an qualifiziertem Personal in den DV-Abteilungen hemmt immer wieder den Abschluß von wichtigen Projekten.

Planung, Design, Implementierung und Integration von kritischen Anwendungen, so die Befürchtung vieler Unternehmen, werden langfristig nicht mit den eigenen Mitarbeitern bewältigt werden können.

Binnenmarkt erfordert detaillierte Informationen

Die Situation verschärft sich zunehmend, da die Organisation von Informationssystemen heute noch stärker als früher durch die allgemeinen Rahmenbedingungen der Wirtschaft beeinflußt wird. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Globalisierung des Handels. Der bevorstehende Binnenmarkt und der da. mit verbundene Strukturwandel in vielen Branchen erfordert mehr detailliertere Informationen.

Internationale Geschäfte bedingen Informationssysteme, die den Forderungen eines internationalen Wettbewerbs entsprechen. Der Handel braucht eine 24stündige informationstechnische Abstützung rund um den Erdball. In der Industrie setzen sich zunehmend Spezialisierungen durch, die straffe Organisationsstrukturen in den Unternehmen verlangen. Ändert sich die Organisation, so muß die Datenverarbeitung besonders schnell reagieren.

Informationssysteme müssen heute unter anderem die Aktivitäten im internationalen Wettbewerb berücksichtigen und auf Faktoren wie den strukturellen Wandel im Unternehmen oder auch auf Fusionen beziehungsweise Akquisitionen gezielt reagieren können. Brücken zu externen Organisationen oder Unternehmen sind zu schlagen, so daß große Informationsnetzwerke entstehen, die ihr Gesicht ständig verändern. Viele Unternehmen sind mit diesen Aufgaben überfordert.

Nicht nur amerikanischen sondern auch europäischen Unternehmen, die sich mit DV-Problemen herumschlagen müssen, kommt deshalb der Trend zum Outsourcing gerade recht. Ob es sich dabei wirklich um den" Stein der Weisen" handelt, muß sich jedoch erst erweisen. Was sagt das Wort eigentlich aus? Outsourcing heißt nicht, daß ein Unternehmen plötzlich die ganze Datenverarbeitungsanlage demontiert, Es bedeutet lediglich, daß sich der Anwender von "überflüssigen" DV-Dienstleistungen befreit, die unnötigerweise Mitarbeiterpotential, Energie und Finanzen absorbieren.

Das Marktforschungsunternehmen Input setzt Outsourcing mit dem Begriff System Management gleich. Andere externe Ausgaben von IS-Anwendern - zum Beispiel der Erwerb von Softwarepaketen. externe Netzwerkberatung oder externe Aus- und Weiterbildung - werden in den gängigen Definitionen von Outsourcing häufig mit erfaßt, allerdings nicht von Input. Unsere Definiton des System Managements untergliedert sich in die Bereiche System Integration und System Operation (Facilities Management). Hier ist nach unseren Begriffen die wahre Ebene des Outsourcing erreicht.

Zur System Operation gehört der Betrieb und das Management aller oder eines wesentlichen Teils der Funktionen des Anwender-Informationssystems im Rahmen eines langfristigen Vertrags. Diese Dienstleistungen können in zwei verschiedenen Arten erbracht werden: als professionelle Dienste, wo der Anbieter das Personal zur Bedienung der Kundengeräte stellt, oder als Verarbeitungsdienstleistungen. Hier werden Personal, Geräte und (optional) Räumlichkeiten angeboten.

Für die Unterstützung bestehender Informationssysteme wird heute eine große Bandbreite von Dienstleistungen zur Verfügung gestellt. Der Anbieter kann einige oder alle Komponenten des Kunden-Informationssystems planen, steuern, betreiben, warten, und verwalten und zwar entweder beim Kunden oder beim Dienstleistungsunternehmen selbst.

System Operation kann auch als Ressource Management oder Facilities Management bezeichnet werden. Weil uns diese Begriffe nicht gerade als anwenderfreundlich erscheinen, haben wir zwei andere Begriffe gewählt: Die System Operation gliedert sich in die beiden Stufen Plattform/Netzwerk-Betrieb und Anwendungsbetrieb.

Beim Plattform/Netzwerk-Betrieb betreibt der Anbieter das Computersystem beziehungsweise das Netzwerk, ohne für die Anwendungen verantwortlich zu sein. Für das Gesamtsystem einschließlich Geräte, Telekommunikationssysteme und Anwendungssoftware ist der Dienstleister dagegen beim sogenannten Anwendungsbetrieb verantwortlich. Anbieter von System Operations sind in Deutschland unter anderem Alldata, tds, Debis, Taylorix etc. Zur besonderen Rolle der Hardwarehersteller kommen wir später.

Die Aufgaben das Systemintegrators

Der Begriff System Integration meint ein kommerzielles Angebot, bei dem eine Komplettlösung für ein Informationssystem, ein Netzwerkproblem oder eine Automatisierungsanforderung bereitgestellt wird. Die Auswahl und Implementierung von Produkten und Dienstleistungen ist auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt.

Ein Systemintegrator ist verantwortlich für die gesamte Abwicklung eines System-Integration-Vertrags. Als alleiniger Ansprechpartner übernimmt er gegenüber dem Kunden die Verantwortung für die Bereitstellung der angegebenen Systemfunktion entsprechend dem Zeitplan und dem festgelegten Preis. Die Komponente Anwendungsverarbeitung ist in der System Integration enthalten. Der Systemintegrator führt in der Regel folgende Funktionen aus oder leitet Personen bei deren Ausführung an:

- Programmanagement einschließlich des Managements der Unter-Auftragnehmer,

- Bedarfsanalyse,

- Erarbeitung der Spezifikation,

- Konzeptionelle(s) und detaillierte(s) Systemdesign und Architektur,

- Auswahl der Systemkomponenten, Änderung, Integration und Anpassung,

- Anpassung des Softwaredesigns und Entwicklung,

- Anpassung des Hardwaredesigns und Entwicklung,

- Implementierung des Systems einschließlich Test, Umstellung, Abschlußanalyse und Tuning.

- Unterstützung während des Lebenszyklus einschließlich Systemdokumentation und Ausbildung der Benutzer, Systembetrieb während der Entwicklung und Systempflege,

- Finanzierung.

Anbieter in Deutschland sind unter anderem IBM, Unisys, Cap Gemini Sogeti, Andersen Consulting, Ploenzke, DEC und Bull. Neben unabhängigen Dienstleistern sind hier also einige Hardwarehersteller im Geschäft - kein Wunder, geht es hier doch auch darum, Hardware der eigenen Marke zu verkaufen. Allerdings nehmen einige Hersteller für sich in Anspruch, auch Geräte von Mitbewerbern einzusetzen, sofern dies den Wünschen des Anwenders entspricht.

Vielfach ist die Komplexität für die DV-Verantwortlichen kaum noch zu durchblicken, und nicht selten stehen die Kosten der Datenverarbeitung in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen für das gesamte Unternehmen. Vor allem Firmen, denen die Datenmenge Über den Kopf wächst und die Schwierigkeiten haben, ihre Systeme zu warten oder auf neue Anforderungen umzustellen, legen Teile der Informationsverarbeitung in die Hände von Unternehmen, die sich professionell mit System Management beschäftigen.

Datensicherheit ist ein kritischer Punkt

Anbieter, die diese Dienstleistung auch in Deutschland verkaufen, sind unter anderem die General-Motors-Tochtergesellschaft Electronic Data Systems Corp. (EDS), die Philips-Tochter Origin, das Daimler-Benz-Systemhaus Debis und Digital Equipment. Daimler Benz und General Motors gaben ihre Datenverarbeitung nicht in fremde Hände, sondern gründeten eigenständige Unternehmen _ sie betrieben ein sogenanntes Inhouse-Outsourcing.

Die Datensicherheit ist ein kritischer Punkt für Unternehmen, die beabsichtigen, ihre DV einem Dienstleister anzuvertrauen. Oft besteht die Sorge, daß geheime Daten in die Hände eines Konkurrenten gelangen könnten, der beim gleichen Anbieter Kunde ist.

Trotz dieser Vorbehalte wächst der Markt stetig. So belief sich der Umsatz von EDS 1990 weltweit auf geschätzte sechs Milliarden Dollar, von denen immerhin die Hälfte mit externen Kunden verdient wurde. Ähnliche Regionen möchte man bei der noch jungen Daimler-Benz-Tochter Debis erreichen. Im ersten Geschäftsjahr 1990 lag der Umsatz des Unternehmens bereits bei rund 1,3 Milliarden Mark.

Die Entscheidung, die DV extern verwalten zu lassen, ist nicht branchenabhängig. Die Palette der Unternehmen die ihre DV als Bürde empfanden und ihre Konsequenzen zogen reicht von Fertigungsbetrieben bis hin zu Dienstleistungsunternehmen wie Banken und Versicherungen. Der Nutzen für diese Anwender ist vielfältig, wird die Datenverarbeitung extern verwaltet, so lassen sich Kapazitäten, die für die Inhouse-Arbeit benötigt werden, besser disponieren. Der Anwender zahlt keine Überkapazitäten, sondern nur das, was er wirklich benötigt.

Anbieter von System Operation können die DV viel wirtschaftlicher gestalten als ihre Kunden. Ressourcen werden effektiver genutzt. Durch die Konzentration auf wenige große Standorte lassen sich Software-Lizenzgebühren sparen. Hinzu kommt, daß die Kapazitätsreserven der Rechner durch verschiedene Kunden, die mit der gleichen Hardware gearbeitet haben, besser genutzt werden. Da. bei wird die Anzahl der eingesetzten Maschinen reduziert, ein Aspekt, der den großen Hardwareherstellern Oberhaupt nicht behagt.

Durch ein professionelles Management der Informationssysteme steigt deren Leistungsfähigkeit. Die Anwender erhalten ihre Antworten schneller, arbeiten kosteneffektiver und können ihre Planung besser koordinieren.

Technisch auf dem neuesten Stand haben sie die Möglichkeit, das Know-how externer Spezialisten in Anspruch zu nehmen ohne neue Leute einstellen zu müssen.

Indem von den Profis leistungsfähigere Informationssysteme eingesetzt werden, besteht für den Kunden die Möglichkeit, Seine Wettbewerbssituation durch schneller verfügbare und bessere Informationen zu verbessern - natürlich nur, solange die Konkurrenz nicht auf die gleichen DV-Leistungen zurückgreift.

Aus welchen Bereichen kommen die Anbieter von Outsourcing beziehungsweise System Operation? Neben den durch Inhouse-Outsourcing entstandenen Firmen Debis und EDS sind es vor allem die Hardwarehersteller: IBM spielt am amerikanischen Outsourcing-Markt bereits eine dominierende Rolle.

In Deutschland heilt sich IBM zurück

Insgesamt betrachten die Computerhersteller diesen Markt aber eher mit gemischten Gefühlen, in Deutschland hält sich IBM sogar noch ganz zurück. Bei den Hardware-Anbietern geht die Angst um, daß durch Outsourcing auf dem ohnehin schon stagnierenden Hardwaremarkt noch weniger Systeme verkauft werden.

Andere Unternehmen, die sich in diesem expandierenden Markt bewegen, sind professionelle Dienstleister wie Andersen Consulting und Cap Gemini Sogeti oder die bereits erwähnten Facilities-Management-Anbieter Alldata und tds.

Da die Anbieter aus unterschiedlichen Bereichen kommen, sind sie jeweils in Teilbereichen Spezialisten. In Zukunft werden alle ihr Leistungsspektrum komplettieren müssen. Dabei sind vor allem kleine Anbieter schon bald auf Kooperationen, beziehungsweise Jointventures, angewiesen.

Gegenwärtig sind die Anbieter mit der Resonanz am Markt noch zufrieden, doch wird die Konkurrenz auch in diesem Segment immer größer, so daß mit einem Konzentrationsprozeß zu rechnen ist. Hardwarehersteller stehen besonders dort gut da, wo es um das Management von Geräten geht. Ihnen fehlt es jedoch an "Business Expertise" in den vertikalen Industriesektoren Fertigung, Banken, Versicherungen, Handel etc. Hier haben neben den reinen Softwarehäusern die Beratungsunternehmen beste Marktchancen.

Die gegenwärtigen Mergers und Firmenübernahmen deuten darauf hin, daß viele Anbieter von Diensten die Beratungsseite dazu kaufen oder Jointventures anstreben. Als Beispiele hierfür stehen neben vielen anderen Debis und Diebold sowie Computer Science Corp. und Butler Cox.

Eine umfangreiche Befragung von System-Operations-Anwendern ergab folgende Kriterien, nach denen Anbieter ausgewählt werden: Finanzkraft, kommerzielles Vertrauen, Kosten, Industrie-Applikations-Erfahrung, Systembetrieb-Erfahrung, Anbieter-/Anwenderbeziehung, Datensicherheit, zukünftig nutzbare Fähigkeiten. Besonders wichtig war für die Befragten, unabhängig von Hardwareherstellern zu sein. Grund dafür ist die Angst der Anwender vor mangelnder Objektivität und Neutralität.