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07.01.2005

Outsourcing: Für Banken eine harte Nuss

Trotz spezieller Schwierigkeiten im Finanzsektor empfehlen Experten auch hier, bestimmte Prozesse an externe Anbieter auszulagern.

Angesichts ihrer hohen Kosten denken auch die Banken über alternative Formen der Leistungserbringung nach. Beim Outsourcing, das als besonders effektives Instrument zur Kostensenkung gilt, sieht sich der Finanzsektor jedoch mit wesentlich höheren Hürden konfrontiert als andere Branchen. Und das Vorzeige-Auslagerungsprojekt der Deutschen Bank mit IBM verläuft bislang so holprig, dass es die Skepsis anderer Kreditinstitute eher genährt als entkräftet hat.

Die meisten Banken unternehmen bislang nur vorsichtige Schritte und lagern unkritische Backoffice- und IT-Support-Funktionen - etwa die Hardwareinstallation und -wartung sowie Teile der Softwareentwicklung - an externe Anbieter aus. Weiter gehen sie selten. Das liegt daran, dass sich die IT im Finanzwesen nicht auf unterstützende Dienste beschränkt, sondern einen größeren Anteil an der Wertschöpfungskette hat als bei anderen Unternehmen.

Damit stehen die Banken vor einem Dilemma: Einerseits ist ihr gesamtes Geschäftsmodell IT-gestützt. Lagern sie also Funktionen aus, die über die reine Infrastruktur hinausreichen, sind sie zu tiefen Eingriffen in die Geschäftsprozesse gezwungen. "Für die Finanzdienstleister ist der Übergang vom Infrastruktur- zum Anwendungs-Outsourcing ein so großer Schritt, dass viele davor zurückschrecken", konstatiert Peter Dück, Vice President bei Gartner. Andererseits müssen die Banken dringend sparen und können sich diesem Thema nicht länger verschließen.

Hinzu kommen die hohen Sicherheits- und Qualitätsansforderungen im Finanzwesen. Als besonders kritischen Faktor nennt Dück die Systemverfügbarkeit: "Wenn das Zahlungssystem eines Unternehmens eine Stunde lang stillsteht, ist das ärgerlich und geschäftsschädigend, lässt sich aber überstehen. Eine Bank kann so ein Vorfall in den Ruin treiben."

Bafin stoppt Commerzbank

Um zu verhindern, dass Banken den Zugriff auf ihre jeweils ausgelagerten Bereiche verlieren, hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) strenge Richtlinien erlassen. Demnach ist jedes Kreditinstitut verpflichtet, der Bankenaufsicht ein ungehindertes Einsichts- und Prüfungsrecht zu gewähren sowie die Kontrolle des Dienstleisters sicherzustellen. Anfang letzten Jahres etwa musste die Deutsche Bank der Bafin nicht nur die Notfallfähigkeit ihrer ausgelagerten IT-Infrastruktur, sondern auch die Einhaltung ihrer Kontrollpflicht gegenüber IBM nachweisen.

Diese strengen Auflagen machen es den Finanzdienstleistern nicht leicht, ihre ohnehin mit Vorbehalten behafteten Outsourcing-Pläne umzusetzen. So wurde kürzlich bekannt, dass der vor einem Jahr geplatzte Deal zwischen der Commerzbank und IBM vor allem deshalb nicht zustande gekommen war, weil die Bafin mit dem Argument, die IT der Commerzbank sei "noch nicht reif für die Vergabe an Dritte", ihr Veto eingelegt hatte.

Trotz dieser Hürden gibt es eine Reihe von Funktionen und Prozessen, bei denen Banken vom Outsourcing profitieren können. Neben dem Infrastrukturbetrieb oder der Anwendungsentwicklung sind auch bestimmte Personalprozesse, das Application-Management sowie die Abwicklung des Zahlungsverkehrs inzwischen so stark standardisiert, dass die Vorteile des Auslagerns nach Meinung von Branchenkennern überwiegen. "Prozesse, in denen sich Banken nicht groß voneinander unterscheiden, sind geradezu prädestiniert für die Vergabe an spezialisierte Anbieter", meint Gartner-Analyst Dück. Selbst die Wertpapierabwicklung gilt mittlerweile als geeignet: "Das ist zwar kein Massengeschäft, aber es gibt ja schon Kreditinstitute, die solche Prozesse erfolgreich auslagern - etwa die Deutsche Bank mit der Postbank", argumentiert Florian Keller, Research Director beim Schweizer Marktforschungsinstitut Soreon.

Neben einer schlankeren Struktur und einer verbesserten Kundenausrichtung bringt Outsourcing vor allem Kostenvorteile. Soreon hat errechnet, dass eine Großbank durch das Auslagern ihres Rechenzentrums- und Client-Serverbetriebs an einen nationalen Dienstleister bis zu 30 Prozent gegenüber dem Eigenbetrieb einsparen kann. In der Anwendungsentwicklung biete sich vor allem das Offshoring an: Wegen der niedrigen Lohnkosten und den geringen arbeitsrechtlichen Auflagen für die Mitarbeiter im Drittland kann eine Großbank ihre Kosten um 20 Prozent senken, so die Experten.

Für die meisten Personalprozesse, das Application-Management sowie für die Zahlungsverkehr- und Wertpapierabwicklung von Großbanken empfehlen die Experten die Leistungserbringung durch ein eigenes Offshore-Center, das heißt, die Unternehmensfunktionen werden in rechtlich nicht eigenständige Einheiten (Profit-Center) oder an Tochterfirmen im Offshore-Land ausgegliedert. So können große Kreditinstitute bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs bis zu 29 Prozent, bei Personalprozessen und im Application-Management jeweils 26 Prozent und in der Wertpapierabwicklung 22 Prozent im Vergleich zum Eigenbetrieb einsparen.

Die Risiken sind dabei im Vergleich zum klassischen Offshoring gering. So ist es für die Zahlungsverkehr- und Wertpapierabwicklung unerlässlich, dass der Dienstleister das deutsche Bankenrecht kennt und über das entsprechende Know-how verfügt. "Wesentlich effizienter ist es da, interne Projekt-Manager ins Offhore-Land einzufliegen", erläutert Soreon-Experte Keller.

Branchen-Know-how erforderlich

Bislang ist das Angebot an Dienstleistern, die Transaktionen für Banken abwickeln, allerdings begrenzt. Die klassischen IT-Dienstleister haben nach Ansicht von Gartner-Analyst Dück Probleme, solche tiefer liegenden Prozesse abzubilden. In Frage kommen hierfür hauptsächlich Anbieter, die über das entsprechende Branchen-Know-how verfügen, da sie selbst aus der Finanzbranche stammen. Damit sind die Anbieter jedoch gleichzeitig auch Wettbewerber - ein Risiko, vor dem viele Kreditinstitute noch zurückschrecken.

Diese Bedenken können sich die Banken jedoch auf Dauer nicht leisten, meint Keller: "Im Endeffekt wiegt das Kostenargument schwerer." Zudem sei mit einer steigenden Zahl an unabhängigen Anbietern zu rechnen, da immer mehr Großbanken ihre Transaktionstöchter als selbständige Unternehmen ausgründeten. Ein Beispiel ist die European Transaction Bank (ETB), die von der Deutschen Bank abgespaltet und - um zu signalisieren, dass es sich dabei tatsächlich um eine unabhängige Einheit handelt - mehrheitlich an den britischen BPO-Anbieter Xchanging verkauft wurde.

Kernprozesse bleiben tabu

Problematisch ist das Outsourcing-Thema bei den Geschäftsprozessen. "Die Kredit- und Hypothekenabwicklung und vor allem das damit verbundene Risiko-Management zählen viel mehr als andere Prozesse zu den Kernkompetenzen einer Bank", warnt Keller. Er rät daher, diesen Bereich nicht an einen externen Dienstleister, sondern in Form von Shared Service Centern intern auszulagern. Laut Soreon können Großbanken auf diese Weise bis zu 13 Prozent gegenüber dem Eigenbetrieb einsparen.