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03.07.1992

Outsourcing kann eine Chance für Unternehmen sein

Karl-Heinz Lorenz, Leiter Beratung und Vertrieb, Integrata AG, Geschäftsstelle München

Ist Outsourcing wirklich das Damoklesschwert über dem Haupt der internen DV-Abteilungen, für das es viele halten? Immerhin, wenn heute von Outsourcing die Rede ist, schlagen DV- und Organisationsleiter urplötzlich leisere Töne an - ob der damit vermeintlich drohenden Schwierigkeiten. RZ-Leiter befürchten Einflußverluste ihrer zentralen DV. Offiziell oder auch inoffiziell informierte Mitarbeiter verwechseln Outsourcing nicht selten mit Outplacement und überprüfen insgeheim schon die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes.

All das fördert natürlich die Produktivität nicht unbedingt. Geht es eher um die rein sachliche Einordnung von Outsourcing, so scheiden sich auch hier die Geister. Vielfach wird Outsourcing als überwiegend technische Aufgabenstellung verstanden, als gälte es, einen möglichst günstigen Weg zu finden, bisher interne DV-Leistungen nach draußen zu verlegen. Betreiber von Service-Rechenzentren sehen sich bereits als die "typischen" Outsourcer schlechthin in einem wachsenden Markt.

Weit gefehlt. Eine Beschränkung auf den rein DV-technischen Vorgang ist meines Erachtens nicht zulässig. Vorschnell verurteilen Skeptiker die Notwendigkeit von Outsourcing überhaupt als die- seit langem erwartete - Bankrotterklärung der Organisations- und DV-Führungspolitik eines Unternehmens. Outsourcing verstehen sie im Sinne einer Kapitulation und damit vor allem der Abtretung der eigenen Verantwortlung an Externe - auch dies stimmt so pauschal nicht.

Ich behaupte, Outsourcing ist - richtig angewandt - für mittlere bis große Unternehmen eine Chance, und zwar als positiv zu bewertende Möglichkeit, im Einklang der individuellen Unternehmensziele mit Marktentwicklung, moderner Informationsstrategie und innovativen, technischen Lösungen die DV als effizienten, leistungsfähigen Produktionsfaktor jedes Unternehmens zu etablieren.

Der Gedanke an Outsourcing könnte und sollte vielleicht da anfangen, wo ein Unternehmen feststellt, daß Leistungsmenge und Qualität der eigenen DV in Relation zu den damit verbundenen Kosten sich nicht mehr in dem akzeptierbaren Rahmen bewegen.

Die Ursachen hierfür können vielfältiger Natur sein. Oft liegen sie im zu raschen positiven oder negativen Wachstum eines Unternehmens, in dem Entstehen heterogener Systemlandschaften beziehungsweise im dadurch veränderten Nutzungsverhalten der Anwender, aber auch in der allgemeinen Tendenz zur Dezentralisierung begründet. Hinzu kommt ein Kostendruck von außen, verbunden mit erheblichen Kostensteigerungen im Personalbereich.

Budgets, die bisher für den Aufbau geeigneter DV-Strukturen zur Verfügung standen, werden gekürzt und im Zuge eines europäisierten Business-developments an marktorientiertere Bereiche wie den Vertrieb umgeleitet.

Der eher technisch orientierte Ansatz für Outsourcing begründet sich aus der raschen Weiterentwicklung von neuen Techniken und den damit verbundenen Informatikkonzepten. Viele Unternehmen sehen sich nicht mehr in der Lage, mit diesem Fortschritt Schritt zu halten und wollen dennoch als DV-Nutzer weiterhin up to date versorgt werden. Hier ist Outsourcing das Partizipieren am Know-how und Leistungsangebot des externen Dienstleisters.

Über die sachliche Konzeption und die Ausführung hinaus wirft Outsourcing eine Reihe von personalbezogenen Aspekten auf. Durch die partielle (oder sogar vollständige) Verlagerung von DV Leistungen an Externe verändern sich interne Organisations und Personalstrukturen zwangsläufig. Teilweise werden Mitarbeiter mit anderen Qualifikationen benötigt als vorher, einige Aufgaben fallen ganz weg - ein Umfeld, in dem auf alle Fälle Konflikte auftauchen, die funktionell wie sozial behandelt werden müssen.

Der günstigste Zeitpunkt für eine Lösung liegt bereits in der Planung von Outsourcing. Für Mitarbeiter, deren Aufgabengebiet sich verändert, sollte frühzeitig die Ausbildung geplant und eingeleitet werden, und zwar gemeinsam mit diesen Mitarbeitern unter dem positiven Gesichtspunkt individueller Ausbildungs- und Karriereplanung. Andere Mitarbeiter werden im Zuge von Outsourcing den DV Bereich, vielleicht sogar das Unternehmen verlassen. Hier gilt es, mit Hilfe von geeigneten Qualifizierungsmaßnahmen diesen Mitarbeitern einen günstigen Übergang zu ermöglichen. Im Gegensatz dazu wäre ein "negatives" Verlassen mit unpopulären Entlassungsmaßnahmen und Kosten verknüpft.

Wer über Outsourcing nachdenkt oder es schon konkret beabsichtigt, sollte sich frühzeitig um kompetente Hilfe bemühen, zunächst auf der Ebene eines qualifizierten Diskussionspartners, der sich im gesamten Umfeld auskennt. Dieser unterstützt mit analytischen Maßnahmen, um zu überprüfen, ob mit Hilfe von Outsourcing die Lösung der bezeichneten Probleme bewirkt werden kann. Steht dieses einmal fest, so kann ein geeignetes Outsourcing Konzept erarbeitet werden. Erst danach kommt die technische Ausgestaltung und Verwirklichung dieses Konzepts beziehungsweise die Verlagerung von bisher internen, meist zentralen DV-Leistungen an einen oder mehrere Dienstleister.