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16.10.2006

Outsourcing: Klein und kurz ist in

Anwender schließen immer öfter kleine Projekte mit kurzen Laufzeiten ab.
Mega-Deals sind in den letzten Jahren seltener geworden. Die Zahl der kleineren Abkommen steigt dafür kontinuierlich.
Mega-Deals sind in den letzten Jahren seltener geworden. Die Zahl der kleineren Abkommen steigt dafür kontinuierlich.

Die weltweiten Outsourcing-Aktivitäten sind im dritten Quartal 2006 sowohl nach Anzahl als auch nach Vertragsvolumen gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Verantwortlich dafür sind den Beratern von TPI zufolge die kürzeren Laufzeiten der Verträge. Seit 2001 ist die durchschnittliche Dauer um zwölf Prozent gesunken. Speziell im IT-Outsourcing-Bereich ging sie sogar um 18 Prozent zurück. "Mittlerweile laufen nur noch zwölf Prozent der unterzeichneten Auslagerungsabkommen länger als zehn Jahre", so Peter Allen, Partner und Managing Director bei TPI.

Auch im BPO-Geschäft (Business Process Outsourcing) geht der Trend zu kleineren Deals, die sich auf einzelne Prozesse beziehen. Gemessen an der Zahl der Abschlüsse, wird der Markt für das Auslagern von Geschäftsprozessen in den kommenden Jahren dennoch um etwa zehn Prozent pro Jahr wachsen, prognostizieren die Analysten. Allein im dritten Quartal seien 58 BPO-Deals unterzeichnet worden - das sind 23 Prozent mehr als im zweiten Quartal und 26 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Das entsprechende Vertragsvolumen ging zwar - wegen des Trends zu kleineren Deals - im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent zurück. Gegenüber dem zweiten Quartal entsprach dies jedoch einem Anstieg um neun Prozent. Vor allem Europa hat in Sachen BPO kräftig aufgeholt: Laut TPI entfallen fast 46 Prozent der in diesem Jahr bislang abgeschlossenen Verträge auf die Alte Welt. Nord- und Südamerika kommen insgesamt auf 49 Prozent.

Die indischen Offshore-Anbieter konnten ihren Anteil am Vertragswert der weltweit getätigten Outsourcing-Abschlüsse weiter erhöhen - von einem Prozent 2004 auf bislang mehr als vier Prozent in diesem Jahr. Gemessen an der Zahl der unterzeichneten Verträge kommen die indischen IT-Dienstleister auf fast acht Prozent im laufenden Jahr.

Trotzdem mehr Transaktionen

Angesichts der kürzeren Laufzeiten ist es unwahrscheinlich, dass der gesamte Total Contract Value (TCV) die für 2005 errechnete Summe von fast 82 Milliarden Dollar in diesem Jahr übersteigen wird. Trotzdem geht TPI von einer Zunahme der Outsourcing-Transaktionen aus. Hintergrund dieser These ist ein neues Messverfahren, das den Einfluss der kürzeren Vertragslaufzeiten auf den Vertragswert bewusst herausnimmt und stattdessen den durchschnittlichen jährlichen Vertragswert (Annual Contrcat Value = ACV) errechnet. Dieser ergibt sich, wenn man das Vertragsvolumen auf die Laufzeit umlegt: Ein Deal mit einem Gesamtwert von einer Milliarde Dollar und einer Laufzeit von zehn Jahren hat damit einen ACV von 100 Millionen Dollar pro Jahr.

Nach diesen Berechnungen ist der Outsourcing-Markt in diesem Jahr nicht geschrumpft, sondern gewachsen. "Zur Beurteilung der Größe eines Deals ist weniger der Vertragswert, sondern eher die inhaltliche Komponente maßgeblich, also die Komplexität und der Leistungsumfang", erläutert Friedrich Löhr, Senior Advisor bei TPI. "Insofern ist die Vertragslaufzeit von sekundärer Bedeutung." (sp)