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08.03.1991 - 

Mainframe-Anbieter in der Bredouille (Teil 1)

Outsourcing: Manager haben den DV-Überblick verloren

"Outsourcing meint immer einen Angriff auf die standardisierte Großrechnerwelt" - Franz C. Bürgers* These impliziert, daß der Auslagerungstrend die DV-Marktordnung in Wanken bringen könnte. Zieht nur Hersteller, auch die Chefetagen großer Anwender-Unternehmen sind gefordert: Outsourcing ist nämlich nicht primär als technische, sondern als ökonomisches und organisatorisches Problem zu diskutieren.

Keine Ausgabe namhafter Computer-Fachzeitschriften und keine teure DV-Studie, die nicht an der einen oder anderen Stelle den Begriff "Outsourcing" erwähnt. Als amerikanischer Exportartikel bringt er die deutsche Unternehmenslandschaft nachhaltig durcheinander. Dabei wird in der öffentlichen Diskussion häufig die zentrale Frage aus dem Blickfeld verloren. Sie lautet nicht "Wie betreibe ich Outsourcing?", sondern sie muß lauten: "Was steckt dahinter?.

Outsourcing heißt ganz einfach: "Nutze fremde Quellen, wenn Du Deine eigenen schonen oder ganz auf sie verzichten willst!" Das Thema ist in der Informatik-Geschichte nichts Neues. In den 60er Jahren wurde zum Beispiel die Datev gegründet, die für ihre Mitglieder nichts anderes betrieb als Outsourcing - für Steuerberater und -bevollmächtigte.

Diese Berufsgruppe nutzte in der Anfangszeit ausschließlich die Dienstleistungen des zentralen Rechenzentrums der Datev in Nürnberg und sparte sich so eine eigene Datenverarbeitung. Damals hätte sich nicht jeder Steuerberater eine eigene DV leisten können, außerdem stand für diese Unternehmensgröße auch nicht das geeignete Gerät zur Verfügung.

Die Datev ist nicht nur ein frühes Beispiel für das Phänomen Outsourcing. Sie ist ebenso Sinnbild für "value added network services" (VANS), da die Services der Datev gegenüber den Steuerkanzleien ein Fundament für deren Dienstleistungen an ihre Mandanten darstellen. Dadurch kommt diesen Fremdquellen-Dienstleistungen wahrhaftig ein meßbarer Mehrwert zu, der bei anderen VANS nicht so deutlich zu sehen und schwieriger zu erheben ist.

Es gibt noch einige andere Beispiele für Outsourcing in der DV-Historie, etwa die Gemeinschaftsrechenzentren im kleineren Bankenbereich. Heute stellt sich die Ausgangslage für die Betrachtung des Themas Outsourcing natürlich anders dar, als das Beispiel Datev in den 60er Jahren:

- Outsourcing ist im wesentlichen ein Thema für Großunternehmen, vom gehobenen Mittelstand an aufwärts.

- Im Normalfall existieren im betroffenen Unternehmen bereits ein oder mehrere Rechenzentren mit einer Infrastruktur sowie DV-Dienst- und -Unterstützungsleistungen.

- Durch Unternehmenskonzentration, Konzernbildung, horizontale und vertikale Unternehmenszusammenschlüsse, Joint-ventures und Allianzen, hervorgerufen durch Faktoren wie die Globalisierung der Märkte, stärkeren Wettbewerb, den EG-Binnenmarkt oder die Öffnung des Ostens, bilden sich immer größere und komplexere Unternehmensstrukturen mit mehreren unterschiedlichen DV-Infrastrukturen.

- "Economies of Scale" und Synergieeffekte sollen erreicht werden, indem man die vielen kleinen Süppchen in einen großen Topf gibt (Konzentration).

- DV-Budgets sind in der Vergangenheit permanent angestiegen, so daß man die Kosten irgendwie kontrollieren möchte.

- Die Transparenz von Leistung, Kosten und Nutzen der Informationsverarbeitung ist bis heute dem Management nicht klar, trotz partialen, maschinenbezogenen Verrechnungsansätzen, Leistungsübersichten, Anwender- und Anwendungsstatistiken und so weiter.

- Leistungsfähige Personal Computer und PC-Netzwerke sind heute schon so weit verbreitet und integriert, daß ein Downsizing des Rechenzentrums ohnehin die Folge sein muß.

- Personalprobleme in der Informatik mit einem knappen Angebot an qualifizierten Mitarbeitern, relativ großen Fluktuationsraten und hohen Anforderungsprofilen gehören zum Alltag.

- Verständigungsschwierigkeiten zwischen der Informatikabteilung und den Anwendern, überzogene Anforderungen von Seiten der Anwender sowie Kontrolle und Reglementierung lassen sich durch verteilte Informationsverarbeitung und Dezentralisierung nur bedingt lösen. Viele Gefahrenpotentiale verbleiben und neue Probleme entstehen.

Aus dieser sicher nicht vollständigen Aufzählung der Outsourcing-Ursachen läßt sich erkennen, daß es sich vordringlich um ein ökonomisches und organisatorisches, nicht etwa um ein rein technisches Problem handelt. Eine entsprechende Diskussion muß daher im Kreise der obersten Unternehmenshierarchie geführt werden.

Das Thema Outsourcing ist in größeren Unternehmen und Organisationen immer vom Standpunkt des Status quo aus zu betrachten: Zu berücksichtigen sind also die Rechner- und Netz-Infrastruktur sowie Entwicklungs-, Beratungs-, Unterstützungs- und Wiederherstellungs-Dienstleistungen. Abbildung 1 stellt den unternehmensinternen Informatikbereich dar, der im wesentlichen alle Fachabteilungen - mit oder ohne nennenswerte Unterstützung von außen - mit Rechner- und Dienstleistungen versorgt.

Das Thema Outsourcing impliziert - im Gegensatz zum Eingangsbeispiel der Datev in den 60er Jahren - idealerweise immer den Wechsel von einem bereits existierenden Zustand in

einen neuen, optimierten Zustand. Technische Veränderung, Verbesserung, ist gefordert: Outsourcing ist immer zugleich auch ein "Change Management" und muß daher eine Reorganisation darstellen.

Dabei darf jedoch nicht eintreten, was leider ziemlich nahe liegt: Das Thema Outsourcing wird "ex post" betrachtet, also unter der alleinigen Prämisse, mit den Mißständen, Problemen und hohen Kosten in der DV aufzuräumen. Tatsächlich kann aber die Daten- und Informationsverarbeitung nur im Zusammenhang mit der Unternehmensentwicklung "ex ante" durch Outsourcing verbessert werden. Konzernentwicklung und Strukturwandel sollten zentrale Anliegen sein.

Das Personalproblem ist heute eines der schwerwiegendsten in den Informatikabteilungen vieler Unternehmen - und damit auch eine der Ursachen für die Outsourcing-Diskussion. Oft fehlen Mitarbeiter (Einstellungsstop, Personalabbau) oder sie werden nicht richtig eingesetzt (Organisation, Effektivität).

In vielen Fällen sind die Personalressourcen ausgeschöpft (Effizienz, Motivation) oder es fehlt den Mitarbeitern die notwendige Mobilität und Flexibilität, um neue Problemstellungen unter veränderten Maßstäben anzugehen (Kreativität, Fortbildung und Lernbereitschaft, Innovationsfreudigkeit). Das Thema Outsourcing wird nicht zuletzt deshalb so aktuell, weil das Personalproblem vielen Unternehmen heute und in naher Zukunft unter den Nägeln brennt.

Mit dem Thema Outsourcing machen vorwiegend größere Unternehmen oder Konzerne Furore, ob hierzulande oder anderswo. Der Grund hierfür liegt einerseits in einer "relevanten Größe" der Rechner- und Dienstleistungsstruktur sowie zum anderen in der Komplexität und Vielschichtigkeit der Maschinen- und Manpower-Dienste und somit der Funktionen, Aufgaben und Probleme.

Kleine und mittlere Datenverarbeitungen in Unternehmen der entsprechenden Größenordnung oder aber (noch) wohlfeil abgeschottete DV-Inseln lassen sich kaum ökonomisch vorteilhaft auslagern, weil es für die oftmals individuellen und spezifischen Anwendungen kein entsprechendes Outsourcing-Marktangebot gibt. Solche Anwendungen anzubieten, kann von der Angebotsseite her auch gar nicht praktikabel und lohnend sein. Zudem dürften diese Unternehmen nur ein geringes Interesse am Outsourcing haben, weil in diesen Bereichen verstärkt die wettbewerbsrelevante und strategisch bedeutsame Verarbeitung erfolgt, die man nur ungern aus den Händen gibt.

Es gibt einen ziemlich großen Bereich, vom Stand-alone-PC über PC-Netzwerke bis weit hinein in die Midrange-Welt, wo Standardisierung und Protokollierung auf System-, Systemsoftware- und Anwendungsseite in einer Vielzahl auftreten und damit nicht mehr eine solche Bedeutung haben, wie auf der Großsystemebene. Outsourcing meint im wesentlichen einen "Angriff auf die standardisierte Großrechnerwelt", wobei wir bei der Frage angelangt sind, was denn nun eigentlich durch externe Quellen bezogen und nicht mehr zuhause gemacht werden soll.

Outsourcing schafft Vorgleichsmöglichkeiten

Die Frage nach den Elementen und Funktionsblöcken der Informationsverarbeitung, die durch Outsourcing vergeben und durch Dienstleistungseinkauf genutzt werden sollen, ist entscheidend, steht aber nicht an erster Stelle. Mit dieser Fragestellung zu beginnen heißt "Programmentwicklung ohne Problemanalyse" zu betreiben. Zunächst geht es nicht um das "was?", sondern um das "warum?"

Der Frage, was verlagert werden soll, kann erst eingehend nachgegangen werden, wenn beantwortet wurde, warum überhaupt etwas ver- oder ausgelagert werden soll. Hier treten die verständlichen und zum Teil auch berechtigten Sorgen und Ängste der verantwortlichen Informatiker zutage: Wo ist der Trennstrich zwischen interner und externer DV zu ziehen? Wie läßt sich das entstehende Beziehungsgeflecht mit seinen vielen komplizierten Schnittstellen organisieren und koordinieren? Wie ist das Kommunikationsproblem zu lösen? Was geschieht mit den vorhandenen Ressourcen (Maschinen, Einrichtungen, Personal, getätigte Investitionen)? Woher soll man die neuen Ressourcen bekommen?

An dieser Stelle einzusteigen und weiter zu argumentieren, kann nicht zu einer zufriedenstellenden Problemlösung führen. Der Ansatz und die Thematik, die Ursprungsproblematik, muß auf der obersten unternehmensstrategische Ebene behandelt werden. Diese Notwendigkeit zeigt nebenbei, wie vernünftig es wäre, den Chef der Informationsverarbeitung (nicht nur der DV!) mit seinem Sachverstand in den obersten Riegen zu führen.

Die unternehmerischen Zielsetzungen des Outsourcing sind allesamt ökonomische Ziele (siehe Kasten: Erhoffte Vorteile durch Outsourcing). Das Management stellt mit zunehmender Häufigkeit und Intensität die Frage nach der Effizienz der eigenen Datenverarbeitung, also nach dem Verarbeitungsprozeß und dem Ressourceneinsatz nach dem Motto- "Tue ich das Richtige richtig?". Da keine Vergleichsmöglichkeiten da waren, blieb man sich die Antwort weitgehend selbst schuldig. Hohe Budgets wurden schweren Herzens genehmigt, um dem Druck von DV-Abteilung und Anwendern zu begegnen. Outsourcing liefert nah Vergleichsmöglichkeiten und in vielen Fällen eindeutige Antworten.

Unternehmen müssen hochrüsten

Güter, die keinen Preis haben, besitzen streng genommen keinen Wert. Viele Leistungen der Informatik, insbesondere die Dienstleistungen an die Fachabteilungen, sind für diese kostenlose und somit freie Güter, mit denen sowohl auf der Nachfrage- wie auf der Angebotsseite nicht so sorgsam umgegangen wird, wie - das bei knappen Gütern der Fall wäre.

Anwendungen mit nutzenmarginalen "Schleifchen", Anwendungsstau, Lieblings- und Prestigeprojekte etc. sind allseits bekannte Beispiele. Die Risiken und die hierfür vom Unternehmen zu leistenden Risikoaufwände sind enorm. Dazu zählen nicht nur die direkten umweltbedingten Risiken der technischen Infrastruktur, wie Brand, Wasser, Havarie, Terror etc., sondern auch die systemimmanenten Risiken. Kann sich ein Unternehmen erlauben, nicht auf dem neuesten Stand zu sein? Bedingt die Standardsoftware A nicht auch das Programm oder Modul B?

Die Vielzahl der Anwendungen und Anwender zwingt die Unternehmen dazu, ihre Maschinen "hochzurüsten". Es ist das "Risiko der Rekursion", das die Informatikbudgets permanent nach oben treibt. Allein die personellen und materiellen Ressourcen für Facilities Management, Problem- und Change-Management oder das Testen sind enorm. Die Frage nach Alternativen zur Eingrenzung dieses Aufwands ist berechtigt. Der Zweck (siehe Kasten: Ziele des Outsourcing) heiligt nicht das Mittel Outsourcing; das geeignete Mittel oder Verfahren hat sich an der Erreichung der Ziele zu orientieren: eigene oder fremde DV - oder beides. (wird fortgesetzt)

Ziele des Outsourcing

- Kosten verringern, transparent machen,

- Effektivität erhöhen (zum Beispiel bessere Auslastung),

- Personalprobleme lösen,

- Anwendungsstau auflösen,

- Verarbeitungsleistung erhöhen,

- Produktions- und Ablaufgeschwindigkeit steigern,

- Anspruchsdenken der Anwender reduzieren,

- Risiko minimieren (Gefahrenpotentiale),

- Flexibilität steigern,

- Auf dem neuesten Stand der Technik sein,

- Synergieeffekte herbeiführen (Unternehmenskonzentration),

- Erhöhung der Effizienz der verbleibenden internen Abläufe,

- Unabhängigkeit von HW-/SW-Herstellern.

Erhoffte Vorteile durch Outsourcing

- Effizienzsteigerung durch bessere Leistung in kürzerer Zeit zu geringeren Kosten.

- Durch das permanente Bezahlen von in Anspruch genommenen Leistungen werden die Kosten für die Informationsverarbeitung exakt bestimmbar und nachvollziehbar.

- Die im Unternehmen nachgefragten Leistungen können in ihrem Wert bestimmt werden.

- Übertriebene Nachfrage nach ausgeschmückten Anwendungen und Dienstleistungen regulieren sich durch die unternehmensinterne "Marktkonstellation" von selbst.

- Durch vertragliche Bindung lassen sich Risiken und Gefahrenpotentiale an den Vertragspartner weiterreichen.

- Hohe Flexibilität entsteht, weil man nicht an langfristiges und teueres Personal, Leasingraten, Amortisationszeiten von Rechenanlagen und an Technik-Infrastrukturen gebunden ist.

- Man erreicht durch Outsourcing einen hohen Grad an moderner und aktueller Technologie.