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22.10.2004

Outsourcing: Mega-Deals nehmen zu

Die Hälfte aller Mega-Deals wurde in Europa unterzeichnet. In vier von fünf Outsourcing-Projekten geht es um Business Process Outsourcing.

Von CW-Redakteurin Sabine Prehl

Seit der US-amerikanische Finanzkonzern JP Morgan angekündigt hat, den fünf Milliarden Dollar schweren Outsourcing-Vertrag mit IBM vorzeitig aufzulösen, ist die Diskussion um ein Ende der so genannten Mega-Deals in vollem Gange. Während mittlerweile zahlreiche Experten die Auslagerung der IT ab einem bestimmten Volumen für problematisch halten, sieht das US-amerikanische Beratungshaus Technology Partners International (TPI) nach wie vor keine Anzeichen dafür, dass die Anwender großen Outsourcing-Vorhaben den Rücken kehren. Im Gegenteil - laut TPI haben die Verträge in diesem Jahr sogar an Wert zugenommen: So seien bislang insgesamt 35 Aufträge mit einem Volumen von jeweils mehr als einer Milliarde Dollar abgeschlossen worden.

Europa legt zu

Allein im dritten Quartal zählte TPI acht solche Mega-Deals mit einem Gesamtwert von 18,5 Milliarden Dollar. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur vier. Für die restlichen Monate des Jahres erwarten die Berater weitere Kontrakte im Wert von sieben Milliarden Dollar. Damit würde das Umsatzvolumen die 80 Milliarden Dollar des letzten Jahres übersteigen. "Es sieht so aus, als ob 2004 ein sehr gutes Jahr für Mega-Deals im Outsourcing-Geschäft wird", freut sich Peter Allen, Managing Director bei TPI.

Vor allem in Europa legte die Zahl der Großaufträge im dritten Quartal dieses Jahres zu: Die Hälfte aller Mega-Deals wurde laut TPI hier unterzeichnet. Generell holt die Alte Welt im Outsourcing-Geschäft auf - sowohl hinsichtlich der Zahl der Abschlüsse, als auch was den Anteil am weltweiten Outsourcing-Volumen, den Total Market Contract Value (TCV), betrifft. Besonders stark stiegen die Outsourcing-Aktivitäten in den nordeuropäischen Staaten sowie in Deutschland, wo sich der TCV fast vervierfachte: von 3,4 Prozent Marktanteil 2003 auf 13 Prozent in diesem Jahr.

Treibende Kraft ist vor allem die steigende Nachfrage nach Business Process Outsourcing (BPO): Wenn Firmen Geschäftsprozesse wie das Personal- und Rechnungswesen auslagern, übergeben sie dem Dienstleister auch die zugehörigen IT-Systeme, wodurch der Wert der Vereinbarung schnell in die Höhe schießt. Laut Duncan Aitchison, Partner und Managing Director bei TPI, handelt es sich mittlerweile bei vier von fünf Outsourcing-Deals um BPO-Vorhaben. Auch in Deutschland liegt das Auslagern der Geschäftsprozesse im Trend: Den Beratern zufolge ist der TCV im BPO-Segment von drei Prozent 2003 auf 15 Prozent gestiegen.

Vor allem bei den Finanzdienstleistern ist BPO beliebt. Laut TPI entfiel fast die Hälfte der weltweiten BPO-Vorhaben mit einem Volumen von mindestens 40 Millionen Dollar auf diese Branche.

Verträge auf dem Prüfstand

Nach Ansicht von Virginia Garcia, Analystin bei der Research- und Beratungsfirma Tower Group, werden große Outsourcing-Deals hier auch in der Regel bis zum Ende durchgezogen. Bei Verträgen mit einem Volumen ab 250 Millionen Dollar betrage der Anteil der vor Ablauf aufgelösten Verträge lediglich vier Prozent. Häufig seien Übernahmen die Ursache.

Andererseits räumt auch Garcia ein, dass Outsourcing-Vorhaben ab einer bestimmten Größe problematisch sein können, "speziell bei Projekten mit langer Laufzeit, die sich schwer an Veränderungen anpassen und außer Einsparungen wenig zum Geschäft beitragen". Die derzeitige Debatte über das Für und Wider von Mega-Deals sei schon deshalb produktiv, weil sie Anwenderunternehmen dazu anrege, ihre bestehenden Outsourcing-Verträge noch einmal auf den Prüfstand zu stellen und sich dabei mögliche Vorteile wie eine stärkere Differenzierung in der Preisgestaltung, kürzere Prüfintervalle, eine ausführliche Prozessdokumentation und größere Verhandlungsspielräume zu sichern.

Der gesamte IT-Outsourcing-Markt wird nach Einschätzung der Tower Group zwar weiter um gesunde zwölf Prozent pro Jahr wachsen. Die Ausgaben von fast 28 Milliarden Dollar in diesem Jahr sollen bis 2008 auf 49,3 Milliarden Dollar steigen. Nach Ansicht von Garcia kann dieses Wachstum jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Outsourcing-Vorhaben eher selten zur Zufriedenheit beider Parteien abgewickelt werden. Ihrer Einschätzung nach werden rund 80 Prozent der Deals den Erwartungen nicht gerecht - etwa weil sich die erhofften Spareffekte nicht einstellen oder Kapazitäten nicht ausgelastet sind.

Die Inder kommen

Generell befinde sich das Outsourcing-Geschäft im Umbruch. Während das bisherige Hauptargument für die IT-Auslagerung, die Kostensenkung, in den Hintergrund rücke, würden Outsourcing-Entscheidungen immer stärker durch Veränderungen innerhalb des Unternehmens motiviert. Zudem richteten die Anwender ihre Deals häufiger auf spezifische IT-Funktionen oder Geschäftsprozesse aus. Beispiele hierfür liefern etwa die Deutsche Bank und Zurich Financial Services. Beide haben den Weg eingeschlagen, ihre IT und Geschäftsabläufe an wenige Partner auszulagern. Auch die Marktanteile werden sich verändern, prognostiziert die Expertin: "Die traditionellen Outsourcer wie IBM, CSC oder EDS müssen sich auf eine zunehmende Konkurrenz von Offshore-Anbietern - etwa Infosys, Wipro oder Tata Consultancy Services - einstellen." (sp)

Outsourcing-Deals im Überblick

Auftraggeber / Auftragnehmer / Volumen / Laufzeit / Services / Bemerkungen

BBC / SBS / 3,6 Mrd. E / 10 Jahre / Netze, Server, Internet-Auftritt, TV-Übertragungstechnik / SBS übernimmt BBCs IT-Tocher BBC Technology samt 1400 Mitarbeitern

Ascension Health / CSC / 1,35 Mrd. $ / 10 Jahre / RZ-Betrieb, Netze und Server / Ascension ist eine Non-Profit-Organisation im Gesundheitswesen

National Savings / SBS / 600 Mio. E / 15 Jahre / Geschäftsprozesse und Kundenbetreuung / Vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2014

Nokia / HP / 500 Mio. $ / 5 Jahre / Messaging- und Groupware-, Netze sowie IT-Installationen / Anschlussvertrag

Deutsche Bank / GFT Technologies / 30 Mio. E / 5 Jahre / Entwicklung und Wartung einiger Kernanwendungen / Deutsche Bank hält 20 Prozent an GFT

Bankgesellschaft Berlin / BFD / 9 Mio. $ / 5 Jahre / Personalverwaltung und -betreuung / 40 Mitarbeiter wechseln zur TDS-Tochter BFD

Postbank / SBS / k. A. / 2 Jahre / Kommunikationssysteme, Server und Software / Deutsche Post hat zuvor an T-Systems ausgelagert.

Volkswagen USA / Perot Systems / k. A. / 7 Jahre / Auslagerung der Kundenbetreuung / Vorzeitige Verlängerung eines Fünfjahresvertrags

Abb: Branchenweite Verträge mit einem Volumen ab 800 Millionen Euro

Vor allem im dritten Quartal schoss die Zahl der in Europa unterzeichneten Outsourcing-Vorhaben mit einem Total Contract Value (TCV) von mehr als 800 Millionen Euro in die Höhe. Quelle: CW