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25.11.1998 - 

Gartner Group und IDC erwarten Wandel zum Käufermarkt

Outsourcing: Mehr auf den Nutzenaspekt achten

MÜNCHEN (gh) - Trotz bekannter Probleme dürfte dem IT-Outsourcing weiterhin eine goldene Zukunft beschert sein. Mangel an Fachpersonal, immer komplexere Geschäftsabläufe sowie neue Business-Szenarien wie E-Commerce treiben die IT-Shops der Unternehmen geradezu in die Hände externer Dienstleister. Doch der Markt wandelt sich - für Anbieter wie Anwender.

Noch immer scheitern weltweit vier von fünf Outsourcing-Projekten - zumindest unter dem Gesichtspunkt der ursprünglich erwarteten nachhaltigen Kosteneindämmung. Mit dieser wenig erfreulichen Analyse wartete die Gartner Group unlängst auf ihrer Management-Konferenz ITxpo98 in Cannes auf. Mehr denn je scheint zudem der Evergreen unter den IT-Services von den hinlänglich bekannten Widersprüchen gekennzeichnet zu sein. Viele IT-Abteilungen lehnen die Auslagerung von Funktionen entweder kategorisch ab oder aber versprechen sich einen Zuwachs an Skills, über die sie selbst mangels Ressourcen nicht verfügen. Die Controller schielen indes nur auf das (IT-)Budget und reden der Konzentration auf das Kerngeschäft das Wort. Überlagert werden beide Ansätze dann letztlich doch von der alles entscheidenden Frage: "Outsourcing hilft Geld zu sparen - nur, wessen?"

Ein Punkt, mit dem man sich nach Ansicht von Gartner-Analyst John Leigh auf seiten der Anwender vordergründig betrachtet gar nicht mehr beschäftigen muß. Denn die aktuellen Anforderungen, vor denen das IT-Management steht, kommen einer Quadratur des Kreises gleich: Euro- und Jahr-2000-Umstellung sowie die Umsetzung einer E-Commerce-Strategie müssen nahezu synchron bewältigt werden, gleichzeitig ist qualifiziertes Personal Mangelware. Vom vielbeschworenen Wettbewerbsfaktor IT kann deshalb nicht mehr die Rede sein - alle Anwender sitzen, bezogen auf ihre jeweilige Branche, im gleichen Boot.

Folglich dürfte der Ruf nach externen Dienstleistern auch in den kommenden Jahren eher lauter statt leiser werden. IDC geht beispielsweise in jüngsten (noch vorläufigen) Prognosen davon aus, daß allein das Volumen des deutschen Outsourcing-Marktes in vier Jahren von derzeit 5,5 auf 7,5 Milliarden Dollar zunehmen wird.

Weltweit rechnen die Auguren mit einem Wachstum des Geschäfts von IBM, EDS & Co. von 90 (1997) auf gut 140 Milliarden Dollar. Doch anstatt, wie in der Vergangenheit oft geschehen, sich aufgrund des Drucks der Unternehmensleitung blind in das Abenteuer Outsourcing zu stürzen, sollte das IT-Management aus seiner Not eine Tugend machen, fordern die Experten von IDC und Gartner. Die IT-Shops stünden mit dem "Rücken an der Wand, doch sie haben mehr denn je die Fäden in der Hand", skizzierte Gartner-Analyst Leigh auf der ITxpo diese nur auf den ersten Blick widersprüchlich anmutende Situation. Die Gründe hierfür lägen auf der Hand. Die Vorstände in den Unternehmen hätten die grundsätzliche Bedeutung der IT für die Optimierung von Geschäftsabläufen längst erkannt. Jetzt gehe es um die Frage, wie im laufenden Betrieb Kosten und Ressourcen gespart werden können, um neue Aufgaben wie beispielsweise SAP-Erweiterung und Web-Business in Angriff zu nehmen.

Daß Sonderfaktoren wie Euro- und Jahr-2000-Umstellung angesichts des leergefegten DV-Arbeitsmarktes den Problemdruck auf die IT-Shops noch erhöhen, ist für Gartner nur ein weiterer Beleg dafür, daß das IT-Management an einer klaren Prioritätenfestlegung nicht mehr vorbeikommt.

IT-Management muß Prioritäten setzen

Voraussetzung sei allerdings, daß das IT-Management endlich seine Hausaufgaben erledige. Dazu sei in erster Linie die Herstellung einer Kostentransparenz aller im Einsatz befindlichen Systeme sowie die Einforderung konkreter, aus dem Kerngeschäft des Unternehmens abgeleiteter Zielvorgaben notwendig.

Zur Prioritätenfestlegung gehöre ferner ein konkretes Benchmarking. Nicht "Hilf mir!" sondern "Wie kannst du mit deinem Angebot und Serviceportfolio mein spezifisches Problem lösen?", müsse die Ausgangsbasis jeder Verhandlung mit einem Outsourcing-Anbieter sein. Überdies sei die Einbindung der betroffenen Fachabteilung(en) notwendig - zumindest, wenn bei einem geplanten Projekt der Bereich Anwendungsentwicklung involviert ist. Gartner empfiehlt hier die in vielen Fällen sowieso schon vorhandene Budgetkontrolle und damit Teil-Verantwortlichkeit der Fachabteilungen in das Vertragswerk mit einem Dienstleister einfließen zu lassen. Dies schaffe eine "Win-win-Situation" zwischen allen Beteiligten und trage zur vielzitierten End-User-Disziplin bei.

Für eine selektive Vorgehensweise bei der Auswahl des Outsourcing-Partners spricht auch die Einschätzung der weiteren Entwicklung des Marktes durch IDC und Gartner. Beide Marktforschungsunternehmen erwarten in den kommenden Jahren zwei unterschiedliche Trends - und in deren Folge eine starke Segmentierung auf seiten der Dienstleister. Anwenderunternehmen werden demnach verstärkt auf das Auslagern entweder von Legacy-Applikationen und Netzbetrieb, dem gesamten Back-Office-Bereich (SAP) oder aber kompletter Geschäftsprozesse wie einem vielfach noch zu definierenden Internet Commerce beziehungsweise Customer Asset Management setzen. Hinzu kommen Standardangebote der einschlägigen Service-Provider wie Auftragsprogrammierung, Beratung und Schulung. Partielles Outsourcing also, das die Zeiten der kompletten Auslagerung der operativen IT eines Unternehmens endgültig vergessen läßt.

Deshalb müsse man davon ausgehen, daß sich das Lager der Outsourcing-Anbieter verstärkt spezialisieren und demzufolge in eine Mehr-Klassen-Gesellschaft aufspalten werde, schlußfolgern die Auguren. Vor allem im Bereich Enterprise Resource Planing (ERP) sei ein Boom bei der Inanspruchnahme von Dienstleistungen zu erwarten. Die Produkte der einschlägigen Hersteller müßten mehr und mehr individuell angepaßt werden; aus dem "Oracle"- oder "SAP"-Shop dürfte bei so manchem Anwender eine "KPMG-Filiale" werden, lautet eine These der Gartner Group. Für die Anwender bedeute dies aber trotz der genannnten Probleme, daß sich die Outsourcing-Arena zumindest teilweise von "einem Anbieter- zu einem Käufermarkt" entwickeln werde.