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03.10.2003 - 

Outsourcing/Das Wort der Finanzvorstände hat Gewicht

Outsourcing mit spitzer Feder gerechnet

Bei der Entscheidungsfindung über Outsourcing-Projekte haben derzeit die Finanzvorstände ein wichtiges Wort mitzureden. Doch über die reine Kostenfrage hinaus gewinnen langfristige Überlegungen zunehmend an Bedeutung.Von Harald Reif und Frank Wilden*

Die Zeichen für einen konjunkturellen Aufschwung mehren sich. Nichtsdestotrotz hat die wirtschaftliche Stagnation tiefe Spuren hinterlassen. Denn mehr und mehr Unternehmen haben sich in der angespannten Lage auf ihre Stärken konzentriert, die sie am Markt von Wettbewerbern unterscheiden. Dazu gehörte die Bündelung von Kompetenzen, aber auch Desinvestments in Bereichen, die nicht zu den Kernkompetenzen zählten, wie die Auslagerung von Aktivitäten an externe und auf diese Aufgaben spezialisierte Dienstleister. Mit diesen Auslagerungen folgten viele Unternehmen dem Modell der Fertigungsindustrie. Dort wird das Ganze seit Jahren mit dem Begriff "Fertigungstiefe" beschrieben, und die sinkt bekanntlich immer weiter.

Diese Entwicklung gilt auch für den Bereich der IT und betrifft schon längst nicht mehr nur die Infrastruktur. Die Auslagerungsaktivitäten erstrecken sich zunehmend auf die Applikationen, die jedoch nicht nur verwaltet, sondern auch den sich wandelnden Geschäftsprozesse angepasst werden. Damit gewinnt das Outsourcing eine neue Qualität: Outsourcing wird Teil der Unternehmensstrategie zur Optimierung von Wertschöpfungs- und Kostenstrukturen.

Spätestens dann wird Outsourcing zu einem zentralen Thema für die Finanzvorstände und Chief Financial Officers (CFOs). Produktivitäts- und Rentabilitätskennziffern sind für Aktionäre, Analysten und Kunden unbestechliche Gradmesser, um das strategische Marktpotenzials eines Unternehmens und damit seine Bewertung am Kapitalmarkt einzuschätzen.

Für den CFO ist das strategische IT-Outsourcing natürlich in erster Linie ein probates Instrument zur Steuerung der Kosten, je nach konjunktureller Situation und Bedarf. Die Entscheidung für oder gegen Outsourcing stützt sich in einem reinen Kosten-Management vor allem auf eine quantitative Bewertung. Dabei zeigt sich, dass sich durch Outsourcing Kosten senken lassen, und daher werden zunehmend weitere Dienstleistungen rund um die IT an externe Dienstleister übertragen. Geschieht dies auf Dauer, werden aus fixen variable Kosten: Das IT-Budget des Unternehmens, der vormals fixe Kostenblock, wird reduziert, während die bedarfsabhängigen Outsourcing-Kosten variabel sind.

In einer aktuellen Studie von CSC unter den CFOs der 250 größten europäischen Unternehmen, die in Kürze veröffentlicht wird, betonen daher nicht umsonst 70 Prozent der Befragten, dass strategisches Outsourcing in den kommenden drei Jahren wichtig beziehungsweise sehr wichtig für ihr Unternehmen wird. Vor fünf Jahren war diese Zahl noch erheblich kleiner. Und 80 Prozent betonen in diesem Kontext, dass strategisches Outsourcing wichtig beziehungsweise sehr wichtig für die Verbesserung ihres Geschäftsergebnisses sei. An erster Stelle steht hierbei die Kostenreduktion beziehungsweise -kontrolle durch das Outsourcing.

Zugang zu externem Know-how

Natürlich schlagen bei der Implementierung von IT-Lösungen auch der Zeitfaktor und ihre Flexibilität auf die Kosten durch - ebenfalls ein Argument, das aus Sicht des CFOs Outsourcing sinnvoll erscheinen lässt. Gleiches gilt für die Qualität und die Effizienz der IT-Lösung: Das höhere fachliche Know-how eines externen Dienstleisters spricht dafür, dass Kosten reduziert werden, indem Skaleneffekten genutzt und zeitgemäßes Equipment eingeführt wird. Auch dies dokumentiert die CSC-Studie, denn die Verbesserung der Serviceleistungen im IT-Bereich, verbunden mit dem Zugang zum umfangreichen Know-how eines erfahrenen IT-Dienstleisters, werde künftig eine wichtigere Rolle bei der Zielsetzung eines strategischen Outsourcings spielen, so die befragten CFOs.

Die letztgenannten Argumente deuten schon darauf hin, dass die Qualität der Serviceleistungen an Bedeutung gewinnt. So setzt sich die Erkenntnis durch, dass die IT fortwährend auf die sich wandelnden Geschäftsprozesse abgestimmt sein muss, um eine durch die IT generierte Wertschöpfung für das Unternehmen zu realisieren.

Erkannt wird in diesem Zusammenhang auch, dass im Hinblick auf die notwendige Fokussierung auf Kernkompetenzen durch "strategisches" Outsourcing Themen wie "strategische Flexibilität" und "Business Transformation" in den Mittelpunkt rücken. So dürfte auch für den CFO die Frage akut werden, ob das im Unternehmen versammelte IT-Know-how ausreicht, um unter Kosten- und Qualitätsgesichtspunkten eine optimale Lösung umzusetzen, oder ob diese nicht besser durch einen Dienstleister erbracht wird, der genau hier seine Kernkompetenzen angesiedelt hat.

Potenzial ausschöpfen

Wie sich durch Outsourcing Kosten-Management mit der strategischen Ausrichtung der Geschäftsprozesses kombinieren lässt, zeigt sich am Beispiel des britischen TK-Ausrüsters Marconi. Das IT-Outsourcing versetzt Marconi nicht nur in die Lage, die laufenden Ausgaben im IT-Bereich um rund zehn Prozen zu senken und damit seinen Cashflow zu verbessern, sondern sich auch auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren und schneller sowie flexibler auf Marktentwicklun-gen zu reagieren. Im Rahmen der Neuausrichtung des TK-Unternehmens leistet das IT-Outsourcing somit einen wichtigen Beitrag.

Diese Entwicklung, das strategische Outsourcing in die Unternehmensstrategie als wichtiges Element zu integrieren statt ausschließlich die Kostenreduktion zu betrachten, setzt sich langsam in der Sichtweise des Topmanagements von Unternehmen durch, wie die CSC-Studie zeigt.

Mehr Flexibilität

Sicher ist auch in den kommenden Jahren die Kostenreduktion und -kontrolle, wie bereits oben erwähnt, das vorrangige Ziel. Künftig wird aber die Flexibilität der IT-Landschaft und das Thema Business Transformation stärkere Beachtung finden. Die CSC-Umfrage zeigt hier, dass 72 Prozent der befragten CFOs in den nächsten drei Jahren über das strategische Outsourcing die vorhandene IT verbessern wollen und fast die Hälfte (47 Prozent) mithilfe des strategischen IT-Partners das Thema Business Transformation angehen will. Im Zeitraum der nächsten fünf Jahre steht dieses Thema bereits auf Platz drei der Outsourcing-Strategie eines Unternehmens, nach der Kostenreduktion und der Verbesserung der Flexibilität der IT zugunsten schnellerer Marktreaktionen.

Umgesetzt auf die gegenwärtige Realität wird strategisches Outsourcing also immer mehr dort zum Thema werden, wo es gilt, IT-Architekturen zu harmonisieren und zu integrieren - um eine zentrale Voraussetzung für zeitgemäße Lösungen zu schaffen. Das senkt nicht nur die IT-Kosten, sondern stärkt auch die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens und bildet ein wichtiges Rückgrat bei Fusionen und Akquisitionen.

Geschäftsprozesse auslagern

Das ganze Potenzial einer möglichen Auslagerung von IT ist damit allerdings noch nicht ausgeschöpft. Die nächsthöhere Stufe im Outsourcing-Markt zeichnet sich bereits ab: das Business Process Outsourcing (BPO). In den kommenden Jahren werden Unternehmen nicht nur ihre IT und ihre Anwendungen externen Dienstleistern übertragen, sondern ganze Geschäftsprozesse, die nicht zum Kerngeschäft gehören, etwa die komplette Personalabrechung, Teile des e-Procurements, Call-Center-Aufgaben, die Abwicklung von Telefonabrechnungen oder des gesamten Zahlungsverkehrs. In diesem Prozess wird der CFO eine immer gewichtigere Rolle einnehmen. (jha)

*Harald Reif ist Finanzvorstand der CSC Ploenzke AG, Frank Wilden ist Business Development Executive bei CSC in Wiesbaden.

Angeklickt

Im Zuge der Portfoliobereinigung geraten in vielen Unternehmen die IT-Abteilungen ins Visier der Finanzvorstände. Während andernorts die Wichtigkeit der IT für das Kerngeschäft diskutiert wird, berechnen sie mit spitzer Feder die finanziellen Rahmenbedingungen. Die regelmäßige Quartalsbilanz im Blick, sind die Chief Financial Officers vor allem dem Argument zugetan, den Fixkostenblock der IT-Abteilung durch variable, laufende und transparente Zahlungen ersetzen zu können.

Abb: Auslagern, um zu sparen

Zurzeit lagern Unternehmen aus Kostengründen aus. Das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben, wenngleich Kriterien wie Flexibilität, Transformation und Zugang zu Expertenwissen an Bedeutung gewinnen. Quelle: CSC