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28.02.2008 - 

Der Markt wächst langsam und stetig

Outsourcing: Reife statt Boom

Nüchternheit prägt das hiesige Auslagerungsgeschäft. Von Thomas Reuner*
Die Ausgaben der deutschen Anwender für IT-Auslagerungsservices wachsen langsam, aber beständig. Selbst in Krisenzeiten dürfte sich nach IDC-Einschätzung daran nichts ändern.
Die Ausgaben der deutschen Anwender für IT-Auslagerungsservices wachsen langsam, aber beständig. Selbst in Krisenzeiten dürfte sich nach IDC-Einschätzung daran nichts ändern.
Foto: IDC

Hier lesen Sie ...

warum die europäischen Anwender häufiger ihre IT auslagern;

warum wenige ihre Geschäftsprozesse außer Haus betreiben lassen;

was Sourcing-Berater bewirken;

was neue Betriebsmodelle im IT-Betrieb leisten;

wie sich das Geschäft künftig entwickeln wird.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/

1857259: Der deutsche Outsourcing-Markt schrumpft;

1854982: Warum gute Ver-träge aufwändig sind;

1855052: Zehn Regeln für das Auslagern des Datenschutzes;

1855141: Jeder dritte BPO-Deal endet vorzeitig;

1854979: Viel Outsourcing-Potenzial bleibt ungenutzt.

Bis noch vor wenigen Monaten galt der Outsourcing-Markt als der wichtigste Wachstumsmotor der IT-Services-Branche. Insbesondere den angelsächsischen Märkten mit ihren relativ reifen Sourcing-Prozessen wurde immer wieder eine Vorbildfunktion zugesprochen. Doch zuletzt trübten Meldungen über den vermeintlichen Rückgang des Wachstums die Erwartung und führten zu intensiven Diskussionen über die Zukunft des Outsourcing-Marktes. Grund genug, die Weiterentwicklung der Konzepte und den deutschen Markt einer Bestandsaufnahme zu unterziehen.

In Europa spielt die Musik

Während im US-Markt in den ersten drei Quartalen 2007 die Vergabe von Outsourcing-Verträgen spürbar zurückging, wuchs das Geschäft in Europa ungebrochen. Gerade auch in Deutschland, wo die Outsourcing-Aktivitäten im Vergleich mit den angelsächsischen Ländern immer hinterherhinkten, wurde eine bedeutende Anzahl von Verträgen unterzeichnet. Das Jahr 2007 begann beispielsweise mit dem Abschluss der jahrelangen Diskussionen um das Herkules-Projekt der Bundeswehr. Es folgten große Vertragsabschlüsse bei E-Plus, Allianz, Karstadt-Quelle und der Sparkassen Informatik. Die Gründe für die unterschiedlichen Entwicklungen in verschiedenen Wirtschaftsräumen sind komplex, so dass allgemeine Erläuterungen schwerfallen. Dennoch sind einige Punkte auffällig. Die Wertschöpfungstiefe in den USA ist deutlich geringer als in Europa und Asien, und viele Outsourcing-Verträge gehen in die zweite oder gar dritte Verlängerung. Dabei fällt das Wachstum deutlich geringer aus, weil die Abkommen niedriger dotiert sind. Das ist jedoch kein Zeichen einer Schwäche, sondern einer wesentlich größeren Marktreife.

Sourcing-Berater vermittelt Erfahrung

Von den Outsourcing-Erfahrungen der angelsächsischen Anwender profitieren auch hiesige Unternehmen. Die Vertragsabschlüsse in Deutschland sind ein Indiz für reifere Sourcing-Prozesse der Unternehmen wie auch besserer Leistungen der Anbieter. Einen nicht geringen Anteil an dieser Entwicklung haben Sourcing-Beratungen wie TPI, Equaterra/Morgan Chambers und Gartner. Sie machen die Leistungserbringung transparent und straffen die Sourcing-Prozesse.

Dennoch gibt es auch Leistungsprobleme, etwa in Deals für das Geschäftsprozess-Outsourcing (BPO = Business Process Outsourcing) von Personaldienstleistungen (HR BPO). Dies beeinträchtigt das Wachstum im BPO-Segment. Nach einem fulminanten Wachstum mit vielen Multi-Prozess-Verträgen im Jahr 2006 sorgten verfehlte Einsparziele und gescheiterte Vorhaben, Prozesse und Qualität zu verbessern, für einen Marktstillstand.

Multi-Sourcing wider die Abhängigkeit

Wer die Entwicklung des Outsourcings ergründen möchte, muss sowohl die Segmente (etwa Infrastruktur, Applikationen oder BPO) als auch die Kundschaft (Großunternehmen, Mittelstand) differenziert betrachten. Prägend sind große Deals speziell im Bereich IT-Infrastruktur. Die Nachfrage orientiert sich jedoch immer stärker in Richtung der Multi-Sourcing-Abkommen, in denen der Betrieb einzelner Komponenten, wie etwa Netze oder Applikationen, unterschiedlichen Anbietern übertragen wird. Hintergrund dieser Tendenz ist das Bemühen der Anwender, die Abhängigkeit von Dienstleistern zu reduzieren und gleichzeitig möglichst spezialisierte Dienstleistungen für die jeweiligen Teilbereiche zu beziehen. Dieser Trend bringt aber gleichzeitig neue Herausforderungen für Unternehmen mit sich, da Erfahrungen mit neuen Aufgaben wie etwa dem Vendor-Management, also der Steuerung der Zusammenarbeit mit Dienstleistern, gesammelt werden müssen. Diese Aufgaben werden immer wichtiger, je stärker sich das Ziel des Outsourcings von der reinen Kostensenkung hin zur Transformation des IT-Betriebs verschiebt.

In der Bereitstellung der Dienstleistungen (Delivery) hat sich auch im deutschen Markt die globale Arbeitsteilung (Global Sourcing) längst etabliert. Für Kunden ist nicht mehr ersichtlich, in welchen Niederlassungen ihre Provider Dienstleistungen betreiben. Selbst wenn deutsche Anwender kulturelle Bedenken hegen, wesentliche Teile ihrer Infrastruktur in Niedriglohnländer zu verlegen, geben meistens die in Aussicht gestellten Einsparungen den Ausschlag. Dies zeigt sich auch daran, dass Offshore-Anbieter wie Tata Consultancy Services (TCS), Wipro oder Satyam immer öfter zum Zug kommen, auch wenn sie ihre Erfolge in Deutschland vornehmlich im Projektgeschäft und nur selten im Outsourcing erzielen.

Saas: Die Applikation geht ins Netz

Für evolutionäre Veränderungen in der IT-Landschaft sorgen zudem neue Bereitstellungsmodelle im Applikationsbereich. Konzepte wie Software as a Service (SaaS) oder Utility-Modelle verleihen dem Markt Dynamik. Allerdings wird es weniger der von Anbietern wie SAP mit Business ByDesign oder T-Systems mit ihren Dynamic Services anvisierte Mittelstand sein, der diese Konzepte aufnehmen wird, als vielmehr Großunternehmen mit reifen Sourcing-Prozessen, die nach neuen Wegen der Kostenkontrolle suchen. Die Probleme im Mittelstand haben ihre Gründe nicht zuletzt in der Kundenansprache. In vielen Fällen kann ein gut organisiertes Partnernetzwerk mehr bewegen als technische Neuerungen.

Die nächste Generation kommt langsam

Doch die Anbieter haben auch im Marketing hinzugelernt. Mit Begriffen wie Next-Generation-Outsourcing (NGO) oder Outsourcing 2.0 wollen sie eine neue Phase beziehungsweise einen Qualitätssprung im Outsourcing einläuten. NGO greift beispielsweise Transformations-Aspekte oder BPO-Offerten auf. Auch wenn im NGO die Industrialisierung von IT- und Geschäftsprozessen im Mittelpunkt steht, wird die konkrete Umsetzung in Outsourcing-Verträgen wohl mittel- bis langfristig auf sich warten lassen. Dass deutsche Anwender horizontale Prozesse wie Human Resources (HR), Finance & Accounting (F&A) oder Procurement nur zögerlich auslagern, zeigt von einem nicht allzu großen Vertrauen in IT-Dienstleistern. Für den Betrieb von Geschäftsprozessen ist mehr als IT-Know-how erforderlich. Auch wenn sich der Markt – wie derzeit zu beobachten - langsam weg von der reinen Kostenfokussierung hin zu mehr Qualitätsansprüchen entwickelt, wird sich der Trend zum BPO nur langsam fortschreiben. Die dafür erforderliche Prozessorientierung ist nicht zuletzt auch wegen des Mangels an Fachkräften, die die neuen Geschäftsabläufe bei den Anwendern umsetzen könnten, eine komplexe und langwierige Herausforderung.

Markt wächst auch in schlechten Zeiten

Auch wenn sich der deutsche Outsourcing-Markt nicht notwendigerweise gemäß den Schablonen entwickeln wird, die die Anbieter entworfen haben, bleiben die Wachstumsaussichten durchweg positiv. IDC erwartet, dass der deutsche Markt bis 2011 um jährlich durchschnittlich 7,4 Prozent wachsen wird, wobei einzelne große Deals diese Prognosen erheblich verschieben können. Entscheidend ist jedoch, dass deutsche Unternehmen die verschiedenen Outsourcing-Facetten intensiver nutzen. Dies gilt auch für den Mittelstand. Dort werden jedoch andere Anbieter als bei Großkunden das Geschäft machen, da sie die Bedürfnisse besser erfüllen können. Selbst wenn es zu einer weltweiten Rezession käme, würde wohl das Outsourcing-Geschäft weiter wachsen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten suchen Unternehmen noch intensiver nach Einsparmöglichkeiten als in der Prosperität. Allerdings müssten die Anbieter mit stark zunehmendem Preisdruck rechnen. Zuversichtlich stimmt zudem, dass sich die Grundhaltung gegenüber dem Thema zum Guten gewendet hat. Das Herkules-Projekt der Bundeswehr hat kaum negative Schlagzeilen gebracht. Völlig anders verlief die Berichterstattung rund um das Outsouring-Vorhaben der Deutschen Bank mit IBM vor einigen Jahren: Die Probleme mit dem Auslagerungsprojekt haben den Markt negativ beeinflusst. Auch der Vergleich dieser beiden Projekte zeigt, dass der Markt und Sourcing-Prozesse in den Unternehmen gereift sind. Insofern dürfte Outsourcing auch künftig ein Wachstumsmotor im deutschen IT-Services-Markt bleiben.