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12.09.1997 - 

Fairchild Dornier will den DV-Aufwand in den Griff bekommen

Outsourcing soll die IT-Kosten halbieren

Wenn Fairchild Dornier Outsourcing sagt, dann heißt das: komplette Auslagerung des DV-Betriebs. Nur der Spezialbereich Flugmeßtechnik bleibt in der Verantwortung des Flugzeugbauers, der seit Juni vergangenen Jahres zur Fairchild Aerospace Corp. mit Sitz im texanischen San Antonio gehört.

Nach der Meinung vieler Marktforscher ist eine Komplettausgliederung der Informationsverarbeitung eigentlich nicht mehr zu empfehlen. Die Auguren warnen davor, dieses "strategische Werkzeug" aus der Hand zu gegeben. Doch Reinhold Kaßecker, in seiner Eigenschaft als Vice President Services für den gesamten Fairchild-Standort Oberpfaffenhofen verantwortlich, sieht das anders: "Wir wollen uns nicht auf die Datenverarbeitung, sondern auf den Flugzeugbau konzentrieren."

Allerdings räumt Kaßecker ohne jede Beschönigung ein, daß am Outsourcing für Fairchild Dornier kein Weg vorbeiführt. Die finanziell äußerst kritische Lage der Dornier Luftfahrt GmbH, die länger als ein Jahrzehnt keine schwarzen Zahlen mehr schrieb, habe etwa die Hälfte der einstmals 60 DV-Mitarbeiter - und sicher nicht die schlechtesten - dazu bewogen, sich einen anderen Arbeitgeber zu suchen.

Das ausschlaggebende Argument ist für Kaßecker jedoch die erwartete Kostensenkung. Unter dem Fairchild-Dach soll das Traditionsunternehmen Dornier endlich wieder profitabel wirtschaften. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Standortleiter dem Betrieb eine bittere Medizin verordnet: Überall, wo er vermeidbare Kosten entdeckte, setzte er den Rotstift an.

Der Outsourcing-Deal mit Debis ist Teil dieser Sparpolitik. Kaßecker erwartet, daß sich seine DV-Kosten auf diese Weise halbieren. Im Ausschreibungsprozeß stellte er eigenen Angaben zufolge zum ersten Mal fest, was sich mit einem "marktgerechten Service-Level-Agreement" einfordern läßt. Bis dahin habe das Unternehmen im IV-Bereich überhaupt kein Benchmarking gekannt.

Am 1. September dieses Jahres hat Debis zusätzlich zum Betrieb des Rechenzentrums das Netz-Management, die Client-Betreuung und die Anwendungssysteme übernommen. Das vertraglich vereinbarte Servicepaket schließt auch die Weiterentwicklung beziehungsweise die Ablösung der bislang genutzten Applikationen ein, bei denen es sich hauptsächlich um R/2-Module von SAP sowie um eigene Host-Anwendungen und "Cadam"-Applikationen handelt.

Ob und wann eine Migration auf das Nachfolgeprodukt R/3 ansteht und durch welche Standardapplikation das 15 Jahre alte, selbstentwickelte PPS-System ersetzt werden soll, ist nicht explizit definiert. Fairchild Dornier kauft lediglich Funktionalität ein. Das Problem, wie diese Leistung zu erbringen sei, überläßt der Flugzeugbauer dem Systemhaus, mit dem er, so Kaßecker, "ein Vertrauensverhältnis aufbauen" will. Zudem weiß der Standortleiter, daß sich nicht alle Einzelheiten des Outsourcing-Kontrakts im vorhinein definieren lasen. "Der Vertrag lebt". Während der auf fünf Jahre befristeten Laufzeit wird es also die eine oder andere Anforderungskorrektur ("Change Request") geben.

Die von Kaßecker genannten Einsparungen hingegen sind explizit Bestandteil des Abkommens. Debis hat sich nicht nur verpflichtet, sie zu realieren, sondern auch, mit dem Kunden die Mittel und Wege abzustimmen, um dieses Ziel zu erreichen.

Über das Tagesgeschäft hinaus wird der Dienstleister gemeinsam mit Fairchild Dornier eine neue DV-Strategie für den Standort Oberpfaffenhofen erarbeiten. In diesem Rahmen plant der Flugzeugbauer beispielsweise, seine Klientel und die Lieferanten in ein Extranet einzubinden, das auf dem Debis-Netz laufen soll.

Die Entscheidung für die Daimler-Benz-Tochter Debis fiel Fairchild Dornier relativ leicht. Immerhin war Dornier mehr als zehn Jahre lang ebenfalls Teil des Stuttgarter Automobil- und High-Tech-Konzerns, bevor dieser seine Anteile zu 80 Prozent an Fairchild verkaufte. Folglich hatte Debis bereits den reinen RZ-Betrieb übernommen und Know-how bezüglich der Abläufe und Anwendungen gewonnen. "In der Ablösung des Anbieters hätte ein gewisses Risikopotential gesteckt", erläutert Kaßecker, der ansonsten zumindest einen gleichwertigen Dienstleistungspartner gewußt hätte.