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30.04.2004 - 

IT-Auslagerung an IBM verfehlt Zielvorgaben

Outsourcing-Sorgen plagen Deutsche Bank

MÜNCHEN (wh) - Das IT-Outsourcing-Projekt mit IBM bereitet der Deutschen Bank erhebliche Probleme. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) untersucht derzeit Schwächen in der Notfallfähigkeit der ausgelagerten Systeme. IT-Vorstand Hermann-Josef Lamberti hat sein Einsparziel im ersten Jahr verfehlt.

Was Experten schon vor der Ankündigung des 2,5 Milliarden Euro schweren Deals befürchtet hatten, scheint sich zu bestätigen: Die Auslagerung der kontinentaleuropäischen Rechenzentren zum 1. Februar 2003 stößt auf technische und organisatorische Schwierigkeiten, die die erhofften Vorteile aufzufressen drohen.

Im Rahmen einer Sonderprüfung gemäß Kreditwesengesetz lässt die Bafin ermitteln, wie es um die Notfallfähigkeit der ausgelagerten IT-Infrastruktur bestellt ist. Dabei steht auch die Frage im Mittelpunkt, inwieweit die Bank ihrer diesbezüglichen Kontrollpflicht gegenüber dem Dienstleister IBM nachgekommen ist. Zwar sind derartige Prüfungen nicht ungewöhnlich. Doch die laufende Untersuchung steht in engem zeitlichem Zusammenhang mit internen Revisionsberichten der Bank, die nach Auskunft von Mitarbeitern wenig schmeichelhaft für beide Vertragsparteien ausfielen. Als zuständige Aufsichtsbehörde darf die Bafin solche Berichte einsehen.

Dass die vielfach geäußerten Warnungen ernst zu nehmen sind, mussten die Hessen Anfang Dezember 2003 erleben. Mehr als einen ganzen Tag lang fielen die Produktivsysteme im IBM-Rechenzentrum aus, Kernanwendungen etwa für den Zahlungsverkehr oder die Wertpapierabwicklung standen still. Nach Darstellung einer IBM-Sprecherin handelte es sich um einen Routinevorfall, der "sehr schnell" behoben worden sei. Bankkunden hätten keinen Schaden erlitten.

Erreichbarkeit im Krisenfall?

Die international beachtete Servicepartnerschaft macht Europas größtem Kreditinstitut in vielerlei Hinsicht zu schaffen. So dürfen sich etwa Mitarbeiter der Deutschen Bank mit IT-Problemen nicht direkt an IBM wenden, sondern an das Sourcing Management Team. Die 30-köpfige Abteilung übernimmt eine Schnittstellenfunktion zwischen dem Outsourcer und bankinternen Fachabteilungen. Eine ständige Erreichbarkeit auch im Krisenfall sei derzeit aber nicht sichergestellt, heißt es in Frankfurt. Das habe Chief Operating Officer Lamberti vor Mitarbeitern eingeräumt.

Besonders ärgerlich aus Sicht der Konzernspitze dürfte ein anderer Aspekt sein: Das von Lamberti anvisierte Einsparziel von jährlich 100 Millionen Euro nach der IT-Auslagerung wurde bisher nicht erreicht. Firmensprecher Klaus Thoma will diese Aussage so nicht stehen lassen. Die Deutsche Bank halte an dem Ziel fest, über die Vertragslaufzeit von zehn Jahren eine Milliarde Euro einzusparen. Das bedeute aber nicht, dass jedes Jahr 100 Millionen Euro eingespart werden müssten. Allenfalls handele es sich dabei um einen Durchschnittswert. Thoma: "Das Modell rechnet sich."

Doch die Kritik geht noch weiter. Auch die versprochene Kostentransparenz - ein Argument, das die Outsourcing-Anbieter gebetsmühlenartig vortragen - sei nicht eingetreten, monieren die Fachabteilungen. Im Gegenteil würden die neuen Berichte als "zu komplex und nicht nachvollziehbar" empfunden. Ein internes Team arbeite derzeit an einem Reporting-System, das zumindest den Grad der Transparenz vor der IT-Auslagerung wieder herstellen solle.

IT-Service verschlechtert

Entgegen den Erwartungen habe sich zudem der Service der IT-Sparte insgesamt verschlechtert. Schuld daran dürften nicht zuletzt die langen Entscheidungswege für IT-Projekte sein, die das komplexe organisatorische Konstrukt vorschreibt. Wenn IBM nach dieser Prozedur endlich konkrete Vorschläge unterbreite, entsprächen diese oft weder bankfachlich noch finanziell den Anforderungen.

Nach heftiger interner Kritik sind die Leistungen des Sourcing Management Teams nun offenbar auch ins Visier der Bafin geraten. Die Führungsriege der Deutschen Bank habe aus dieser Entwicklung personelle Konsequenzen gezogen, ist aus der Konzernzentrale zu hören. Der für diesen Bereich zuständige John Patching wurde durch Jacqueline Guichelaar abgelöst, die zuvor in seiner Abteilung arbeitete. Thoma bestreitet diese Darstellung. Patching habe seinen Posten "aus familiären Gründen" aufgegeben.

Die Probleme mit der IT-Auslagerung könnten nur der Anfang sein, fürchten Betroffene. Denn die Deutsche Bank hat mit weiteren Outsourcing-Projekten, vor allem in der Softwareentwicklung, eine ganze Reihe neuer Baustellen aufgemacht.

Überzogene Erwartungen

Für Peter Dück, Vice President bei Gartner, kommen die Schwierigkeiten nicht überraschend; er sieht darin aber nicht nur negative Effekte. Zwar ergäben sich mit jedem neuen Deal zusätzliche Herausforderungen. Doch die Deutsche Bank befinde sich in einer Lernkurve, von der sie auch profitieren könne. "Man kann davon ausgehen, dass das Management die nächsten Projekte mit einem geschärften Blick für das Machbare und realistischeren Erwartungen angeht."

Die viel zitierte Signalwirkung des Megadeals für die Finanzbranche ist jedenfalls bislang weitgehend ausgeblieben. Ende November 2003 stoppte die Commerzbank die Verhandlungen über ein Outsourcing-Projekt mit der IBM im letzten Moment. Grund: Die Auslagerung rechnet sich nicht. Und auch die Liste der vorzeitig beendeten Verträge wird länger.

Erst kürzlich bestätigte die Schweizer Versicherung Winterthur, ihre an IBM ausgelagerten RZ-Aufgaben künftig von der Konzernmutter Credit Suisse erledigen zu lassen. Damit spare man jährlich 40 Millionen Franken.