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19.09.1997 - 

Enttäuschung über CICS

Ovum kürt NCR-Produkt zum besten Transaktionssystem

Billig ist die Anschaffung eines TP-Monitors nicht gerade. Mit etwa 25000 bis etwa 500000 Dollar müssen die Anwender rechnen. Da kommt die Faustregel der Computer Technology Re- search Corp. (Siehe Kasten) zu Hilfe. Greifen rund 200 Anwender auf eine Applikation zu, die zirka 100000 Transaktionen pro Tag fordert, lohne sich die Anschaffung. In Konkurrenz zu dieser Technik stehen andere Middleware-Konzepte: Remote Procedure Calls (RPC) inklusive des Standards Distributed Computing Environment (DCE), Message-basierte Techniken, Connectivity-Software für Datenbanken sowie Object Request Broker (ORB), von denen erste Produkte ebenfalls transaktionstauglich werden.

Die umfangreichste Middleware-Palette bietet IBM: die TP-Monitore "CICS" und "Encina", das Message-basierte "MQSeries", die den Empfehlungen der Object Management Group entsprechenden ORBs "SOM" und "DSOM", DCE und das Connectivity-Produkt "Data Joiner". Doch die Ovum-Analysten zeigen sich wenig beeindruckt von der Produktvielfalt. Sie gehen mit Big Blues Produktpolitik hart ins Gericht. Es fehle dem Hersteller an einer klaren Strategie. So verkaufe etwa die eine IBM-Abteilung Encina in Konkurrenz zu CICS und ein anderer IBM-Bereich vermarkte die Produkte als ideale Ergänzung zueinander.

Auch am erfolgreichsten TP-Monitor selbst haben die Autoren der Ovum-Studie einiges auszusetzen. Das aus Mainframe-Zeiten stammende CICS erfülle den Anspruch an eine Client-Server-Middleware nicht.

Das Produkt eigne sich noch immer am besten für zentrale Host-Lösungen. In verteilten Umgebungen sei der Aufwand für Sicherheitsmechanismen und Administration extrem hoch. Die grundsätzlich positiv zu beurteilende Vereinheitlichung der Application Programming Interfaces (APIs) für die verschiedenen plattformabhängigen CICS-Ausführungen täusche den Anwendern lediglich ein einheitliches Set verteilter Services und Mechanismen vor.

Middleware soll Administratoren und Entwickler von Aufgaben befreien, die von der Komplexität verteilter Datenverarbeitung herrühren. Unterschiedliche Betriebssysteme, Netzprotokolle, Hardware, Applikationstypen und Datenbanken sind miteinander zu verknüpfen. Bei Transaktionsmonitoren tragen sogenannte Administrationsservices zur Entlastung bei. Die besten bietet laut Ovum Top End. Tuxedo, Encina und Grip verfügen zwar ebenfalls über Services wie Installieren und Konfigurieren sowie über grafische Oberflächen, Fehlerdiagnosen und bieten Links zu SMS-Tools, erfordern allerdings ein stärkeres Eingreifen der Administratoren.

CICS gilt als das reifste Produkt; doch die Möglichkeiten einer Cross-Plattform-Administration sind nach Meinung der Ovum-Experten zu schwach ausgeprägt. Zudem fehlten dem TP-Monitor wesentliche Verschlüsselungsmechanismen. Überhaupt nicht vorhanden seien plattformübergreifende Directory-Services, die sich zentral steuern lassen. In diesem Punkt schneiden nur Top End und Tuxedo gut ab. Tuxedo zeige jedoch Schwächen bei der Lastverteilung und -kontrolle. Die Ovum-Autoren wünschen sich diesbezüglich mehr Automatismen. Sie bemängeln zudem die Directory Services. Diese erlaubten keinen Einsatz in Netzen mit Hunderten oder Tausenden von Knoten.

Top End bewerten die Ovum-Analysten insgesamt am besten. Sie bemängeln explizit lediglich die fehlende Unterstützung des Netzprotokolls SNA - MVS-Komponenten werden via TCP/ IP angesprochen - und wichtiger Plattformen wie Open VMS. Weniger gravierend für die Endbewertung erscheint den Autoren der Studie, daß Top End in bezug auf mögliche Verbindungen zu anderen Transaktionssystemen hinter Tuxedo zurückstehen muß. Das NCR-Produkt unterstützt CICS und IMS/TP.

Eines der Entscheidungskriterien für oder gegen ein TP-Produkt dürfte die Performance sein. Laut Ovum schneiden hier die Produkte Top End und Grip am besten ab. Letzteres stammt vom größten brasilianischen IT-Hersteller. Itautec Philco entwickelte es ursprünglich für eine Privatbank in Sao Paulo, die mehr als 2000 Niederlassungen hat.

Die Arbeit an der Software, die schon damals etwa zehn Millionen Transaktionen pro Tag sicherstellen sollte, wurde 1982 aufgenommen. Grip wurde zunächst für den Mainframe-Betrieb konzipiert, DOS- und Netware-Support folgten wenig später. Seit 1994 unterstützt das Produkt Windows NT und SCO Unix. Zu den Kritikpunkten an Grip gehören der eingeschränkte Support außerhalb Südamerikas und Portugals sowie Schwächen in den Directory Services. Die Autoren heben bei diesem Produkt besonders die einfache Bedienbarkeit hervor.

Daran scheint es Encina entscheidend zu mangeln. So sollten sich laut Ovum nur erfahrene Administratoren, die bestenfalls über C- und C++-Kenntnisse verfügen, an die Arbeit mit diesem TP-Monitor wagen. Dazu kommt, daß das Produkt, obwohl es auf DCE basiert, nur eine vergleichsweise kleine Auswahl anderer DCE-Plattformen unterstützt. Encina könne zudem zwar die Lastverteilung selbsttätig regeln, doch läßt sich ein Applikations-Server nicht automatisch stoppen oder wieder hochfahren.

Transaktionsmonitore

TP-Monitore werden in großen und komplexen Anwendungen eingesetzt, bei denen Schnelligkeit und kurze Antwortzeiten zählen. Als typische Applikationen gelten Reservierungssysteme bei Fluggesellschaften oder der Clearing-Verkehr in einer Bank. Heute gehören zu einem TP-Monitor mehr als ausgefeilte Backup- und Recovery-Mechanismen. So ermöglichen Multithreading-Funktionen Applikationen, die mehr als eine Aufgabe gleichzeitig bearbeiten können, etwa das Sammeln von Daten in unterschiedlichen Datentöpfen.

TP-Monitore unterstützen in der Regel eine Dreischichtenarchitektur, die aus Clients, einem Server für das Online Transaction Processing (OLTP) und weiteren Servern für Datenbank-Management-Systeme, die Geschäftslogik und Verwaltungssysteme bestehen, die das Update von Dateien, die Organisation von Druckerschlangen und Messages übernehmen. Auf diese Weise eignet sich die Middleware nicht nur für komplexe, sondern auch für flexible Client-Server und Internet-Konstruktionen.

Zu den notwendigen Eigenschaften eines TP-Monitors zählen Interoperabilität, Skalierbarkeit und Verwaltungsfunktionen. Als eigene Schicht in Client-Server-Architekturen können sie Datenbank- und Betriebssystemunabhängigkeit gewährleisten. Sie sind zudem unabhängig von SQL-Statements und Stored Procedures, die den Netzverkehr erheblich belasten können.

Wichtigstes Koordinationsinstrument ist ein Prozeß, der als Two-Phase-Commit bezeichnet wird. Um etwa den Eingang einer Zahlung per Scheck zu buchen, bedarf es einer Kontobelastung an anderer Stelle. Erst wenn beide Aktionen der Transaktion erfolgreich ausgeführt sind und ein stabiler Zustand erreicht ist, gilt die Aufgabe für den TP-Monitor als erledigt. Wird einer der Teilprozesse nicht komplett ausgeführt, stoppt der gesamte Prozeß. Der Monitor sorgt für ein Rollback und für ein Aufsetzen, bevor die Aktion startete. Daneben verfügen TP-Monitore über Features für die Authentifizierung in verteilten Systemen, für die Verschlüsselung und die zentrale Steuerung von Parametern, Funktionen und der Kommunikation. Dazu zählt die Überwachung der Netzauslastung sowie die Optimierung des Ressourceneinsatzes.

Einen weitreichenden Standard für TP-Monitore gibt es nicht, wohl aber Versuche verschiedener Gremien, zu einem Konsens zu gelangen. Die "OSI OLTP"-Spezifikation und das konforme "XA-Modell" der Open Group wollen regeln, auf welche Weise TP-Systeme zusammenarbeiten können. Die Open Group hat daneben noch eine Reihe von Interfaces definiert.