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11.09.1998 - 

Finanzpakete von Baan, J.D. Edwards, Oracle, Peoplesoft und SAP

Ovum: R/3-Finanzwesen für Mittelständler nicht geeignet

Auf dem Prüfstand standen neben der Funktionalität auch die technische Basis und die Architektur der Finanzlösung sowie die wirtschaftliche Stabilität der Anbieter Baan, J.D. Edwards (JDE), Oracle, Peoplesoft und SAP. Anwendern soll damit der Auswahlprozeß erleichtert werden. Mutig versprechen die Auguren, daß die Studie "Ovum Evaluates Corporate Financial System" die Bewertung um einige Monate verkürzt. Insgesamt haben sich die Standardsoftware-Experten Dennis Keeling und Laurent Lachal 20 Finanzpakete vorgenommen (siehe Kasten: Die Kandidaten). Die Performance weiterer Anbieter soll im Laufe dieses Jahres veröffentlicht werden.

Die fünf Kandidaten des ersten Durchgangs decken die Anforderungen mittlerer und großer Unternehmen weitgehend ab. Sowohl funktional als auch technisch wurde keine der Anwendungen als unbrauchbar eingestuft. Doch stellten sich bei näherer Betrachtung deutliche Stärken und Schwächen heraus.

Die Funktionsvielfalt von "Baan Financials 4.C2" ist laut Ovum ausreichend, solange das Paket nicht bei international operierenden Unternehmen eingesetzt werden soll. Eingeschränkt sei auch die Flexibilität bei der Einstellung auf unternehmensspezifische Belange. Die Möglichkeiten, Auswertungen, Berichte und Analysen zu erstellen, werden als schwach beurteilt. Baans Finanzsystem ist nicht als Standalone-Anwendung erhältlich.

Die Niederländer mit Hauptsitz in Putten haben traditionell das größte Know-how in der Fertigung, Warenwirtschaft und Logistik. Das ist dem Finanzpaket anzumerken. Die Abrechungsverfahren sind stark auf diese Belange zugeschnitten. Beim inzwischen häufigen Einsatz in anderen Industrien und Branchen stößt die Software an ihre Grenzen.

Diesen Mangel hat Baan anscheinend erkannt. Im vergangenen Jahr hat das Softwarehaus deshalb Coda Plc., einen Anbieter von Finanzanwendungen mit internationaler Erfahrung, übernommen, um das Leistungsspektrum seiner eigenen Finanzsoftware auszubauen. Mit dem Kauf allein sei es allerdings nicht getan: So lasse die Integration bisher noch zu wünschen übrig. Die Analysten geben dem massiven Expansionsdrang und der Zukaufstrategie von Baan ein gut Teil Schuld daran, daß die Qualität der Software insbesondere im Finanzbereich gelitten habe. Daß Baan hier Probleme hat, bestätigen auch deutsche Anwender.

Die Holländer planen, die Finanzanwendungen von Coda in zwei Schritten zu integrieren: Zunächst soll ein einfacher Link die Hauptbücher der Produkte verbinden. Danach ist vorgesehen, die Produkte mittels Komponententechnik zu koppeln, wobei Baan auf das Distributed Common Object Model (DCOM) von Microsoft setzt. Nach Schätzungen von Ovum dürften allerdings noch rund zwei Jahre vergehen, bis eine ausgereifte Lösung vorhanden ist.

Was Reporting und Analysen angeht, verläßt sich Baan auf den Partner Hyperion Solutions. Beide Unternehmen arbeiten seit rund zwei Jahren intensiv zusammen. In dem Baan-IV-Nachfolgeprodukt "Baan ERP" soll das erste gemeinsam entwickelte Modul "Fixed Assets" verfügbar sein.

Positiv heben die Auguren die Skalierungseigenschaften von Baan Financials hervor. Das Produkt sei in diesem Punkt führend - Installationen von fünf bis 3500 Usern sind möglich und produktiv im Einsatz.

Der angestammte Anbieter von AS/400-Software aus Denver, Colorado, lieferte "One World" im September 1996 zum ersten Mal aus. Die Softwerker haben damit laut Ovum ein zeitgemäßes und technisch eindrucksvolles Produkt zustande gebracht, das jedoch in bezug auf Skalierbarkeit noch reifen muß.

Die Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung sowie das General Ledger erfüllen die Anforderungen international operierender Unternehmen, konstatieren die Analysten. Hervorzuheben sind die langen Strukturen der Konten und auch die großzügig bemessenen Feldlängen. Das Hauptbuch ist um mehrere Nebenbücher erweitert worden, die ein sogenanntes "Activity based Costing" (ABC) erlauben. Eher schwach bewertet Ovum die Treasury-Funktionen, die durch Produkte von Drittanbietern abgedeckt werden müssen.

Ovum honoriert, daß JDE die Anwendungen nicht nur für offene Plattformen neu geschrieben, sondern auch gleichzeitig in Komponenten zerlegt hat. Dadurch stehen viele Funktionen zur Verfügung, die sich zudem flexibel anpassen lassen. Auch dieses Finanzpaket ist nicht als Standalone-Lösung erhältlich.

Die Schwäche bei der Skalierbarkeit der Version 7.3.2 läßt bislang keine Installationen mit mehr als 300 Anwendern zu. Laut Ovum wird es noch rund zwei Jahre dauern, bis One World die Benutzerzahlen des Vorgängerprodukts "World Software" erreicht hat, die bei maximal 4500 parallelen Usern liegen soll. In puncto Euro-Unterstützung müssen sich One-World-Anwender noch bis zum Ende des Jahres gedulden.

An der Funktionalität von Oracles Finanzpaket haben die Auguren nichts auszusetzen. Sowohl Hauptbuch, Kreditoren und Debitoren, Treasury sowie die industriespezifischen Funktionen und die Lösungen für Electronic Commerce sind reichhaltig und decken die Belange mittlerer und großer Unternehmen ab.

Besondere Stärken hat die Software laut Ovum im Bereich Auswertungen und Berichte. Oracle greift dazu auf seine langjährige Erfahrungen im Data-Warehouse-Umfeld zurück und bietet die hauseigenen Analye-Tools und Olap-Datenbanken an.

Problematisch dagegen erscheint die Architektur der Version 10.7. Oracles "Network Computing Architecture" (NCA) fußt auf der Idee, Anwendungen auf Basis von Internet- beziehungsweise Intranet-Techniken zu bauen. Dazu gehören "fette" Server im Back-end und schlanke, Java-basierte Clients. Damit will sich Oracle insbesondere vom funktionsüberladenen Windows distanzieren. Ein löblicher Ansatz, konstatieren die Analysten, doch hätten Anwender derzeit andere Probleme, als sich mit neuen Architekturkonzepten auseinanderzusetzen. Die Einführung des Euro und die Datumsumstellung für das Jahr 2000 seien wichtiger. Und gerade in diesem Punkt weise Oracles Produktstrategie Lücken auf: Erst mit der Version 10.7 können Anwender das Jahr-2000-Problem in den Griff bekommen, und die volle Euro-Unterstützung steht sogar erst mit Release 11 zur Verfügung.

Als Schwachpunkt bemängelt Ovum die Skalierbarkeit von Financials. Da der Applikations-Server im Vergleich zum Datenbank-Server wenig Arbeitslast übernimmt, sei er bei größeren Nutzerzahlen überfordert. Die Hardware-Ressourcen für die Datenbank sollten also in jedem Falle großzügig bemessen sein.

Bei sehr großen Anwenderzahlen läßt sich dieses Manko laut Ovum jedoch auch nicht mehr durch immer leistungsfähigere Server kompensieren - ein Architekturfehler, den die Ellison-Company nur beseitigen kann, wenn sie die Software gründlich überarbeitet. Die eben angekündigte Version 11 jedenfalls kann dieses Problem noch nicht lösen. Laut Lachal und Keeling wird eine Version 12 fällig.

Wie Oracle Financials weist auch der Funktionsumfang von Peoplesoft keine Lücken auf. Ovum hebt vor allem die Bedienerfreundlichkeit, die Anpaßbarkeit und die vergleichsweise streßfreie Implementierung der Software hervor. Das Produkt ist als Standalone-Version verfügbar.

Peoplesoft sei jedoch eine Company, die sich trotz internationaler Niederlassungen immer noch sehr stark am amerikanischen Markt orientiere. Insbesondere die Mentalität deutscher und französischer Kunden werde wenig berücksichtigt. Zudem seien weltweit einsetzbare Versionen immer erst mit deutlicher Verspätung verfügbar. Ovum rät Anwendern daher, sich unbedingt nationale Referenzinstallationen zeigen zu lassen, von denen es hierzulande jedoch erst wenige gibt.

Hauptbuch, Kreditoren- und Debitorenkonten des Finanzpaketes entsprechen internationalen Anforderungen. Lediglich das Kassenbuch sei in der Standardauslieferung nicht enthalten. Dieses könne jedoch ohne großen zusätzlichen Aufwand mit Hilfe der Peoplesoft-Tools konfiguriert werden. Im Bereich E-Commerce setzt die Softwareschmiede auf Electronic-Data-Interchange- (EDI-)Techniken.

Anwender sollten beachten, daß Peoplesofts Produktpalette neben den Financials und dem Kassenschlager "Human Resources" noch recht jung und nicht vollständig ist. Eigene Front-Office-Tools fehlten im Portfolio gänzlich. Vor kurzem wurde eine Zusammenarbeit mit Vantive, einem Anbieter von Servicelösungen, sowie eine Kooperation mit Siebel, einem Spezialisten für Vertrieb- und Marketing-Software, angekündigt. Doch den Analysten gehen diese Versprechungen nicht weit genug: Die Mitbewerber Baan, Oracle und SAP haben eigene Produkte im Angebot und bieten Kunden eine vollständige Produktpalette aus einer Hand, so das Urteil.

Die dreistufige Client-Server-Architektur von Peoplesoft 7.5 ist laut Ovum auf dem Stand der Technik, weist jedoch noch keine Komponentenbauweise auf. Diese soll mit dem Release 8 folgen, mit dem die Auguren nicht vor dem Jahr 2000 rechnen.

Den größten Funktionsumfang im Bereich Finanzwesen liefert SAP mit ihrer R/3-Lösung. Referenzklasse bescheinigen die Auguren den Modulen für Controlling, Investment-Verwaltung und Treasury. Die ursprünglichen Schwächen auf diesen Gebieten seien mit der Version 4.0 behoben.

Zudem besticht R/3 durch seine Stabilität und Skalierbarkeit - 1000 parallel arbeitende Fibu-Anwender stellen kein Problem dar, 10 000 sollen möglich sein. SAPs Finanzwesen ist insofern als Standalone-Lösung erhältlich, als bei der Installation des R/3-Paketes nur die Finanz-Funktionen aktiviert werden können.

Problematisch ist nach wie vor die Komplexität. So gestaltet sich die Installation von R/3 immer noch schwieriger als bei den Mitbewerbern. Auch neueste Einführungs-Tools wie der "Business Engineer" (BE) und die Projektmethode "Accelerated SAP" (ASAP) könnten vor den vielfältigen Fallstricken einer R/3-Einführung nur bedingt schützen. Man sei daher auf das Know-how von teuren Beratern angewiesen.

Hart treffen wird die Walldorfer das Urteil hinsichtlich der Tauglichkeit für mittelständische Unternehmen: Gänzlich ungeeignet ist das Finanzpaket für kleinere und mittlere Betriebe, so die Auguren. Mit dem gebotenen Leistungsspektrum seien Mittelständler völlig überfordert.

Weitere Kritik üben die Auguren an SAPs Komponentenstrategie. Die Zerlegung des R/3-Pakets stößt an Grenzen, da das System vom Konzept her zu stark integriert ist. Zwar ist mit 4.0 ein separates Modul für das Personalwesen verfügbar. Doch scheint den Analysten die Vorgehensweise, einzelne Bausteine mittels propriertärer Business Application Programming Interfaces (BAPIs) und dem Application Link Enabling (ALE) aneinanderzuketten, nicht stabil und performant genug. Um eine wirkliche Komponentenbauweise zu realisieren und auch die Kernfunktionen Finanzwesen, Produktion und Logistik zu entkoppeln, müsse SAP ein Re-Design der R/3-Architektur vornehmen.

BEZUGSQUELLE: Die Studie "Ovum Evaluates Corparte Financial Systems" ist zu beziehen bei: Ovum Ltd., 1 Mortimer Street, London W1N 7RH, England oder via Internet: www.ovum.com

TECHNIK

Baan 4.C2

- Aufbau: dreistufige Client-Server-Anwendung. Innerhalb der Baan-Applikationen kommen die Extensible Middleware Architecture (XMA) und Business Object Interfaces (BOIs) zum Einsatz.

- Integration von Fremdprodukten via COM und DCOM

- Client: bis Version 4 Windows, X-Terminals und Character-Terminals, ab Ausführung 5 nur noch Windows-Clients

- Betriebssysteme (BS): Unix, Windows NT

- Datenbanken (DB): Informix, SQL Server, Oracle und Sybase

J.D. Edwards 7.3.2

- Verteilte Anwendungen in Komponentenbauweise. Basis bildet die JDEs "Configurable Network Computing"-(CNC-) Architektur.

- Integration von Fremdprodukten via OLE, ODBC, COM und Corba

- Client: Windows und Java

- BS: Mainframes, AS/400, Unix und NT

- DB: Oracle, DB2, SQL Server

Oracle 10.7

- Dreistufige Client-Server-Architektur; Basis ist die "Network Computing Architecture" (NCA).

- Integration von Femdprodukten via APIs und Datenbank-Gateways

- Client: Windows, Java und Character-Terminals, ab Version 11 nur Java-Clients

- BS: IBM OS/390 mit CMOS-Prozessoren, VMS, HP-MPE und die meisten Unix-Derivate, seit Mai 1997 Windows NT.

- DB: Oracle 7.3 und 8

Peoplesoft 7.5

- Dreistufige Client-Server-Architektur; Basis bildet die Middleware "Tuxedo" von Bea. Die Zerlegung in Komponenten mit Peoplesoft 8 geplant.

- Integration zu Fremdprodukten via APIs

- Client: Windows und Java

- BS: Mainframes, AS/400, Unix- und NT-Server

- DB: DB/2, SQL Server, Informix, Oracle

SAP 4.0

- Dreistufige Client-Server-Architektur; Basis ist eine proprietäre Middleware. Die SAP-Module sind über die Datenbank verknüpft. Zerlegung in Komponenten hat begonnen. Die Objekttechniken COM, DCOM und Corba werden unterstützt.

- Integration von Fremdprodukten via SAP Business Application Programming Interfaces.

- Clients: Windows, Unix, Mac, OS/2, und Java

- BS: Unix, AS/400, NT, Open VMS, MVS für DB-Server

- DB: Oracle, Informix, Adabas D, SQL Server