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14.06.1996 - 

Gemeinsames Unternehmen PB-NEC soll Weltmarktstellung sichern

Packard Bell und NEC fusionieren PC-Geschäft

Die PC-Geschäftsbereiche sollen laut einer Absichtserklärung bis zum 1. Juli 1996 zur PB-NEC vereint sein. Die neue Firma, deren Hauptsitz sich am PB-Stammsitz in Sacramento, Kalifornien, befinden wird, führt die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb sowohl von PB- als auch von NEC-PCs unter einem Firmendach zusammen. Zunächst allerdings werden PCs von PB, NEC und von Zenith Data Systems (ZDS) noch unter den jeweiligen Firmennamen vermarktet. Packard Bell hatte ZDS, die PC-Division der französischen Groupe Bull, Anfang dieses Jahres übernommen.

Sowohl NEC als auch die Groupe Bull haben einen Anteil von 19,9 Prozent an PB, den sich die Japaner im August des vergangenen Jahres 170 Millionen Dollar kosten ließen. Seit Februar 1996 besitzt NEC nach einer weiteren Finanzspritze von 283 Millionen Dollar außerdem stimmrechtslose Vorzugsaktien des PC-Herstellers.

Mit der Zusammenführung der PC-Aktivitäten ist zwar noch keine Aufstockung des 19,9-Prozent-Anteils von NEC an PB verbunden. Allerdings erhält NEC für seine eingebrachte PC-Division - Schätzwert 300 Millionen Dollar - weitere stimmrechtslose Vorzugsaktien. Mit einem Engagement von dann insgesamt rund 753 Millionen Dollar dürften die Japaner größter Investor bei PB-NEC sein.

Diese Vorzugsaktien werden, vermuten Experten, spätestens dann in stimmberechtigte Anteilsscheine umgewandelt, wenn PB-NEC an die Börse geht. Dies könnte, so PB-CEO Beny Alagem - der in dieser Position auch bei PB-NEC fungieren wird -, in etwa zwei Jahren der Fall sein. Analysten schätzen, daß NEC schon mit der Investition von 283 Millionen Dollar inoffiziell rund 40 Prozent von Packard Bell gehören.

Die zwischen den beiden Firmen unterzeichnete Grundsatzvereinbarung sieht vor, daß PB-NEC weltweit die Produkte aller drei Partner vermarkten wird. Ausnahme: der asiatisch- pazifische Raum. Hier wird PB-NEC lediglich Packard-Bell- und Zenith-PCs an den Mann zu bringen versuchen, während NEC in dieser Region PCs unter seinem Namen verkaufen wird.

In Japan wird eine eigene PB-NEC-Firma gegründet, die in Konkurrenz zu NEC tritt. NECs PC-Marktanteil im Land der aufgehenden Sonne lag laut Dataquest 1995 bei 40 Prozent. Mit 18,3 Prozent folgt Fujitsu mit weitem Abstand auf Platz zwei. Diese Dominanz täuscht allerdings darüber hinweg, daß NEC in Japan permanent Marktanteile verliert (1994: 46,7 Prozent).

Keiner der Großen kooperiert im PC-Geschäft

Ein Großteil der Rechner sind zudem proprietäre "PC-9800"- Maschinen, die nicht nach dem in Japan zunehmend verbreiteten DOS/V-Standard arbeiten. NEC sieht sich bei den DOS-Windows-PCs der harten Konkurrenz sowohl aus dem japanischen Lager (Fujitsu) als auch aus Übersee von der IBM, Compaq oder Dell ausgesetzt.

Rein rechnerisch kommen die Kombattanten NEC und PB laut Dataquest auf einen gemeinsamen Marktanteil in den USA von etwa 15 und weltweit auf 11,4 Prozent nach Stückzahlen. Damit wäre das fusionierte Unternehmen in den USA wie global größter PC- Hersteller. Nach dem Umsatz, den PB- und NEC-Manager für das Gemeinschaftsunternehmen auf etwa acht Milliarden Dollar prognostizieren, wäre PB-NEC weltweit hinter Compaq, IBM und Apple die Nummer vier.

Ob die Unternehmenszusammenführung PB-NEC Vorteile beim Einkauf von Systemkomponenten bringt, wird sich zeigen. Auch ist unklar, ob die völlig unterschiedlichen Firmenkulturen von Packard Bell und NEC nicht zu erheblichen Reibungsverlusten führen. Ferner haben sich die beteiligten Unternehmen noch nicht zu den sich überschneidenden Produktlinien im PC- und Notebook-Segment geäußert.

Nicht ganz nachvollziehbar ist es darüber hinaus, wenn Marktexperten diese Fusion als weiteren Beleg für einen angeblich in der PC-Industrie herrschenden Trend zur Zusammenlegung von Kräften sehen, um im knallharten Konkurrenzkampf zu überleben.

Keines der führenden PC-Unternehmen legte seine Aktivitäten mit einem Konkurrenten zusammen. Zwar kaufte sich die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) in diesem Jahr sowohl bei Escom (12,5 Prozent) als auch bei der Vobis Microcomputer AG (zehn Prozent) ein, um - wie SNI-Vorstandssprecher Gerhard Schulmeyer erklärte - unter anderem bessere Konditionen beim Komponentenkauf aushandeln zu können. Mit dieser Strategie stehen die bayrischen PC-Bauer aus Augsburg aber allein auf weiter Flur.

Deutlich ist hingegen, daß sich die Großen der DV-Szene, die sich bislang auf ihre angestammten Stärken bei Großrechnern und Midrange-Systemen verließen, auch im PC-Bereich nicht mehr die Show stehlen lassen wollen: IBM, HP, SNI und DEC gehen dieses Marktsegment mittlerweile mit erheblichen entwicklungs-, werbe- und vertriebstechnischen Anstrengungen an. Im Kreis der finanzstarken Unternehmen kann eigentlich nur noch Compaq als genuines PC-Unternehmen mithalten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Der Durchmarsch von SNI und HP in ihren Heimatmärkten Deutschland und USA ist unaufhaltsam. SNI, bis vor drei Jahren hierzulande im PC-Geschäft praktisch nicht sichtbar, liegt 1995 klar auf Rang eins, HP verzeichnet im abgelaufenen Jahr jenseits des großen Teichs ein Stückzahlenwachstum von 127 Prozent. In Europa stammt nach Dataquest-Zahlen mittlerweile jeder dritte verkaufte PC von einem der vier Schwergewichte Compaq, IBM, SNI oder HP. Mit ICL/Fujitsu hat darüber hinaus ein weiteres Schwergewicht ehrgeizige PC- Strategiepläne angekündigt.