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24.02.1978

Packet-Switching:Was wird DPV kosten?

Der "Workshop Datenfernverarbeitung" des VDRZ-Verband Deutscher Rechenzentren am 17.2. im Frankfurter Steigenberger Airport-Hotel (siehe Seite 1) durfte sicherlich ein Meilenstein in der Entwicklung der Service-Branche gewesen sein. Wichtigste Erkenntnis: Das Anbieten von Dialog-Diensten wird für die Rechenzentren lebensnotwendig sein. Was aber tun, wenn man zum Überleben einen Partner braucht, - in diesem Fall die Bundespost mit ihrem Leitungsmonopol?

Fasziniert, ja gutgläubig euphorisch lauschten Vertreter von 33 der etwa 100 VDRZ- Mitgliedsfirmen den Ausführungen von Postdirektor Friedhelm Hillebrand über den zukünftigen "Daten-Paket-Vermittlungsdienst (DPV) der Bundespost - als Packet -Switching-Dialog-Verfahren für 1979/80 angekündigt. Ob aber angesichts des ständigen Preisverfalls und der zunehmenden Software-Verfügbarkeit bei Kleinrechnern, die immer mehr Service-RZ-Kunden zum Abspringen, zum nach wie vor Prestige-fördernden eigenen Computer verleiten, nunmehr Rettung für die langfristig Existenzbedrohten Dienstleistungs-Rechenzentren als deus ex machina durch das Postministerium kommt, ist noch zweifelhaft, denn bisher ist über die künftigen DPV-Gebühren eher Nachteiliges beschlossen.

Sofortige Verfügbarkeit per Dialog

Der bisherige Wettbewerbsvorteil des Service-Rechenzentrums war das Argument, zwar könnten mittlere und kleinere Unternehmen-bei entsprechenden Datenvolumen-auch mit Fakturierautomaten und Klein-MDT-Anlagen im Hause abrechnen, aber für hochwertige Auswertungen (Chefzahlen!) bedürfe es Programme, die nur auf größeren Systemen gefahren werden konnen (Firmen mit dem noch geringen Datenvolumen wandern ohnehin zunehmend per Steuerberater-Rat zur Datev ab oder landen bei Taylorix etc.) Mittlerweile aber sind solche "Großen Systeme" so preiswert daß sie sich immer häufiger mit den Rechnungen der Dienstleiter messen können. Wenn nicht - immerhin werden ja auch die Hardware-Kosten der Service-Rechenzentren geringer - ; fechtfertigt die sofortige Verfügbarkeit der Rechenergebnisse eventuelle Mehrkosten des Computers im eigenen Haus.

Um ihre Kunden zu halten, müssen auch die Anbieter von Datenverarbeitung außer Haus sofortige Verfügbarkeit der Rechenzentrumsleistung anbieten können. Das eben geht nur per Dialog über Strecken. Das eben war bisher zu teuer.

Auch im Salon 8 der Steigenberger Nobelherberge fiel erneut die Zahl "7" -Aufschrei darüber, daß DFÜ hierzulande siebenmal so teuer sein soll wie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die "7" ist ungerecht-dafür muß man schon einen seltenen Einzelfall ganz bestimmter Konditionen vergleichen. Aber unstrittig ist daß Datenfernübertragung in der Bundesrepublik weitaus teurer als in den meisten Industrienationen. Kein Wunder, denn anderswo wird heute bereits Packet-Switching genutzt. Und bekanntlich ist es viel billiger, das Datenvolumen mehrerer Benutzer über den gleichen Draht zu schicken, der bei Standleitung oder Wählleitung ebenfalls bestenfalls duplex genannt wird.

Fortschritt für wen?

Um sehr viele Jahre später wird nun der DPV Packet-Switching auch hierzulande eingeführt werden. Aber auf dem VDRZ-Workshop war ex officio zu vernehmen: Für den neuen Dienst - wieso Dienst, wo dies doch vor allem eine verbesserte Technik seitens des "Carriers" (Bundespost) ist? - wird das "Kostengefüge bestehender DFÜ-Dienste zu berücksichtigen sein"! Das kann doch nur heißen: Abgesehen vom Vorteil hinsichtlich der Kompatibilität (X-25-Schnittstelle) sollen die DPV-Preise sich an den HfD-Datex-Telex -Gebühren orientieren und bestehende Dienste nicht gefährden. Damit bliebe aber alles beim alten.

Kein Grund also zur Euphorie. Gerade die Service-Rechenzentren - aber nicht nur sie - sollten ihren ganzen Einfluß nutzen, um massiv zu intervenieren, wenn das Monopol der Bundespost verhindern sollte daß technischer Fortschritt (ohnehin reichlich verspätet eingeführt) nicht der Wirtschaft zugute kommt.