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26.11.1976 - 

Textverarbeitung beim Hessischen Landtag:

Padelenstreit auf Band gespeichert

MÜNCHEN - Paragraph 88 der Geschäftsordnung des Hessischen Landtages legt fest, daß für jede Plenarsitzung des Landtages ein stenographischer Bericht angefertigt wird, der den Sitzungsverlauf möglichst wortgetreu wiedergibt. Die Berichte werden gedruckt und an alle 1 Abgeordneten und Mitglieder der Landesregierung verteilt. Jeder Redner erhält die Niederschrift seiner Rede zur Durchsicht und Vornahme etwaiger Korrekturen.

Für die Herstellung der Berichte gibt es im Hessischen Landtag einen "Stenographischen Dienst", der mit sechs Stenographen und sechs Schreibkräften besetzt ist. Während der Plenarsitzungen lösen sich die Stenographen alle zehn Minuten ab, diktieren den Sitzungsverlauf in ein Diktiergerät und lassen dann den Text schreiben.

Möglichst noch während des Sitzungsverlaufes wird der geschriebene Text von den jeweiligen Rednern korrekturgelesen. Änderungen werden manuell vorgenommen, wobei oftmals ganze Seiten neu geschrieben werden müssen. Nach Abschluß der Sitzung und abgeschlossener Überarbeitung der Texte kommen die dem Sitzungsverlauf entsprechend sortierten Texte in eine Druckerei zur Erstellung des Satzes. Dort wird der gesamte Text gesetzt, zum Korrekturlesen zurückgereicht, Korrekturen neu gesetzt und anschließend gedruckt.

Schnittstelle zum Dokumentationssystem

Diese Texte sollen nun im Rahmen des Aufbaus eines Landtags-Dokumentationssystems durch DV-Anlagen weiterverarbeitet und ausgewertet werden. Die Konsequenz wäre eine nochmalige manuelle Erfassung der Sitzungsprotokolle.

Das erschien dem Hessischen Landtag zu aufwendig. Man suchte einen Weg, die Datenerfassung in ein "Dokumentationssystem" einzubinden, um mit einmaliger Erfassung der Texte die restlichen Aufgabenstellungen weitestgehend erschlagen zu können.

Es galt, eine Maschine zu finden, die für Texterfassung, Textbearbeitung, Datenerfassung und programmgesteuerte Ausgabe gleichermaßen geeignet ist. Nach fast zweijähriger Prüfung aller marktgängigen Systeme entschied sich der Hessische Landtag für den Einsatz von Diehl-Textsystemen.

"Online-Protokolle"

Die Gesamtaufgabenstellung dabei war: Manuelle Erfassung der Protokolle, direkte Erstellung eines korrekturfähigen Originals für die entsprechenden Redner, Korrektur der erfaßten Protokolle auf dem Datenträger und auf dem Original direkt am Erfassungsplatz, Zusammenführung der Einzelerfassungen nach dem Sitzungsverlauf, gleichzeitiges Erstellen eines: Datenträgers (einlesbar in eine Photosetzanlage), Übermittlung der Sitzungsprotokolle nach bestimmten Programmkriterien über Datenfernübertragung an ein Rechenzentrum zum Zwecke der Dokumentation, Texterfassung und typographische Aufbereitung der HL-Drucksachen, automatische Verarbeitung von Anschriften, einfache Erstellung von Tabellen.

4784 Zeichen im Arbeitsspeicher

Dafür erforderliches TV-Equipment: Sechs Erfässungs- und Korrektursysteme Diehl SAT 806, bestehend aus einem Schreibwerk, einer Steuereinheit mit Arbeitsspeicher sowie einer Magnetbandeinheit zur Archivierung der aufgenommenen Texte, ferner eine Diehl-"Autotext"-Anlage zur Zusammenführung der Einzelprotokolle, zur Erzeugung eines Lochstreifens und zur Übertragung der Daten. Autotext-Komponenten: Schreibwerk, Steuerelektronik mit Arbeitsspeicher, Datenübertragungs-Schnittstelle, zwei Magnetbandeinheiten und ein Lochstreifenz-Stanzer (6/8-Kanal).

Die Erstschrift der auf Diktiergeräten festgehaltenen Sitzungstexte wird über das Diehl-System SAT 806 erfaßt und auf Magnetband archiviert. Alle notwendigen Textkorrekturen werden im Arbeitsspeicher (4784 Zeichen) vorgenommen. Vorteil: Das nochmalige Schreiben gleicher Texte entfällt.

Jedes über die Schreibmaschinentastatur eingegebene Zeichen wird im Arbeitsspeicher festgehalten: Während der Aufnahme des Textes können Tippfehler über die Rücktaste der Schreibmaschine korrigiert werden. Die einzelnen Textabschnitte werden durch sogenannte Selektionsnummern gekennzeichnet. Diese Nummern dienen als Suchkriterium zur Wiederauffindung der entsprechenden Textabschnitte auf dem Magnetband. Das Archivieren der Texte erfolgt durch Übertragung vom Arbeitsspeicher auf das Band.

Durch den inhaltsverzeichnis-orientierten Aufbau der Magnetbandkassette ist die Maschine in der Lage, sich den jeweils erforderlichen Platz für die Abstellung der Texte selbst zu suchen.

Einigendes Band

Die Sitzungstexte werden kontinuierlich auf die sechs Maschinen verteilt und deshalb nicht mehr dem Sitzungsverlauf entsprechend gespeichert. Um aus dieser Speicherung alle weiteren Arbeitsgänge ableiten zu können, ist es notwendig, die Einzelprotokolle, nach dem tatsächlichen Sitzungsverlauf geordnet, auf einem Datenträger zu "vereinigen". Sortiermerkmal ist die Erfassungszeit, sie bildet die ersten beiden Nummern der Selektionsnummer.

Die Magnetbändkassetten werden nach Abschluß aller Korrekturen dem zentral aufgestellten Diehl-System Autotext zugeführt. Dort wird der Inhalt der Kassetten unsortiert auf eine Kassette übertragen. In einem weiteren Dupliziergang kann eine Archivkassette erstellt werden, in der die Textabschnitte - nach dem tatsächlichen Sitzungsverlauf geordnet untergebracht sind.

Für die Aufbereitung der Texte für die Photosetzanlage ist die Eingabe eines übergeordneten Sonderzeichens in Verbindung mit einem einzigen Buchstaben notwendig, was die Ausgabe der gewünschten Codefolge durch die entsprechend programmierten Datenübertragungs-Schnittstelle veranlaßt.

Von dieser Archivkassette kann jede beliebige Ausgabe erfolgen. Der für die Photosetzanlage gewählte Datenträger ist gegenwärtig ein Lochstreifen. Über V24-Schnittstelle kann eine Direktverbindung mit einer EDV-Anlage zum Zwecke der Datenfernübertragung hergestellt werden.