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03.05.1996 - 

"Ein R/3 fuer Arme"

Pakt mit Microsoft soll der KHK das Mittelstandsgeschaeft sichern

Die Frankfurter KHK Software GmbH & Co. KG scheint sich von dem Fehlschlag ihrer "X-Line" erholt zu haben. Bereits Anfang 1995 hatte die hessische Softwareschmiede mit einer neuen kaufmaennischen Unix-Loesung versucht, ein "Mini-R/3" fuer Mittelstaendler aus dem Boden zu stampfen. Doch noch immer fehlen der Loesung Basisfunktionen fuer Anlagenbuchhaltung, Kostenrechnung sowie Personalabrechnung. Offiziell ist die X-Line noch nicht gestorben, doch mit einer Weiterentwicklung zu einem vollstaendigen Paket rechnet niemand so recht.

"Back to the roots", sprich Windows, lautet deshalb die Devise, mit der die PC-Entwickler ihre Praesenz bei mittelstaendischen Anwendern ausdehnen wollen. Damit das neue Projekt mit der Bezeichnung "Office-Line" nicht ein aehnliches Schicksal wie X-Line erleidet, hat sich KHK einen schwergewichtigen Partner ins Boot geholt: "Die Standards werden heute von Microsoft gesetzt; wenn ich diese Spezifikationen akzeptiere, bin ich voellig frei", beschreibt KHK-Prokurist Juergen Baier die Marschrichtung, ohne zu verhehlen, sich der Gates-Company und ihren Paradigmen unterworfen zu haben.

Microsoft wiederum hat gute Gruende, der KHK unter die Arme zu greifen. Denn anders als bisherige kaufmaennische KHK-Loesungen wie die "Classic-Line", "Euro-Line" oder "Branchen-Line", die direkt auf DOS beziehungsweise auf Windows aufsetzen, dienen Windows 95 und das zugehoerige Office-Paket als technologische Grundlage der Office-Line. Und Windows 95 leidet bekanntlich noch immer unter einer schwachen Nachfrage im Unternehmensbereich.

Die Office-Line wird den Kunden nach KHK-Vorstellungen sowohl als Entwicklungsplattform als auch als fertige Loesung fuer betriebswirtschaftliche Aufgaben dienen. Der technologische Aufbau sowie ein neues Lizenzierungsmodell soll es Entwicklern vertikaler Loesungen verschiedenster Branchen ermoeglichen, Module zu generieren und diese als eigene Erzeugnisse zu behandeln, ohne spaeter technologisch oder finanziell an KHK gebunden zu sein. "Wir bedienen damit den Lift-Wirt genauso wie einen klassischen Mittelstaendler", spezifiziert KHK-Manager Baier das Kundenspektrum.

Ziel von Office-Line sei es, kleineren Softwarehaeusern eine Basis zur Verfuegung zu stellen, um sich effektiver auf das Kerngeschaeft, die Entwicklung vertikaler Loesungen, konzentrieren zu koennen. Entwickler koennten Individualanwendungen erstellen und dabei das Angebot betriebswirtschaftlicher Module und Office-Produkte nutzen.

Mit der sogenannten "Free Licence" erhalten Vertriebspartner gegen eine einmalige Lizenzgebuehr fuer die erhaeltlichen Module das unbeschraenkte Weiterverkaufsrecht, erklaert der Prokurist. Beim Weiterverkauf fielen mit Ausnahme der Handbuecher keine zusaetzlichen Kosten an. Verschiedene Lizenz-Staffelungen beim Erwerb des Sourcecodes ermoeglichten es zudem, Dialoge, Berichte oder Datenmodelle des KHK-Pakets individuell weiterzuentwickeln.

Microsoft wiederum liefert das Know-how fuer die Vermarktung vertikaler Loesungen externer Entwickler. Zudem traegt der Softwareriese nach Angaben von Michael Hartmann, Product Marketing Manager Anwendungssoftware der deutschen Dependance, technische Unterstuetzung, Entwicklerkonferenzen und Trainings bei.

Noch muss die KHK im Wettrennen um den Mittelstand allerdings einige ernstzunehmende Huerden bewaeltigen: Aehnlich wie bei X-Line hapert es auch in puncto Office-Line an der fristgerechten Verfuegbarkeit saemtlicher Komponenten. So befinden sich zum jetzigen Zeitpunkt lediglich die Module Rechnungswesen und Anlagenbuchhaltung im Endstadium der Entwicklung. Die Komponenten Lohn und Gehalt sowie Auftragsabwicklung stehen laut Baier erst im Sommer dieses Jahres zur Verfuegung.

Zudem muss sich KHK gegen einen in diesem Marktsegment bereits etablierten Wettbewerber behaupten. Mit "ALX-Comet" liefert Siemens- Nixdorf (SNI) eine fertiggestellte objektorientierte Loesung aus. Seitens der SAP, die mit R/3 zunehmend auch um mittelstaendische Unternehmen buhlt, droht dagegen zumindest fuer Baier keine Gefahr: "Das System ist zu monolithisch", zweifelt er am Erfolg der Walldorfer. Im Gegensatz zur eigenen Loesung handele es sich bei R/3 um einen Koloss, der fuer kleinere Unternehmen schlichtweg nicht bezahlbar sei. Die derzeit groesste Gefahr hat die KHK offenbar schlichtweg uebersehen: Die schwache Akzeptanz von Windows 95 und Office 95 des Kompagnons Microsoft koennte Office- Line bereits fruehzeitig zum Scheitern verurteilen.

Technische Aspekte der Office-Line

-Die Office-Line basiert auf Microsofts Buerosuite Office 95.

-Die komplette Servicearchitektur der KHK-Loesung beruht auf Microsofts Schnittstellen-Technologie OLE, die die komponentenbasierte Entwicklung via OLE Custom Controls (Active-X) ermoeglicht und den Dokumentenaustausch mit Hilfe von Linking and Embedding erlaubt.

-Das betriebswirtschaftliche Paket verwendet ein streng relationales Datenmodell und hat im Gegensatz zu abstrakten Modellen keine feste Satzstruktur. Saemtliche Datenzugriffe ODBC- faehiger Anwendungen erfolgen ueber SQL. SQL-Befehle werden hierbei direkt vom SQL-Datenbank-Server und nicht vom Client ausgefuehrt. Die Client-Server-taugliche Version wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr 1996 verfuegbar sein.

-Kleinere Installationen nutzen die "Microsoft-Jet-Engine", eine Technologie, der auch die Datenbank "Access" zugrunde liegt und die den transparenten Zugriff auf Fremddaten aus Btrieve-, Dbase- oder ODBC-Datenquellen gewaehrleistet. Das Rechnungswesen der Office-Line nutzt die 16-Bit-Version von Access 2.0.