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13.06.2003 - 

Handspring wird übernommen

Palm rettet seine kleine Schwester

MÜNCHEN (CW) - PDA-Pionier Palm hat seiner "kleinen Schwester" Handspring das Leben gerettet. Bevor die Company bankrott gehen konnte, einigten sich die kalifornischen Unternehmen auf eine Übernahme.

Mit der Ankündigung, seinen Wettbewerber und Lizenznehmer Handspring komplett übernehmen zu wollen, hat PDA-Pionier Palm einen kleinen Coup gelandet. Beide Companies haben dieselben Gründer, nutzen das gleiche Betriebssystem und sind in einem IT-Segment tätig, das nach einer Boom-Phase inzwischen tief in der Depression steckt. Beide Firmen hätten nur schwer allein überleben können; gemeinsam wollen sie nun die Wirtschaftskrise überstehen.

Anfang Juli 1998 hatten sich Jeff Hawkins, Cheftechniker und Mitgründer von Palm, sowie Donna Dubinsky aufgemacht, ein eigenes Unternehmen aus der Taufe zu heben. Handspring sollte werden wie Palm, nur mit besseren Produkten und Strukturen. Knapp fünf Jahre später sind die PDA-Pioniere wieder an ihrem Ausgangspunkt angekommen.

Palm kauft ihre Firma für knapp 170 Millionen Dollar in Aktien; dies entsprach etwa dem Börsenwert des Unternehmens zum Zeitpunkt der Ankündigung. Der Deal selbst ist nicht unkompliziert, da drei Firmen daran beteiligt sind: Palm, die noch nicht eigenständige Firma Palmsource (die das Betriebssystem in Lizenz vergibt) sowie Handspring. Im Rahmen der Transaktion bekommen Handspring-Aktionäre eine "neue" Palm-Aktie für 11,11 eigene Anteilscheine. Palm-Investoren erhalten neue Palm- sowie neue Palmsource-Aktien, sobald die Companies rechtlich getrennt sind.

Die Trennung soll im Spätsommer erfolgen, eine finanzielle Bewertung von Palmsource ist gegenwärtig noch nicht möglich.

Anhand der Firmengeschichte von Palm lässt sich ein Bild der New Economy nachzeichnen: 1992 gegründet, ließ sich die ambitionierte Company Mitte der 90er Jahre vom Modem-Bauer US Robotics übernehmen, um schneller wachsen zu können. US Robotics wurde 1997 von 3Com gekauft, bevor Palm im März 2000 schließlich ausgegliedert und an die Börse gebracht wurde. Anfänglich hatte das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von etwa 50 Milliarden Dollar, nun sind es nur noch 450 Millionen Dollar.

Zum Zeitpunkt des Palm-Börsengangs hatten die Visionäre Hawkins und Dubinsky das Unternehmen bereits verlassen, da sie mit Handspring eigene, bessere Gadgets auf den Markt bringen wollten. Zumindest waren die "Visor"-Geräte anfänglich auch günstiger zu haben und boten zudem Extras und Farbdisplay, was sie zu einem Geheimtipp unter PDA-Anhhängern machten. Doch die Stimmung hielt nicht lange vor, denn angesichts der Wirtschaftskrise mussten sich Hawkins und Dubinsky vermehrt dem drögen Tagesgeschäft widmen - mit nur begrenztem Erfolg, wie sich zuletzt zeigte.

Im letzten abgeschlossenen Fiskalquartal setzte Handspring lediglich 30,8 Millionen Dollar um, nachdem sich die Einnahmen schon im gleichen Zeitraum des Vorjahres auf etwa 60 Millionen Dollar halbiert hatten. Dabei musste das Unternehmen zuletzt einen Nettoverlust von 90,4 Millionen Dollar verzeichnen - langsam ging der Firma das Geld aus. Der Deal sieht daher vor, dass Palm Handspring sofort eine Kreditlinie von zehn Millionen Dollar zur Verfügung stellt, wobei die Summe unter gewissen Voraussetzungen verdoppelt werden kann. Doch auch Palm hat unter der Flaute gelitten. Im letzten Berichtszeitraum setzte die Company 209 Millionen Dollar um und erwirtschaftete einen Nettoverlust von 172 Millionen Dollar.

Als Folge der Malaise wird Hawkins wieder Cheftechniker bei Palm, wie er es bei seinem Abgang war. Eine "Wiedervereinigung" erlebe er deswegen nicht, sagte er. Viel habe sich in den letzten fünf Jahren bei Palm geändert, und auch die Mitarbeiter sind zumeist ausgetauscht worden. Böses Blut soll es daher nicht geben, dafür aber auch keine Nostalgie. Dubinsky zieht in den Verwaltungsrat von Palm ein, hat also keine operative Macht mehr. Ed Colligan, Chief Operating Officer von Handspring, leitet künftig die neue Smartphone-Division von Palm, die sich auf das etablierte Handspring-Produkt "Treo" stützt; auf dieser Seite war Palm bislang blank.

Von der Fusion versprechen sich die Unternehmen Einsparungen von rund 25 Millionen Dollar pro Jahr - nicht zuletzt, weil 125 Mitarbeiter entlassen werden. Zudem soll es Synergieeffekte in der Produktion und Distribution geben. Strategisch profitieren beide voneinander: Handspring erhält Zugriff auf das Geld und die Vertriebswege, Palm kann sich über gewachsene Beziehungen zu Mobilfunkanbietern wie Sprint PCS, T-Mobile oder Cingular Wireless freuen und bekommt einen Fuß in den Smartphone-Markt. Im Gegensatz zum klassischen Handheld-Geschäft wächst dieser Bereich, wenn auch auf geringem Niveau. (ajf)