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08.11.2002 - 

Der CEO lässt sich seine Pläne zehn Milliarden Dollar kosten

Palmisano baut IBM zum IT-Versorger um

MÜNCHEN (CW) - In seiner ersten großen Grundsatzrede als IBM-CEO erläuterte Samuel Palmisano, wie sich der weltgrößte IT-Konzern im IT-Markt aufstellen wird. Zehn Milliarden Dollar will Big Blue in das Geschäftsfeld "Computing-on-Demand" investieren, das Kunden Rechenkapazität und Anwendungen als Dienstleistung nach Bedarf anbieten soll.

Die Industrie stehe am Beginn eines neuen Zeitalters, prognostizierte der seit März dieses Jahres amtierende IBM-Chef. "On-Demand-Computing" werde in Zukunft als Motto über allen Aktivitäten des weltweit größten IT-Anbieters stehen.

Damit beginne die nächste Phase der E-Business-Ära, erläuterte Palmisano. Nachdem die Anwender während der ersten E-Business-Runde den Zugriff auf Informationen via Web ermöglicht hätten, sei in der zweiten Phase die Integration interner Applikationen wie Enterprise-Resource-Planning-(ERP-) und Customer-Relationship-Management-(CRM-)Anwendungen gefolgt. Jetzt würden Unternehmen zunehmend die Grenzen ihres Geschäfts erweitern und Applikationen von Partnern und Kunden mit der eigenen IT verknüpfen. So könnten Firmen schneller und flexibler auf die Anforderungen des Marktes reagieren und außerdem Kosten einsparen. Palmisano betonte, dass die heutigen IT-Umgebungen nur unzureichend ausgelastet würden und der Großteil der Kapazität ungenutzt bleibe.

Eine Fluglinie, so sein Vergleich, könne es sich nicht leisten, 90 Prozent der Maschinen am Boden zu lassen. "Aber das ist die Situation, die wir heute oft in der IT vorfinden." Die Kunden müssten künftig verstärkt darauf achten, existierende Systeme innerhalb und außerhalb der Unternehmensgrenzen möglichst effizient zu nutzen. IBMs Rolle dabei werde die eines IT-Versorgungsunternehmens sein, das Anwender mit den nötigen Funktionen bediene, sei es Rechenleistung oder Applikationszugriff. Das Ganze soll ähnlich funktionieren wie die Versorgung mit Wasser oder Strom.

Damit die IBM-Visionen vom On-Demand-Computing Wirklichkeit werden, müsse die dahinter stehende Infrastruktur hoch integriert sowie virtualisiert sein, auf offenen Standards basieren und ohne viel Management autonom funktionieren, verlangte der IBM-Chef. Teile dieser Forderungen könne man heute bereits erfüllen. So sei Big Blue in der Lage, mit Hilfe seines Grid-Computing-Modells ein weltweit verzweigtes Computernetz aufzusetzen, in dem sich Ressourcen je nach Bedarf verteilen lassen. Mit dem "Eliza"-Projekt forciere IBM die Autonomic-Computing-Initiative, als deren Ergebnis IT-Systeme Probleme selbständig erkennen und beheben sollen.

Obwohl Palmisano in erster Linie einen Rahmen um bereits vorhandene Technologien steckte, reagierten die Analysten positiv auf seine Ausführungen. Viele erinnerten sich angesichts des jüngsten IBM-Auftritts an die Rede Louis Gerstners aus dem Jahr 1996, mit der dieser das E-Business-Zeitalter bei IBM einläutete. Im Grunde habe sein Nachfolger die damals verkündete Strategie jetzt nur ausgebaut.

Palmisano führt die Pläne von Louis Gerstner weiter

Das On-Demand-Modell werde von den Analysten bereits seit langer Zeit gefordert, erinnert Ted Schadler von Forrester Research. "IBM stützt das Ganze jetzt mit einem Geschäftsmodell." Palmisano habe nichts wirklich Neues diskutiert, kommentiert Jonathan Eunice, Analyst von Illuminata Inc. Aber es sei richtig gewesen, IBMs Stellung klar zu machen und die Kunden an das breite Portfolio des IT-Anbieters zu erinnern. IBM habe die größten Kapazitäten und die tiefsten Taschen, argumentiert auch Tom Bittman von Gartner: "Sie können es realisieren."

Bevor es so weit ist, werden jedoch noch einige Jahre vergehen und hohe Investitionen nötig sein. Auch Palmisano geht davon aus, dass der Übergang in das neue Zeitalter nicht schlagartig, sondern sukzessive kommen wird. Insgesamt wollen die Armonker in den nächsten Jahren zehn Milliarden Dollar in die Initiative investieren. Davon sollen rund zwei bis drei Milliarden Dollar jährlich in Firmenakquisitionen fließen. Der Rest werde in Forschung und Entwicklung sowie in das Marketing gesteckt.

Als Chef der On-Demand-Sparte ist Irving Wladavsky-Berger im Gespräch, der bislang als Vice President im Bereich der IBM Server Group die Fäden zog. Insider geben ihm die besten Chancen, da er bereits Initiativen wie das Grid- und Autonomic-Computing verantwortet.

Palmisano, der zum Jahreswechsel auch das Amt des IBM-Chairman von seinem Vorgänger Gerstner übernehmen wird, glaubt, mit seiner Ankündigung den richtigen Zeitpunkt getroffen zu haben. Die Weltwirtschaft zeige wieder interessante Signale, wonach die Talsohle der Krise wohl endgültig erreicht sei. Zwar habe der Technologiesektor besonders zu leiden gehabt, auf längere Sicht hätten Gespräche mit Kunden jedoch eine optimistische Grundtendenz ergeben. Deshalb seien die Wachstumsprognosen der Analysten von drei bis vier Prozent für das nächste Jahr durchaus realistisch. (ba)