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23.02.2001 - 

Gartner nimmt führende PDA-Betriebssysteme unter die Lupe

Palms Konkurrenz schließt auf

MÜNCHEN (CW) - Der Hype um Mobile Computing lässt auch den Markt für Handheld-PCs florieren. Parallel zum Tauziehen der Player im Hardwarebereich dürfte nach Einschätzung von Gartner künftig auch bei den PDA-Betriebssystemen mit verschärfter Konkurrenz zu rechnen sein.

Beliefen sich die weltweit ausgelieferten PDAs (Personal Digital Assistants) im Jahr 1999 noch auf 5,1 Millionen, wanderten nach Schätzungen der Gartner-Tochter Dataquest im vergangenen Jahr insgesamt rund neun Millionen Minirechner über die Ladentheke. Bis 2004 rechnen die Marktforscher mit einem globalen jährlichen Zuwachs um 45,8 Prozent (33,7 Millionen ausgelieferte Systeme).

Nach Angaben von Gartner basiert das Gros (88 Prozent) der im vergangenen Jahr veräußerten Kleinrechner - trotz zart keimender Produkte von RT-(Real-Time-)OS-Anbietern - nach wie vor auf den PDA-Plattformen Palm OS, Windows CE und Symbians Epoc. Im Rahmen einer aktuellen Studie haben die Analysten des US-Marktforschungsinstituts die drei mobilen Betriebssysteme auf ihre Stärken und Schwächen hin unter die Lupe genommen.

Gartner definiert OS-Anforderungen

Zu den wichtigsten Kriterien, die ein Betriebssystem für ultraportable Geräte nach Ansicht der Gartner-Auguren zu erfüllen hat, gehört deren Genügsamkeit in Sachen Speicherbedarf. Gleichzeitig sollten sie sich mit Rücksicht auf die wertvolle Batterielaufzeit durch minimale Leistungsaufnahme auszeichnen. Als unentbehrliche OS-Zutaten erachten die US-Marktforscher zudem das Task-Switching sowie Echtzeitfähigkeit, um künftige Telefonfunktionen unterstützen zu können. Ein weiteres Muss ist nach Ansicht der Auguren die Unterstützung jeglicher Art von Sprach- und Datenkommunikation sowie der aufkommenden Wireless-Standards. In Sachen Synchronisation sollte der Datenabgleich sowohl über den PC als auch Server-basiert möglich sein.

Aktuelle Nummer eins in der Zwergenarena ist nach wie vor Palm OS, die Plattform von PDA-Pionier Palm, der nach Angaben von Gartner einen Marktanteil von 63 Prozent für sich beansprucht. Das Palm OS basiert auf dem Multithread-32-Bit-Betriebsystem "AMX" von Kadak, umfasst jedoch lediglich ein Singlethread-Subset der Plattform, das auf die bislang für PDAs übliche, schrittweise Ausführung von Anwendungen ausgelegt ist.

Ein Plus für das Palm-Betriebssystem ist nach Ansicht der Gartner-Experten der Preis der vom Ansatz her auf Basisfunktionen reduzierten Palm-Devices: So sind einige Modelle um bis zu 200 Dollar günstiger als das Gros der Geräte auf Basis von Microsofts Pocket PC. Auch die spezielle Konzeption des OS für so genannte Tablet-PDAs erachten die Auguren als bedeutenden Marktvorteil: Nach Einschätzung der Analysten wird dieser für Palm-Devices typische Formfaktor, der derzeit immerhin 82 Prozent des Gesamtmarkts ausmacht, vor den etwas größeren Handheld-PCs bis zum Jahr 2004 weiterhin dominieren. Dank der langjährigen Marktdominanz seiner Plattform verfügt der PDA-Anbieter über eine treue Anwendergefolgschaft sowie eine beachtliche Lizenznehmerzahl - darunter IBM, Qalcomm, Handspring, TRG, Sony und Nokia. Als Marktführer kann der PDA-Spezialist zudem mit einem Heer von über 100 000 Entwicklern aufwarten, die für ein reichhaltiges Angebot an Anwendungen für das Palm OS sorgen - nach Ansicht der Analysten steht und fällt der Erfolg eines PDA-Betriebssystems nicht zuletzt mit der Quantität und der Qualität der Anwendungen.

Als Stolperstein für Platzhirsch Palm erachten die Gartner-Analysten jedoch dessen wachsende Konkurrenz im Hardwaregeschäft. Denn obwohl sich der Hersteller mittelfristig als Software-Company positionieren will, macht der über den Absatz der Palm-Devices erzielte Umsatz noch immer das Gros seiner Gesamteinnahmen aus. Aufgrund der Popularität seiner Plattform hat der PDA-Spezialist jedoch mit zunehmendem Wettbewerb von Seiten der Hardwareanbieter zu rechnen.

Auch durch die Beschränkung auf den Einsatz der Motorola-CPUs "Dragonball 68328" und "68EZ328" könnte Palm nach Meinung der Gartner-Auguren in Bedrängnis geraten: So warten OEMs sehnsüchtig auf höhere Prozessorleistung - in ihrer Ungeduld sollen einige bereits in Erwägung ziehen, die populäre Palm-Oberfläche auf anderen Betriebssystemen wie Epoc zu emulieren. Version 4 des Palm OS, zu deren Highlights die Unterstützung neuer Prozessoren zählt, wurde laut Gartner bereits im vergangenen Herbst erwartet. Angesichts der verzögerten Markteinführung vermuten die Analysten, dass sich die geplante Migration von den alternden Motorola-CPUs auf ARM-Prozessoren erheblich schwieriger gestaltet als zunächst angenommen.

Microsofts Windows CE, im Prinzip die eingedampfte Mobilvariante des Desktop-Betriebssystems der Gates-Company, läuft laut Gartner derzeit in 20 Prozent der Geräte. Als großen Marktvorteil für Microsoft werten die Analysten, dass das Unternehmen im Kleinrechnergeschäft - anders als Rivale Palm - lediglich als Betriebssystem-Anbieter mitspielt und sich demnach ohne strategisches Zaudern auf das Akquirieren neuer Lizenznehmer konzentrieren kann. Auch in Sachen Prozessorunterstützung hat das MS-Betriebssystem mehr Spielraum: So erlaubt Windows CE den Einsatz sowohl von Intel- als auch Non-Intel-CPUs - mit Taktraten bis zu 206 Megahertz.

Dafür hat das Microsoft-OS nach Ansicht von Gartner mit anderen Problemen zu kämpfen: Neben den im Vergleich zu Palm-Geräten ungleich höheren Preisen für Pocket PCs werten die US-Marktforscher auch die multimediale Ausrichtung von Windows CE als nicht unproblematisch. So habe die Gates-Company in ihrer Konzentration auf Farbe, Multimedia und das vertraute Windows-Look-and-Feel in kritischen Bereichen wie Bedienkomfort, Batterielaufzeit sowie Task-Switching zunächst zu viele Abstriche gemacht.

Windows CE macht Fortschritte

Dementsprechend hat das Betriebsystem aufgrund des ungeheuren Ressourcenhungers seiner Applikationen im PDA-Bereich bislang nur schwer Fuß fassen können. Das durch seine bisherige Komplexität für Minicomputer nur schwer verdauliche Windows CE soll in der neuen, deutlich abgespeckten Version 3.0 jedoch einige der genannten Schwächen überwunden haben. Auch bezüglich der Echtzeitfähigkeit des Betriebssystems hat Microsoft Fortschritte erzielt. In der Smartphone-Arena allerdings, so die Auguren, habe sich die Gates-Company erst noch zu beweisen.

Für Epoc, die Plattform des von Psion, Ericsson, Nokia und Motorola gegründeten Joint Ventures Symbian, haben die Gartner-Auguren einen Marktanteil von derzeit fünf Prozent ermittelt. Die Chancen des Multitasking-fähigen, auf Kommunikation ausgelegten 32-Bit-Betriebssystems, das aufgrund seiner Echtzeitfähigkeit Sprach- und Datenapplikationen über Drahtlosnetze unterstützt, liegen nach Ansicht von Gartner insbesondere im Engagement der Konsortiumsmitglieder, die zu den wichtigsten Playern im Markt für Mobiltelefone gehören.

Als Hemmschuh sieht Gartner jedoch das außerhalb Europas noch kaum vorhandene Markenbewusstsein für die Symbian-Plattform sowie die noch sehr eingeschränkte Verfügbarkeit Epoc-basierter Produkte. Das einzige derzeit angekündigte Erzeugnis mit der jüngsten Epoc-Version 6.0 ist das Nokia 9210. Weitere Geräte auf der Basis des neuen Release sollen im ersten Quartal auf den Markt kommen.

Bereits Ende 2002 rechnen die Gartner-Analysten im PDA-Marktgefüge mit einer deutlichen Verschiebung: Demnach wird Palms Anteil am PDA-OS-Kuchen auf 49 Prozent schrumpfen, während Microsoft 30 Prozent des Marktes besetzen soll. Symbian prognostiziert Gartner einen Marktanteil von 15 Prozent.

Abb: Der globale PDA-Markt

Im Marktgefüge für PDA-Betriebssysteme rechnen die Analysten mit einer baldigen Verschiebung. (Quelle: Gartner Dataquest)