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Datex-P-Technologie-Förderung des BMFT ein Skandal?


24.10.1980 - 

Papa auf dem Weg ins Grab

Vor genau einem Jahr wurde an dieser Stelle schon einmal geschrieben, daß unter dem Code "Papa" ein Ding gedreht wird. Die Aufwand/Nutzen-Relation, dieses altväterlichen "Dings" hätte bereits damals den Bundesminister für Forschung und Technologie zum Abbrechen des Vorhabens veranlassen müssen. Die Millionen sind aber weiter überwiesen worden. Wenn das auch jetzt noch weiter geschieht, wird der Fall zum Skandal.

Man erinnert sich: Papa ist ein Entwicklungsprojekt, das dem paketvermittelnden Datex-P-Dienst der Deutschen Bundespost die Fähigkeit maschinellen Datentransportes zwischen Computern aller Größen und Hersteller verleihen soll. Ich habe seinerzeit kritisiert, daß die Papa-Konzeption schon konzeptionell total veraltet und im Ergebnis unwirtschaftlich war, weil die Maschinen der Netzbenutzer über physisch selbständige Adaptionsrechner mit dem Netz der Post verbunden werden sollten.

Das ist nicht nur unsinnig, weil es minimale Bruchteile eines solchen Adaptionsrechners kostet, die Anpassung innerhalb der anzuschließenden Maschinen softwaremäßig oder in ROMs zu realisieren, sondern auch deswegen, weil eine solche Adaption nur unwesentlich geringeren Umfangs in den anzuschließenden Geräten auch dann erforderlich ist, wenn es den überflüssigen Zwischenrechner gibt.

Niemand, der schreibt, sollte sich Illusionen über die Wirksamkeit seiner

Veröffentlichungen machen. Trotzdem konnte der Berichterstatter damals davon ausgehen, daß eine staatliche Behörde sinnloses Ausgeben von Geld anderer Leute beendet, wenn die Sinnlosigkeit der Verwendung so sehr auf der Hand liegt wie hier. Es geschah aber nichts - wie gesagt - die Millionen rollen weiter.

Inzwischen sind weitere Umstände bekannt geworden, die neben dem Eigenschaftswort "sinnlos" noch zusätzlich das Wort "rechtswidrig" zur Beschreibung des Projektes Papa in die Feder drängen. Zu der substantiell wesentlichen gesetzlichen Voraussetzung der Förderungswürdigkeit eines Projekts gehört die Erstmaligkeit der durch die Förderung zu entwickelnden Technologie und deutsche Begünstigte der Förderung. Bei Papa fehlt es an beidem:

1. Die Post hat die Kommunikationsrechner, mit denen sie innerhalb des Datex-P-Netzes das Packet-switching und den Datenfluß steuert, in Kanada gekauft, wo Maschinen dieser Art schon im Zeitpunkt der Implementierungsbeschlüsse von Datex-P in einem paketvermittelnden Dienst eingesetzt waren. Mit den Maschinen wurde auch die erforderliche Betriebssoftware gekauft, Voraussetzung für die kurze Realisierungszeit von Datex-P. Die Software ist hier in Deutschland nur angepaßt und, wie ich glaube, erweitert worden.

In Kanada nun wird der Dienst auch über einen Anpassungsrechner angeboten. Wenn man die Anpassung partout über einen eigenen Rechner wollte, warum wurde nicht wenigstens aus Kanada mit übernommen, was dort schon vorhanden war, und für die deutschen Verhältnisse ergänzt? Technologisch neu jedenfalls war nichts von dem, was Papa im Zeitpunkt der konzeptionellen Phase können sollte.

Nun könnte ein Prüfer des Bundesrechnungshofes vielleicht denken, die Beteiligten hätten von dem kanadischen Gerät nichts gewußt, als sie die Aufträge vergaben, mit denen endgültig die Verpflichtung zu den Geldausgaben für Papa eingegangen wurde. Nichts da: Die Kanadier haben sich über einen deutschen, qualifizierten Computerhändler in Landshut intensiv an den Projektausschreibungen beteiligt, ganz abgesehen davon, daß die Post, die an den Verhandlungen über Papa von vornherein beteiligt war, von dem kanadischen Gerät gewußt haben muß.

Viele schöne Sachen zu machen

Aber natürlich: Wäre der deutsche Importeur zum Zuge gebracht worden, hätte es nicht so viele schöne Sachen zu machen gegeben.

2. Nach dem offiziellen Start des Datex-P-Dienstes zum 1. Juli 1980 wollte man seinen Augen nicht trauen, falls einem zum erstenmal eine offizielle Unterlage darüber in die Hände fiel.

Datex-P ist nämlich keineswegs eine homogene Dienstleistung mit einer und nur einer Schnittstelle. Datex-P wird in vier Versionen angeboten von denen zwei in der Natur der Sache liegen: Datex-P10 als Grundversion für schnelle Datenübertragungen und Datex-P20 als Grundversion für Datenübertragungen mit einfacheren Spezifikationen, offensichtlich insbesondere für Bildschirmtext.

Die Version Datex-P32 aber dient dem Anschluß von "lBM-3270-kompatiblen Datenstationen und Datenverarbeitungsanlagen (DVA) (Einzelterminal- und Clusteranschlüssen)" und Datex-P33 den "Direktanschlüssen von Siemens-8160-kompatiblen Datenstationen und Datenverarbeitungsanlagen (DVA) (Einzelterminal- und Terminalclusteranschlüssen)". Was in Anführungszeichen steht, ist aus einer offiziellen Postunterlage buchstabengetreu abgeschrieben.

Vorübergehend von IBM und Siemens unabhängig

Die Post hat also, um ihren Dienst marktfähig zu machen, die (neben dem Lösungsvorschlag des Autors) vorübergehend wirtschaftlich mögliche Anpassungslösung realisiert, in ihrem Netz nämlich. Das ist vernünftig, weil sie sich damit zumindest vorübergehend von dem Verhalten von IBM und Siemens unabhängig gemacht hat. Allerdings kann die Lösung nur vorübergehend sein, weil die Post nicht für immer Modellwechseln der Hersteller mit ihrem Netz folgen kann, genausowenig wie Papa mit seinen Anpassungsrechnern.

Aber zumindest für den Augenblick hat die Post das Attribut der Freizügigkeit für rund 90 Prozent des marktgängigen Datenübertragungsgeräts hergestellt, weil außer IBM und Siemens selbst so gut wie alle Anbieter von DFÜ-Geräten die Prozeduren von 3270 oder 8160 oder beide soft- oder hardwaremäßig implementiert haben. Übrig bleiben als erwähnenswerte Marktteilnehmer Honeywell Bull und Univac, wobei es aber die Gesetzeslage nicht zuläßt, daß ausländische Firmen Hauptnutznießer der Technologieförderung werden.

Bestattungsunternehmer gesucht

Die Post dürfte allenfalls in der Größenordnung von einigen hunderttausend Mark für die 3270- und 8160-Kompatibilität von Datex-P aufgewandt haben, verglichen mit den 15 Millionen, die Papa mindestens auf seinem anderen Wege mit ins Grab nehmen wird. Wenn das Unding nicht bald einen Bestattungsuntemehmer findet, kann es noch viel mehr werden. - In den ersten Tests auf einer fest geschalteten Strecke, also keineswegs über das virtuelle Netz, haben sich für einfache Übertragungen Antwortzeiten von um die 60 Sekunden ergeben. Gewiß, das wird verbessert werden, aber für wieviel Geld?

*Thomas Adenauer ist Professor an der Fachhochschule Rheinland-Pfalz, Abteilung Mainz II - Wirtschaftswissenschaften.