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02.07.1999 - 

IT in Versicherungen

Parion bändigt den DV-Wildwuchs

Nach dem Zusammenschluß der Gothaer mit den Berlin-Kölnischen Versicherungen (BKV) zum Parion-Konzern stand eine DV-Konsolidierung an. Mit der jetzt installierten Organisationsstruktur für die Konzern-IT folgt das Unternehmen der Vorgabe: Datenverarbeitung als Dienstleistung begreifen. Achim Born* berichtet.

Mit dem formellen Zusammengehen am 1. Juli 1997 allein war es nicht getan, daß sich die erhofften Synergieeffekte einstellen konnten. Die Arbeit begann vielmehr erst. Insbesondere die Konsolidierung der IT entpuppte sich als anspruchsvolle Aufgabe. Parion-Vorstandsmitglied Herbert Schmitz, dem diese Aufgabe oblag, verfügt hier inzwischen über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz. Denn seit August 1997 feilt der Manager an der IT-Strategie und den damit verbundenen Strukturfragen (siehe Interview auf Seite 51).

An der grundsätzlichen Ausrichtung der IT gab es dabei nie Zweifel. Punkte wie die Unterstützung neuer Geschäftsfelder (Flexibilität), Erreichen von Skaleneffekten (Standardisierung und Mandantenfähigkeit) und Offenheit für weitere Partner (Integration heterogener Systemlandschaften) lassen kaum Unterschiede zu den IT-Strategien anderer Großkonzerne erkennen. In dem gewählten Aufbau der IT-Organisation und der organisatorischen Umsetzung unterscheidet sich Parion aber sehr wohl von vergleichbaren Unternehmen.

Um die Ausgangslage im Juli 1997 war Schmitz nicht zu beneiden. Während die Gothaer schon seit 1994 die Datenverarbeitung in eine gemeinsam mit IBM gegründete Gesellschaft ausgelagert hatte, betrieb sie die BKV noch in Eigenregie. Zudem favorisierten die Unternehmen vor allem im Mainframe-Bereich unterschiedliche Plattformen.

Angesichts dieser beiden Alternativen wählte der Betriebswirt, der auch eine Ausbildung zum Programmierer und Systemanalytiker abgeschlossen hat, einen dritten Weg. Leitmotiv bei der neuen Organisationsgestaltung war der Servicegedanke. In den Grundfunktionen unterteilt er deshalb die Konzern-IT nach den anfallenden Aufgaben in die Bereiche IT-Governance, IT-Demand und IT-Supply.

Der IT-Governance ordnet Schmitz alle Aufgaben zu, die mit Strategie/Planung, Multi-Projekt-Management, Sourcing und Technologieauswahl verbunden sind. Als Konzernfunktion soll sie zentral das Tagesgeschäft der IT steuern und auf Kompatibilität mit der Konzernstrategie achten. In der IT-Demand findet sich der Anwenderbedarf - die Nachfrageseite - wieder. DV-Fachkoordinatoren und Betriebsorganisatoren müssen erkennen, wo effektivere Abläufe gefordert sind und wie sich Prozesse besser organisieren lassen. Deshalb müssen diese Mitarbeiter, koordiniert durch IT-Governance, auch funktional und räumlich den einzelnen Geschäftseinheiten zugeordnet sein. Die IT-Supply wiederum sorgt für den effizienten IT-Betrieb inklusive Systemintegration und Software-Entwicklung. Dabei kann sie prinzipiell als Cost/Profit-Center oder eigenständiger Provider agieren.

Klare Zuweisung der Aufgaben

Diese prinzipiellen Überlegungen hinter dem Aufbau einer Konzern-IT nutzte man bei Parion nun zur Organisation der IT-Aufgaben im eigenen Haus. Fast zu Beginn wurde 1998 die Position eines Chief Information Officer (CIO) eingerichtet, der mit seinem Team die mit der Datenverarbeitung verbundenen strategischen und betriebswirtschaftlichen Aufgaben übernimmt. Die von der Gothaer eingebrachte Allgemeine Versicherungs-Software GmbH (AVSG), einst als reine Software-Denkschmiede ohne direkten Bezug zum Tagesgeschäft betrieben, wird sich künftig mit den Demand-Aufgaben beschäftigen. Dazu gehört unter anderem, daß sie als Generalunternehmer für die Anwendungsentwicklung auftritt. Bei der Projektdurchführung arbeitet sie eng mit der Informationsverarbeitung und Dienstleistungen GmbH (IDG) zusammen. "Die AVSG entwickelt das Fachkonzept und beauftragt die IDG als Subunternehmer", erläutert Schmitz seine Überlegungen zum Ablauf zwischen den beiden Einheiten. Die IDG übernimmt wie schon zu Gothaer Zeiten - wenn auch un- ter anderen vertraglichen Vorzeichen - den Rechenzentrumsbetrieb, die Endbenutzerunterstützung und die Anwendungsentwicklung.

An den Besitzverhältnissen hat sich wenig geändert. Die 25 Mann starke AVSG gehört zu 51,9 Prozent dem Parion-Verbund. Die restlichen Anteile halten IBM, Mummert + Partner und Agens. An dem Outsourcing-Betrieb IDG besitzt weiterhin IBM das Gros der Anteile: 74,9 Prozent. Seit Beginn dieses Jahres arbeiten hier auch die 120 DV-Mitarbeiter der BKV, so daß der Personalstamm auf knapp 500 angewachsen ist. Hinzu kommen je nach Bedarf, das heißt projektbezogen, externe Mitarbeiter. So sind gegenwärtig 80 Mitarbeiter von IBM Minsk für die IDG mit der Lösung der Jahr-2000-Problematik beschäftigt.

Alle Konzerngesellschaften stützen sich auf eine gemeinsame technische Infrastruktur. Die vom CIO formulierten Methoden und Standards basieren auf weltweit anerkannten Standards. Zunehmend eine Schlüsselrolle spielt der Netzzugriff via Browser von jedem Arbeitsplatz aus auf die Server-Landschaft. "Wir müssen es unseren Maklern und dem selbständigen Außendienst so einfach wie möglich machen, auf die internen Anwendungen zuzugreifen. Da bietet sich der Browser als Standardzugang geradezu an", erklärt Schmitz. In den Fachabteilungen nutzt man aus Performancegründen weiterhin die NT-basierten Parion-Arbeitsplätze, die über Emulation und Middleware auch den Zugriff auf die Host-Anwendungen erlauben.

Das eigentliche Geld läßt sich laut Schmitz beim Zusammenlegen von IT-Abteilungen durch die Anwendungssoftware einsparen. Denn in vielen Bereichen, insbesondere bei Querschnittsfunktionen wie dem Rechnungswesen und der Bürokommunikation, aber auch bei Aufgaben wie Partner-Datenbanken oder einzelnen Versicherungslösungen sind Programme doppelt und dreifach vorhanden.

Während der schrittweisen Überführung auf ein Zielsystem kommen sowohl reine Migrationsverfahren, etwa die Nutzung eines Systems oder eines Systems plus Ergänzung, als auch Mischverfahren wie die Nutzung der besten Komponenten aus zwei Systemen und Neuentwicklung zum Einsatz.

"Für uns ist es besonders wichtig, daß wir für die einzelnen Unternehmensbereiche jeweils nur ein einheitliches Verarbeitungssystem, die DV-Spartenfabrik, haben", beschreibt Schmitz den strategischen Ansatz. Dies unterstreiche noch einmal den Servicecharakter der DV. Viele Projekte könne man vor dem Hintergrund des beitragsstarken Parion-Verbunds überhaupt erst angehen. Für eine kleinere Einheit, wie sie die BKV darstelle, seien sie schon aufgrund des Finanzbedarfs gar nicht in Betracht gekommen.

Mittels seiner Erfahrungen - Schmitz begleitete auch den Integrationsprozeß von Berliner Verein und Kölnischer zur BKV - entwickelte der Parion-Manager ein Konsolidierungskonzept für IT. Prozeßbeschreibungen, Maßnahmenkataloge, Checklisten etc. wurden in einer Art Vorgehensmodell dokumentiert.

Den "Beschleunigungseffekt" durch die entwickelte Integrationsmethodik veranschlagt Schmitz auf rund zwei Jahre. Ein Merger-Prozeß ließe sich hiermit von einer vier- bis fünfjährigen Dauer auf zwei bis drei Jahre reduzieren. Deshalb sieht er sich für künftige Partnerschaften auch gut gewappnet.

*Achim Born arbeitet als freier Journalist in Köln.