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31.10.1986 - 

Wang-Monokultur im Bundestag muß sich Multivendor-Umgebung anpassen:

Parlamentarier setzen bei ISDN auf Siemens

BONN - Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden über die Siemens-Anlage "Hicom" kommunizieren. Präsident Philipp Jenninger gab jetzt mit seiner Unterschrift den Start frei für die Pilotinstallation des Parlamentsinformationssystems Parlakom. Die ISDN-fähige Nebenstellenanlage soll Mittelpunkt einer "Multivendor-Konfiguration" werden, die PCs und Bürosysteme unterschiedlicher Hersteller integriert.

Die in der Branche mit Spannung entwertete Entscheidung, die im Hinblick auf die Endgeräte- von der Arbeitsgemeinschaft GMD/ADV-Orga und in Sachen Kommunikationsanlage von SCS vorbereitet worden war, wird als eindeutiges Bekenntnis der Politiker zu CCITT-Standards und letztlich OSI gewettet. Daß die Siemens-Anlage zum Zuge kam, sei allein auf ihre spezielle Eignung für die Belange der Abgeordneten, ihr günstiges Preis/Leistungs-Verhältnis und ihre im Vergleich mit den vier weiteren Angeboten überlegene Technik zurückzuführen, beeilen sich die an der Entscheidung wesentlich beteiligten Parlakom-Protagonisten zu versichern.

Die Münchner wurden verpflichtet, nach Vorliegen der endgültigen Spezifikationen für die ISDN-Schnittstelle So diese in Hicom zu installieren- eine Pflicht, die sich mit den Ankündigungen des Herstellers deckt.

Mit im Rennen waren Philips, Nixdorf, Telenorma und Wang/Mitel. Daß die Entscheidung auf das mit höchsten Entwicklungskosten und erheblichem Pomp in den Markt gebrachte Kommunikations-Produkt aus Bayern fiel, macht, wie eingeräumt wird, auch technologie-politisch Sinn; dies habe aber de factor keine Rolle bei der Bewertung gespielt, ebensowenig- wie die kostenlose Überlassung der Anlage für die 18 Monate der Pilotversuchsdauer.

Ergänzt werde die für ISDN auf rüstbare digitale Nebenstellenanlage durch einen Transdata-Vorrechner mit Konzentratorfunktion.

Die Empfehlungsliste der Arbeitsgemeinschaft GMD/ADV-Orga für die Endgeräte respektive PCs und Bürosysteme, die schließlich in den Büros der Abgeordneten im Bundeshaus und im jeweiligen Wahlkreis stehen sollen, klammert die ganz Großen und Kleinen in diesem Sektor aus. Auch für die Endgeräte gilt die Verpflichtung, die ISDN-Schnittstelle So zu implementieren, und zwar spatestens zwölf Monate, nachdem die Kommunikationsanlage entsprechend umgerüstet wurde.

Wegen unbefriedigender Informationen über die Kommunikationsbeziehungen sah sich die Ältestenratskommission noch nicht in der Lage weiterreichende Empfehlungen (als So) für diesen Bereich abzugeben.

Ausgewählt wurden nach einem Punktesystem vier PCs,

- der Nixdorf 8860/1 (8088 Punkte),

- der NCR PC 8 (7784 Punkte),

- der Siemens PC-D (7244 Punkte) sowie

- der Wang APC (6964 Punkte), und acht Bürosysteme,

- das Siemens Bürosystem 5800 mit der "Workstation" PC-D (7874 Punkte),

- das Bürosystem Wang VS 6 (7656 Punkte),

- DEC MicroVAX II (7478 Punkte),

- Nixdorf PSD mit dem 8860/4 (7448 Punkte),

- Siemens PC/MX2 (7290 Punkte),

- NCR Tower32 (7126Punkte),

- IBM /36 (6674 Punkte) und

- Bosch ISI 8028 (6543 Punkte).

Für alle Geräte und Konfigurationen liegen Zulassungen der Deutschen Bundespost vor. "Mischkommunikation" indes, wie sie für Hicom (und sonstige ISDN-fähige Anlagen) angekündigt ist, dürfte so schnell nicht zu realisieren sein. Vorerst ist in der Jeder-mit-jedem-Kommunikation nur Teletex problemlos möglich, bereits der Austausch von Text und Grafik auf Diskettenebene ist, wie von den Beratern zu hören war, mit Restriktionen belastet. Zugriffe auf Hosts sollen über den Transdata-Rechner realisiert werden.

Platzhirsch Wang, der vorerst noch durch seine installierte Basis dominiert (CDU/CSU-Fraktion, CDU-Partei, SPD-Partei und Grüne), muß seine Protokolle offenlegen, damit gegebenenfalls nachemuliert werden kann. Auch wenn die CDU kürzlich erst wieder ihr Wang-Equipment in der Größenordnung von 1,5 Millionen Mark, so die Wang-Leute, aufgestockt hat, dürfte es mit dieser Monokultur jetzt ein Ende haben. SPD (Fraktion) und FDP neigen aufgrund der zu erwartenden Schnittstellenproblematik (trotz Wang-Equipment bei der SPD-Parteiorganisation) zu Siemens-Lösungen, aber auch "Außenseitern" werden Chancen eingeräumt, und sei es nur mit Kleinstinstallationen im Wahlkreis Paderborn, Augsburg oder Böblingen.