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11.02.1994

Partnerschaften waeren zu risikoreich gewesen Hollaendische Spedition lagert gesamte Telekommunikation aus

Transport und Logistik sind eine der kommunikationsintensivsten

Branchen. Die reibungslose Koordination des Warenflusses und der Fahrzeug- und Schiffsflotten einer weltweit operierenden Spedition erfordert eine sehr komplexe Telekommunikationsstruktur. Moeglich ist der Aufbau eines eigenen Netzwerks, aber auch partielles oder komplettes Outsourcing an einen Carrier. Wim Fabries* schildert am Beispiel der Royal Nedlloyd Group aus Rotterdam eine umfassende Auslagerung.

Die Royal Nedlloyd Group (Nedlloyd) aus Rotterdam, eine der fuehrenden niederlaendischen Speditionen, hat 1992 ihre existierenden Telekommunikationseinrichtungen in einem umfassenden Outsourcing an die PTT Telecom Niederlande/Unisource ausgelagert.

Eine solche Entscheidung mit ihren weitreichenden und langfristigen Konsequenzen wird nicht von heute auf morgen gefaellt, sondern setzt eine genaue Analyse des bestehenden und vor allem des zukuenftigen Telekommunikationsbedarfs voraus. 1987/88 hat Nedlloyd mit dem Aufbau eines Kommunikationsnetzes zur Ueberwachung der weltweiten logistischen Aktivitaeten begonnen. Die Struktur des Netzwerkes hat Contel (Concern Telecommunication) eingerichtet und auch das Management uebernommen. Zusaetzlich wurden, vor allem im Rotterdamer Hauptquartier, Netzwerkdienste von Neddata bereitgestellt, einer Tochtergesellschaft, die damals fuer die technische Kommunikation zustaendig war.

Kostenauflistung war nicht moeglich

Durch eine Zusammenlegung der frueher von Contel und Neddata durchgefuehrten Aktivitaeten entstand 1990 die eigenstaendige Gesellschaft Nedlloyd Telecom. Sie sollte ein besseres Management der Telekommunikation gewaehrleisten. 1991 wurde das sogenannte Neptun-Netzwerk fuer Datenkommunikation und Telexnachrichten weltweit ausgedehnt mit Anschluessen in Europa, Nordamerika, Asien und Afrika. Damals gab es zirka 2500 Terminals in hundert Niederlassungen weltweit, die alle ueber ein Backbone-Netzwerk auf der Strecke Rotterdam-Atlanta-Hongkong-Singapur verbunden waren.

1992 schliesslich entschloss man sich bei Nedlloyd, alle Telekommunikationsaktivitaeten auszulagern. Das X.25-Netzwerk bestand zum damaligen Zeitpunkt aus zwanzig Hauptknotenpunkten, die insgesamt 120 Niederlassungen miteinander verbanden. In der dafuer zustaendigen Abteilung waren rund dreissig Mitarbeiter beschaeftigt.

Welche Gruende haben die Entscheidung bewirkt? Wim Veldhuyzen, Telekommunikations-Manager der Royal Nedlloyd Group, stellt vor allem die Kosten fuer eine kontinuierliche Modernisierung des eigenen Netzes heraus: "Unser Netzwerk konnte damals keine volumenorientierte Auflistung der Kosten liefern. Die Gesamtkosten wurden lediglich zwischen den verschiedenen Benutzern aufgeteilt. Eine Aufruestung des Netzes waere sehr kostenintensiv gewesen. Zudem erwarteten wir, dass Telex als Messaging-System in Zukunft an Bedeutung verlieren und durch andere Formen, bei spielsweise X.400-Message-Handling-Systeme, ersetzt werden wuerde. Auch dies waere mit grossen Investitionen verbunden gewesen." Diese Kosten waren im Hinblick auf die verhaeltnismaessig geringe Benutzerzahl innerhalb der Royal Nedlloyd Group zu hoch. Eine Oeffnung des Netzes fuer andere Unternehmen, die diese Ausgaben gerechtfertigt haette, war nur unter vollkommen veraenderte Rahmenbedingungen denkbar.

Mit Nedlloyd Telecom in den schnell wachsenden Markt fuer Telekommunikationsdienste einzusteigen kam nicht in Frage. Das Unternehmen war zu klein, um eine bedeutende Rolle in diesem Geschaeft zu spielen. Fuer eine Partnerschaft mit anderen Firmen waeren aufgrund der fast ausschliesslich in Haefen liegenden Standorte von Nedlloyd nur Konkurrenten in Frage gekommen. In einer Partnerschaft mit einem Carrier schliesslich haette man lediglich eine Rolle als Juniorpartner spielen koennen.

So entschied sich Nedlloyd fuer das komplette Outsourcing: den Verkauf des Netzwerkes und die zukuenftige Nutzung des Netzes und der Dienste eines Telekommunikations-Carriers.

Auch die Tatsache, dass Nedlloyd Telecom sich noch in der Aufbauphase befand und die gewuenschten Serviceleistungen ohnehin noch klarer haetten definiert werden muessen, beeinflusste die Entscheidung. Zudem hat sich die Telekommunikationslandschaft in den vergangenen Jahren drastisch veraendert. Wer heute flexible und zuverlaessige Telekommunikationsdienste will, muss nicht mehr in Equipment im eigenen Haus investieren.

Die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Carrier ermoeglicht flexiblere Reaktionen auf veraenderte Marktbedingungen als ein starr in das eigene Unternehmen eingebundenes Netzwerk. Die gemeinsame Nutzung eines Netzes durch mehrere Beteiligte kann fuer den einzelnen erhebliche Kosteneinsparungen bedeuten.

Bei der Wahl des Outsourcing-Partners entschied sich Nedlloyd fuer die niederlaendische PTT Telecom. Dabei spielte auch die bereits existierende Zusammenarbeit mit dem schwedischen Telekommunikationsanbieter Televerket eine Rolle, der mit dem niederlaendischen Carrier gerade die gemeinsame Tochtergesellschaft Unisource gruendete. Sie ist heute einer der fuehrenden europaeischen Anbieter von Telekommunikationsdiensten.

Das Netzwerk von Unisource bietet Nedlloyd die Voraussetzungen, die eine reibungslose Kommunikation ermoeglichen koennen. Es verfuegt ueber einen X.25- und einen asynchronen Zugang und bietet seinen Kunden feste Bandbreiten und IP-Routierung sowie LAT-Interfaces (LAT = Local Area Transport Protocol). Auch Printer-Sharing und synchrone Decnet/DDCMP und SDLC sind Standardmerkmale. Darueber hinaus ist die Integration von Sprache und Fax moeglich, ebenso wie EDI und E-Mail-Anwendungen.

In dem Vertrag war eine Uebergangszeit vereinbart worden, in der in enger Zusammenarbeit die zur Verfuegung zu stellenden Dienste und vom Dienstleister zu erfuellende Servicelevels klar definiert werden sollten. In diesem Zeitraum wurden die Dienste zu tatsaechlichen Kosten abgerechnet, angepasst an die aktuellen Marktpreise. Um zu garantieren, dass die fuer die Uebergangszeit und den regulaeren Betrieb vereinbarten Preise auch tatsaechlich Best- of-Market-Tarife darstellten, wurden die unabhaengigen Unternehmensberatungen Intercai und Logica mit der Pruefung der Preise beauftragt.

TK-Manager Veldhuyzen sieht als einen der kritischen Erfolgsfaktoren fuer das Gelingen eines Outsourcings die Unterstuetzung der Unternehmensfuehrung fuer das Projekt an. Dieses Commitment ist noetig, um eine eventuell aus persoenlichen Interessen des Telekommunikationspersonals resultierende mangelnde Zusammenarbeit mit dem Dienstleister auszuschliessen. Dazu ist es auch erforderlich, allen Mitarbeitern des Unternehmens - und dazu gehoert auch das in Niederlassungen taetige Personal - die Vorteile des Outsourcings klarzumachen. Wie ueberhaupt eine offene Informationspolitik sehr wichtig ist. Nach der Uebergangsphase muessen fruehzeitig die durch das Outsourcing erzielten Verbesserungen in puncto Kostenreduzierung und Effizienz publiziert werden.

Die Moeglichkeit, verschiedene logische Kommunikationsstroeme, das heisst Sprache und Daten, ueber den gleichen Kommunikationskanal zu transportieren und so Kosteneinsparungen zu erreichen, existiert beim Outsourcing nicht mehr. Denn ein Anbieter von Netzwerkdiensten verkauft natuerlich separate Dienste. Daher sollten Unternehmen bei den Verhandlungen ueber ein Outsourcing unbedingt beachten, dass die Preisentwicklung fuer das gesamte Outsourcing-Paket vergleichbar bleibt mit der Preisentwicklung fuer eine Inhouse-Loesung. Der Vertrag darf keine wichtigen Fragen ungeklaert lassen. Vor allem muss die Uebergangsphase, in der die Verantwortung fuer die Bereitstellung der Telekommunikationsdienste an den Dienstleister uebergeht, zeitlich begrenzt sein - was uebrigens im Interesse beider Parteien liegt. Idealerweise sollte das auslagernde Unternehmen in die Position kommen, aus verschiedenen Diensten die jeweils guenstigsten auswaehlen zu koennen.

Ein Punkt von essentieller Bedeutung ist die Schnittstelle zwischen der ausgelagerten Infrastruktur und den Teilen, die weiterhin intern verbleiben. Dabei geht es nicht nur um technische, sondern vor allem auch um personelle und organisatorische Konsequenzen. Ein Telekommunikations-Manager mit technischem Hintergrund und einer ausreichenden Kenntnis des outsourcenden Unternehmens oder jemand aus dem Unternehmen kommen fuer die Besetzung dieser "Schnittstellen-Position" in Frage. Die Wahl eines unabhaengigen Beraters, der das Unternehmen bei der Erstellung des Outsourcing-Plans beraet, erscheint hier am sinnvollsten, da er am unvoreingenommensten die fuer das Unternehmen optimale Loesung ermitteln kann. Das gesamte Projekt sollte gemeinsam von einem Vertreter des auslagernden Unternehmens und einem Vertreter des Telekommunikationsdienstleisters geleitet werden.

Seit mehr als einem Jahr hat Nedlloyd nun die Verantwortlichkeit fuer die weltweite Telekommunikation an Unisource uebergeben. Von Vertragsbeginn an liess sich eine erhebliche Reduzierung der Kosten erreichen, die der Spediteur fuer seine weltweite Telekommunikation aufwenden musste. Auch konnte Nedlloyd durch die Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister seine Telekommunikationsbeduerfnisse besser als zuvor spezifizieren.

Nedlloyd

Die Royal Nedlloyd Group ist ein 1970 von vier Reedereien gegruendetes Transportunternehmen mit Sitz in Rotterdam. Kerngeschaeft ist die weltweite Containerlogistik - hier ist das Unternehmen in 203 Laendern auf sechs Kontinenten aktiv - sowie der Transport, die Lagerung und die Distribution von Waren aller Art vor allem im europaeischen Raum. Daneben ist Nedlloyd auch im weltweiten Schwertransport, in der Oelfoerderung und im Lufttransport taetig.