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12.10.1984

PC-Abstinenz für Digital gesünder

Wir sollten Willi Kister, Geschäftsführer der Digital Equipment GmbH, München, eine Flasche "VA(X)T 82" in Rechnung stellen. Die Story zum geordneten Rückzug des Mini-Marktführers aus dem PC-Consumergeschäft über die Ladentheke (Seite 1: "Rainbow-Mikro von DEC nur noch handverlesen") hat die COMPUTERWOCHE gleich zweimal vorweggenommen.

Die CW-Chronik verzeichnet nämlich DEC-würdigkeiten wie Digitals Debüt im PC-Markt vor zweieinhalb Jahren. Da hätten wir DECs "Rainbow" über den grünen Klee loben können. Positiv für die Rainbow-Leistungsbilanz waren das ausgewogene Geräte-Design und die funktionelle Tastatur - auch heute noch keine Selbstverständlichkeiten, was die Benutzerfreundlichkeit von PC-Produkten betrifft.

Statt dessen fiel uns nichts Besseres ein, als "auf das mögliche Scheitern des im technisch-wissenschaftlichen Feld beheimateten Mini-Anbieters hinzuweisen". O-Ton CW: "Steht DECs Rainbow unter einem schlechten Stern?" (Ausgabe 20 vom 14. Mai 1982, Kolumne). Vermerkt ist auch der DEC-Stolperer im ersten Quartal des Geschäftsjahres 1983/84. "Mini-Champion DEC", hieß es in der CW vom 28. Oktober 1983, "durch PC-Flop angeschlagen."

Ganz nach dem Muster der Deutschen Bundespost will nun der nach IBM zweitgrößte Computerhersteller der Welt unrentable Vertriebswege stillegen. Das PC-Geschäft über den Einzelhandel belastet den DV-Kronprinzen. DEC muß abspecken. Vorgesehen ist neben der Trockenlegung von Vertriebskanälen auch eine Konzentration auf den vorhandenen PDP- und VAX-Kundenpark. Man will sich ja nicht gänzlich aus dem Mikro-Business zurückziehen, vielmehr nur noch da verkaufen, wo man sich stark wähnt.

Dieser Schritt ist durchaus positiv zu bewerten: Ein Hersteller versteckt sich nicht hinter einer Wand von Wischiwaschi-Argumenten, ist bereit, zuzugeben, daß das marketingintensive PC-Geschäft nicht seinen Erwartungen entspricht. Keine Schande. IBM geht es ja, trotz gegenteiliger Beteuerungen, nicht anders.

Wer im Gerangel um PC-Marktanteile ohne Blessuren bleiben will, verlangt das Unmögliche. Die Anforderungen sind hoch. Worauf kommt es an? Nach allgemeiner Auffassung sind folgende fünf Punkte wichtig:

- die Finanzkraft eines DV-Herstellers;

- eine durchgängige, breitgefächerte Produktpalette, die das gesamte PC-Einsatzspektrum abdeckt;

- eine Produktion, die auf hohe Kapazitäten ausgerichtet und von der Logistik her optimal abgestimmt ist;

- ein starkes, sachkundiges Management;

- eine straffe, aber doch flächendeckende Distribution.

Bei DEC haperte es an den Produktalternativen (Rainbow, Professional und DECmate - alles inkompatibel), ferner an der Distribution, wohl auch an der nötigen Management-Power. Daraus wurde jetzt die richtige Konsequenz gezogen.

Für das DEC-Wachstum dürfte die Selbstamputation langfristig indes Folgen haben. Eine Renaissance der Minis wird es nicht geben. Die Zeiten des PDP-Rausches sind ein für allemal vorbei. Also wird man sich mit bescheideneren Zuwachsraten zufriedengeben müssen.

Einziger Trost: Letztlich sind alle Mikro-Anbieter gefährdet. Keine Frage: Einige werden die Gewinner sein, darunter, keine Frage, die IBM. Aber etliche werden die Produktionslizenz zurückgeben. Viele werden gleichwohl überleben und weiterwursteln. Fragt sich nur - wie?