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27.09.1985 - 

DV Zentrale der Stadt Saarbrücken versorgt 204 Endgeräte:

PC-Anschluß erst ohne Datentransfer realisiert

SAARBRÜCKEN - Auf zentrale DV-Intelligenz vertraut die Stadt Saarbrücken in erster Linie. An zwei IBM-Mainframes sind hier insgesamt 204 Endgeräte einschließlich zwölf Arbeitsplatzrechner angeschlossen. Bisher allerdings ist erst der PC-Anschluß, nicht aber der Datentransfer realisiert.

Das Amt für Datenverarbeitung der Stadt Saarbrücken versorgt alle Ämter der Stadt mit Datenverarbeitungs-Ressourcen. Um ein Hauptrechnersystem gruppiert sich eine große Anzahl von Mikrocomputern und Terminals, die in den Ämtern in anderen Stadtteilen installiert sind und von denen aus über Standleitungen jederzeit auf die zentrale Intelligenz im Amt für Datenverarbeitung zugegriffen werden kann.

Das in kontinuierlichem Wachstum begriffene Netz besteht aus einer gemischten Hauptrechnerlandschaft sowie rund 180 Terminals und etwa 20 Personal Computern der Ericsson Information Systems GmbH. Die komplexen Softwarepakete wurden zum größten Teil vom Anwender selbst entwickelt und decken einen Großteil der Anforderungen der an das Netz angeschlossenen Ämter ab.

Vor zehn Jahren erste Lösungsansätze

Die technische Entwicklung in der Datenverarbeitung brachte vor rund zehn Jahren erstmals Lösungsansätze hervor, die den Einsatz moderner Computertechnik in öffentlichen Verwaltungen interessant werden ließen. Das aufkommende Angebot an integrierten Hardware- und Softwareprodukten fand in den einzelnen Bundesländern Niederschlag in unterschiedlichen Organisationsstrukturen: Während sich auf der einen Seite autonome, verwaltungsunabhängige privatrechtliche Unternehmen bildeten, die im Auftrag der Kommunen den einzelnen Stellen Computerleistung zur Verfügung stellten, entstanden auf der anderen Seite in den jeweiligen Verwaltungsapparat eingebundene Datenverarbeitungszentren. Dabei sind sowohl Strukturen anzutreffen, bei denen ein für Organisation zuständiges Amt auch die kommunalen Rechnerressourcen zur Verfügung stellt, als auch solche, bei denen die Betreuung der städtischen DV-Bedürfnisse einem allein zuständigen Amt obliegt.

Dies trifft für das Amt für Datenverarbeitung der Stadt Saarbrücken zu. Seine Aufgabe ist es, den Einsatz von Computertechnik in den Behörden der Stadt zu planen, die Geräte zu beschaffen und zu betreuen. Dabei fällt auch der gesamte Softwarebereich in die Zuständigkeit des DV-Amtes. Mit dem Amtsleiter Joachim Schiff arbeiten 32 Personen in vier Abteilungen an der komplexen Aufgabe, ein umfassendes Computersystem mit hoher Verfügbarkeit und den Anforderungen entsprechender Sicherheit aufzubauen. Der Amtsbereich "Verwaltung" ist neben den verwaltungstechnischen Arbeiten für die Belange der Textverarbeitung zuständig. Hier werden unter anderem Konzepte für die Einführung von computerunterstützter Textverarbeitung in andere Amter ausgearbeitet und es erfolgt die entsprechende Schulung der Mitarbeiter.

Große Bedeutung kommt einer weiteren Abteilung zu, die für die Verfahrensentwicklung und Programmierung zuständig ist. 15 Mitarbeiter sind hier mit der Erstellung von Software für

- das Einwohnerwesen mit Melde und Paßwesen, Sozialwesen, Statistik, Wahlen, Bestandsführung, Auskunft und Auswertungen

- das Personalwesen mit Gehaltsabrechnung, grafischer Datenverarbeitung

- das Finanzwesen mit Einnahmen und Vermögens- und Verwaltungshaushalt

- Sonderaufgaben wie Personal Computer-Software und Bildschirmtext (Btx)

beschäftigt. Für das Integrierte Kommunale Finanzwesen IKF, in dessen Zuständigkeit derzeit die Haushaltsüberwachung fällt und das ebenfalls in diesen Amtsbereich gehört, wurde das Softwarepaket vom Land Rheinland-Pfalz übernommen und angepaßt. Unter "Sonderaufgaben" fällt zum Beispiel auch die Übernahme der Fundbüros, der Waffenkartei oder der Lagerverwaltung zur Bearbeitung auf Personal Computern, die für diesen Zweck in der Ausstattung mit einer internen Speicherkapazität von 512 KB und einer Magneteplatte eingesetzt werden.

Von überall her auf den Host zugreifen

Für den technischen Betrieb des gesamten Computersystems ist eine weitere Abteilung zuständig. Hier wird die Bedienung des Rechenzentrums, die Arbeitsvorbereitung sowie die Datenfernverarbeitung mit den über das ganze Stadtgebiet verteilten Behörden geregelt. Systemprogrammierung ist Aufgabe der vierten Abteilung unter Joachim Schiff.

Das Interesse an einer Unterstützung der kommunalen Verwaltungsaufgaben durch Computertechnik kam bei der Stadt Saarbrücken Ende der 70er Jahre auf. Als Hauptrechner fiel die Entscheidung zugunsten einer IBM-Anlage, doch bei der Terminalwelt entschied man sich bereits 1980 für Ericsson-Produkte.

Bei der Auswahl der Terminalwelt für das Rechenzentrum des Amtes habe als wesentlichste Anforderung die Möglichkeit, von überall im Netz auf die Hostcomputer zugreifen zu können, im Mittelpunkt gestanden. Wie Joachim Schiff erklärte, sei neben der IBM-Kompatibilität auch die ergonomische Gestaltung der Bildschirmarbeitsplätze ein Entscheidungskriterium gewesen. Volle IBM-Kompatibilität und das Vorhandensein von Bildschirmtextsoftware, sei bei den erst sehr viel später angeschafften Personal Computern gefordert worden.

Kartenzeichnen entfällt dank grafischer DV

Heute wird im Rechenzentrum des Amtes für Datenverarbeitung ein IBM-System 4381, ein IBM-System 8150 (für die IKF) sowie - für die grafische Datenverarbeitung - ein Prime-Computer eingesetzt. Die grafische Datenverarbeitung hat zum Beispiel für die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken eine Bedeutung: Mit ihrer Hilfe wird das gesamte Leitungs- und Wegenetz der Stadt erfaßt, verwaltet, ausgewertet und auf Knopfdruck visualisiert und ausgegeben. Schiff: "Das entbindet uns von dem aufwendigen Kartenzeichnen".

Neben den drei Hauptrechnern sind kleinere lokale Steuersysteme im Einsatz, die unter anderem die Datenfernverarbeitung mit den entfernt installierten Terminals ermöglichen und den Zugriff der Terminals und Personal Computer auf die beiden IBM Hosts steuern. Insgesamt sind 142 Alfaskop-Bildschirme, 50 dezentral eingesetzte Drucker sowie zwölf Personal Computer von Ericsson vorhanden, die alle auf die beiden IBM-Host-Systeme zugreifen können. Welcher Rechner gerade angesprochen werden soll, kann der Mitarbeiter am Terminal durch Eingabe entsprechender Befehle selbst bestimmen.

Diese Flexibilität ermöglicht ein Dual-Host-System, das die Kommunikation zwischen zwei Computern und den Terminals erlaubt. Dabei können die Rechner mit unterschiedlichen Betriebssystemen und Kommunikationsprozeduren arbeiten.

Mit 27 Terminals, 14 Druckern und elf Personal Computern ist die Ausstattung des Amtes für Datenverarbeitung selbst so bemessen, daß "keiner im Amt keinen Bildschirm, aber viele zwei oder drei haben", wie Amtsleiter Schiff bemerkt. Über 13 Terminals verfügt das Personalamt des Hauptdezernats der Stadt, über fünf Terminals, drei Drucker und einen PC das Amt für Stadtentwicklung und Statistik, über 25 Bildschirme und vier Drucker die Stadtkasse und über zwölf Terminals und einen Drucker das Einwohner- und Meldeamt der Stadt Saarbrücken. Je ein Terminal mit Drucker wurde auch bei den Parteien des Stadtrats installiert. Die Summe der an das Gesamtsystem angeschlossenen Ericsson-Endgeräte liegt bei 204. Die Kommunikation zwischen den Ämtern und dem Rechenzentrum im Amt für Datenverarbeitung erfolgt über Standleitungen.

Der PC läßt sich mit Hilfe einer Adapterkarte, die in den Rechner eingefügt wird, als IBM-kompatibles Datenterminal nutzen und konnte daher in das Netz integriert werden. Diese Funktion wird durch eine Emulationssoftware unterstützt. Sie emuliert die IBM Datenterminals 3178 oder 3278 Modell 2. Das Saarbrückener Amt für Datenverarbeitung plant derzeit den Einsatz der "Terminal Funktion 2" mit dem Softwarepaket PC/TF2, mit dem zusätzlich das Terminal 3279 Modell 2A emuliert werden kann. Zur Zeit gebe es allerdings beim Hostzugriff vom Personal Computer aus noch Probleme, da die Adapterkarte von Filetransferprogrammen des Hostrechners nicht verstanden werde. Daher habe man bisher wohl den Anschluß der Personal Computer realisiert, nicht aber den Datentransfer.

"Das Netz ist in ständiger Erweiterung", erklärt Schiff die weitere Entwicklung der Automatisierung des Verwaltungsapparates. So sei damit zu rechnen, daß bis Ende 1985 noch 30 bis 40 Bildschirmeinheiten und jährlich rund zehn zusätzliche Personal Computer in das Netz einbezogen wurden. Als logische Folge müsse dann auch an einen Ausbau der Hauptrechnerkapazität gedacht werden. Derzeit werden in dem Rechenzentrum rund 3400 Transaktionen in der Stunde mit einer durchschnittlichen Antwortzeit von 3,5 Sekunden bearbeitet.

Datenschutz muß gewährleistet sein

Zugriff auf die Hardware haben zur Zeit 500 der insgesamt rund 3500 Angestellten der Stadt Saarbrücken. Welche der zentralen Dateien, in denen Daten aller Stadtbehörden gespeichert sind, die Mitarbeiter ansprechen können und welche Felder für sie lesbar oder gar interaktiv verfügbar sind, ist durch einen Paßwortschutz geregelt. Spätestens hier wird deutlich, wie hoch die Anforderungen an die technische und funktionale Sicherheit dieses Computersystems sein müssen, um nicht gleich den Geist von Big Brother über die Bildschirme huschen zu sehen - den datenschutzrechtlichen Bestimmungen in der Bundesrepublik also zu genügen.

Die Sicherung des gesamten Datenbestandes durch Kopien auf Magnetbänder erfolgt zweimal wöchentlich, wobei Kopien der Bänder sicherheitshalber auch außerhalb des Gebäudes noch einmal aufbewahrt werden.

Einer der Personal Computer im Amt für Datenverarbeitung wird mit einer Loewe-Editierstation zur Erstellung von Bildschirmtextseiten und für ihre Übergabe in den Btx-Computer der Deutschen Bundespost genutzt. Der PC verfügt für die Speicherung der Seiten über eine Magnetplatte mit einer Kapazität von zehn MB. Es besteht keine Verbindung zum Hauptrechnersystem des Amtes. Das überregionale Btx-Programm von 260 Seiten Umfang sowie das regionale Angebot, das einmal 1500 Seiten Informationen bieten soll, wird von einem Mitarbeiter betreut.

Während das überregionale Programm im wesentlichen Hinweise auf Veranstaltungen in Saarbrücken enthält, ist vorgesehen, im regionalen Angebot den Kontakt zwischen den Bürgern und der Stadtverwaltung zu fördern. So wird etwa an einen Rathausführer und an eine Beschreibung verschiedener Verwaltungsgänge gedacht. Darüber hinaus ist geplant, den Bürgern zum Beispiel das Anfordern bestimmter Formulare über Btx zu ermöglichen. Wie Joachim Schiff einräumt, ist jedoch der Mangel an öffentlichen Interessen am Btx-System ein echtes Hindernis für die Effizienz dieser Dienstleistung.

Mitarbeiter akzeptieren neue DV-Verfahren

Die Akzeptanz des umfassenden Computersystems in den einzelnen Behörden der Stadt Saarbrücken sei gemischt gewesen. "In der öffentlichen Verwaltung ist alles stärker abgefedert als in der freien Wirtschaft", erklärt Joachim Schiff und meint damit, daß Neuerungen - wenn überhaupt akzeptiert - in der Regel nicht zu Entlassungen oder sozialen Härten führen.

Allerdings habe man in Saarbrücken durch die enge Kooperation mit den Ämtern bei der Softwareentwicklung die Programme so gestalten können, daß eine Identifikation der Anwender mit den DV-Verfahren weitgehend vorhanden sei. Die Projektteams, bestehend aus Vertretern der einzelnen Behörden und des Amtes für Datenverarbeitung, hätten sich wöchentlich an einen Tisch gesetzt und alle Planungen gemeinsam getragen. Zudem habe man bei der Auswahl der Mitarbeiter in der Datenverarbeitung, die die Einführung der Computerarbeit in den Ämtern unterstützen sollten, große Sorgfalt walten lassen, da die "gegenseitige Motivation und die Kommunikation unter den Mitarbeitern sehr wichtig ist", wie Joachim Schiff betonte.

Die Einführung des Computersystems sei inzwischen so weit fortgeschritten, daß es in vielen Bereichen zu einem Anwendungsstau gekommen sei. Schiff: "Den können wir unter anderem dadurch auffangen, daß wir für die Personal Computer schnell Software entwickeln und die Rechner in solchen Verwaltungen ideal einsetzen können, in denen mit kleinen Datenbeständen gearbeitet wird, die anderen Ämtern nicht zur Verfügung gestellt werden müssen". Derzeit sind insgesamt 3000 bis 4000 Programme im Amt für Datenverarbeitung im Einsatz.

- Angelika Schrader ist freie Fachjournalistin wohnhaft in Brühl.