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15.09.1989 - 

One For All - b + s Multisoft hofft auf den US-Markt:

PC-Bürosoftware für alle Fälle und Systeme

MÜNCHEN (CW) - Mit einer neuen integrierten Bürosoftware will die b + s Multisoft ab 1990 den internationalen Markt erobern. Das voll grafikorientierte Paket mit dem Namen One For All soll unter allen gängigen Betriebssystemsoberflächen laufen. Zur Systems wird es der Öffentlichkeit vorgestellt, die Vertriebsfreigabe ist für die CeBIT 1990 geplant.

Das Bochumer Softwarehaus, das mit Tex-Ass-Window-Plus nach eigenen Angaben bei den integrierten Paketen für DOS-PCs in der Bundesrepublik einen Marktanteil von 18,5 Prozent hält, investierte etwa fünfzig Mannjahre in die Entwicklung seines neuen Produktes.

One For All ist eine Weiterentwicklung von Tex-Ass-Window-Plus, aber, wie b + s-Geschäftsführer Jürgen Sinz betont, nicht dessen Ablösung. Weil die Systemanforderungen der Programme zu unterschiedlich seien, werde man beide Produktlinien weiterfahren. One For All benötigt mindestens einen PC der AT-Klasse, möglichst mit 80386-Prozessor, einen EGA- oder VGA-Bildschirm und etwa drei Megabyte Platz auf der Festplatte. 640 Kilobyte Hauptspeicher reichen zwar, für den ernsthaften Büroeinsatz jedoch wird eine größere (ein bis zwei Megabyte) RAM-Disk empfohlen.

Der Leistungsumfang ist auf den ersten Blick beeindruckend. Rings um die Hauptfunktionen Textverarbeitung, Datenbank und Kalkulation gruppiert sich eine Fülle von Zusatzfunktionen wie Terminverwaltung, Tischrechner, Serienbriefe, Electronic Mail, Dokumentenverwaltung und Formularbearbeitung; optionale Zusatzmodule erlauben Fax-Verkehr, Stichwortsuche in Dokumenten, Electronic Mail mit öffentlichen Netzen und Zugriff auf externe Datenbanken. Wie schon bei Tex-Ass-Windows-Plus können darüber hinaus Fremdapplikationen in das System eingehängt werden. Häufig wiederkehrende Arbeitsabläufe lassen sich mit einem Makrorekorder aufzeichnen und dann automatisch ausfahren.

Die Funktionen selbst sind nicht nur grafisch ansprechend, sondern auch durchdacht realisiert und gehen in einigen Punkten deutlich über das hinaus, was man von anderen Produkten kennt. Das gilt vor allem für den Texteditor, der mit Grafikeinbindung, Stylesheets, Fontverarbeitung, Mehrspaltenumbruch, Silbentrennung, Rechtschreibprüfung, Fußnotenverwaltung und automatischer Erstellung eines Inhaltsverzeichnisses vom Leistungsumfang her den Vergleich mit dezidierten Textprogrammen nicht zu scheuen braucht. Im Page-Preview-Modus kann nicht nur das Aussehen von bis zu acht Druckseiten begutachtet werden, sondern es können auch Text, Grafiken und Seitenlayout interaktiv verändert werden.

"Auf absehbare Zeit", vermutet b+s-Geschäftsführer Jürgen Sinz, "wird es bei der Dreiteilung der Systemwelt bleiben. MS-DOS, OS/2 und Unix werden sich ergänzen." Mit seinen Produkten überall präsent zu sein, bedeutet in der Regel für einen Hersteller erhebliche Investitionen, schon gar, wenn sie unter den neuen Bedieneroberflächen wie MS-Windows, Presentation Manager oder Open Look laufen sollen.

Um den Portierungsaufwand für ihr neues Produkt zu reduzieren, entwickelten die Bochumer deshalb eine allgemeine Systemschnittstelle, ein spezielles Window Manager Interface (WMI), das sie zwischen die Anwendungssoftware und das Betriebssystem, beziehungsweise dessen Window-Manager, schieben und das die Funktionsaufrufe des Anwendungsprogramms in Aufrufe an den Window-Manager übersetzt.

Damit braucht, um die Anwendungssoftware vollständig auf ein anderes System zu portieren, nur ein neues WMI geschrieben werden. Der Aufwand dafür, so Sinz, beträgt zwei bis drei Mannmonate. Realisiert sind bis jetzt die WMIs für MS-Windows und OSF-Motif. Anfang nächsten Jahres sollen zwei weitere für den OS/2 Presentation Manager und die Unix-Oberfläche Open Look fertig sein.

Auf demselben Prinzip wie das WMI beruht auch das Database Interface (DBI), eine zweite allgemeine Schnittstelle, die es One For All erlaubt, mit verschiedenen Datenbank-Maschinen zu arbeiten. Geplant sind vorerst DBls für dBase IV, den SQL-Server von Ashton-Tate/Microsoft und den Database Manager der OS/2 Extended Edition sowie im Unix-Bereich für Informix und Oracle. Weitere WMIs und DBIs sollen folgen, sobald Bedarf dafür besteht.

Die Schnittstellen sind als C-Bibliotheken implementiert, die b + s auch anderen Herstellern zur Verfügung stellt, die systemübergreifende Standardsoftware entwickeln wollen. Laut Sinz arbeiten bereits mehrere Unternehmen, beispielsweise die Datev, damit und in den USA sei die Resonanz bei kürzlich geführten Gesprächen "überwältigend" gewesen.

Nicht zuletzt deshalb setzt man bei b + s große Hoffnungen auf den amerikanischen Markt. Um zu vermeiden, daß sie sich in einem aussichtslosen Kampf gegen Giganten wie Microsoft oder Word Perfect aufreiben, wollen sich die Bochumer allerdings für den Anfang auf den Unix-Bereich beschränken. Dort, so Sinz, ist der Markt überschaubarer und die Konkurrenz noch nicht so stark.

um Preis wollte Sinz noch nichts sagen; darüber werde erst kurz vor der Freigabe entschieden. In jedem Fall werde er "nicht über dem vergleichbarer Produkte liegen" - eine Aussage, die jedoch wenig hilft, weil es, wie er meint, "vergleichbare Produkte eigentlich nicht gibt".

Portierung im Handumdrehen

Um größtmögliche Flexibilität beim Einsatz ihrer Software zu erreichen, hat b+s zwei allgemeine Schnittstellen entwickelt, die zwischen das Anwendungsprogramm und die Außenwelt geschoben werden. Das Window Manager Interface (WMI) dient der Kommunikation mit der Betriebssystemoberfläche, das Database Interface (DBI) der mit der verwendeten Datenbank.

Der Vorteil einer solchen Konstruktion besteht darin, daß alle umgebungsspezifischen Teile einer Software in die beiden Schnittstellenmodule ausgelagert werden und für eine Anpassung an eine andere Umgebung nur diese geändert werden müssen. Der Portierungsaufwand beträgt so, laut b + s, nur noch zwei bis drei Mannmonate.

Realisiert sind bis jetzt WMIs für Microsofts DOS-Oberfläche Windows und die von der Unix-Anbietervereinigung Open Systems Foundation (OSF) zum Standard gekürte Oberfläche Motif sowie das DBI für die in One For All eingebaute C-ISAM-Dateiverwaltung. Bis zur Vertriebsfreigabe im Frühjahr 1990 soll eine ganze Palette von WMIs und DBIs angeboten werden können.

Jede dieser Schnittstellen stellt der Anwendungssoftware alle benötigten Funktionen zur Verfügung und übersetzt die Funktionsaufrufe in Aufrufe an die entsprechende Systemsoftware. Eine Ausnahme bildet das geplante Dbase-IV-Interface. Weil es hier keine Datenbankmaschine gibt, an die Aufrufe abgesetzt werden könnten, wird dieses DBI die Zugriffe auf die physischen Daten selbst erledigen müssen.

Die Schnittstellen sind als C-Bibliotheken implementiert, die b + s auch anderen interessierten Softwarehäusern anbietet. Für eine Entwicklungslizenz werden zwischen 5900 und 9900 Mark verlangt (mit einem DBI kostet sie zwischen 8900 und 16 500 Mark). Dazu kommen Runtimelizenzen, die für MS-Windows und den Presentation Manager 190 Mark kosten (mit einem DBI 290 Mark), im Unix-Bereich, abhängig vom Prozessor, von 450 (740) Mark aufwärts.

Ganz so neu wie b + s behauptet ist das Konzept solcher "Software-Treiber" übrigens nicht. Die mittlerweile untergegangene Austec hatte damit ihre Compiler für eine Vielzahl von Systemen verfügbar gemacht.