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10.01.1992 - 

Einer der Firmeninhaber zurückgetreten

PC-Debakel: Schneider steht hoher Konzernverlust ins Haus

MÜNCHEN (bk) - Nach schweren Turbulenzen im PC-Geschäft wird die Schneider Rundfunkwerke AG, Türkheim, für das Fiskaljahr 1991 voraussichtlich einen Konzernverlust von rund 68 Millionen Mark ausweisen müssen. Vorstandsvorsitzender und Mitinhaber Bernhard Schneider zog die Konsequenzen und trat zurück.

Vor gut sieben Jahren war das Türkheimer Familienunternehmen in das PC-Geschäft eingestiegen, wollte sich damit neben der Unterhaltungselektronik ein zweites Standbein aufbauen. Zunächst vertrieb Schneider von der britischen Amstrad Plc. gefertigte PCs, 1987 schließlich wagten die Türkheimer den Sprung in die Eigenfertigung. Der Mut wurde belohnt: Schon im Geschäftsjahr 1989 verbuchte das Unternehmen mit den selbstproduzierten Geräten mehr Umsatz als 1987 mit den Amstrad-Systemen und hatte sich zum etablierten PC-Anbieter gemausert.

Im gleichen Jahr wurde Bernhard Schneider, der gemeinsam mit seinem Bruder Albert das PC-Engagement initiiert hatte, von der IDC Deutschland GmbH, Kronberg, zum "Computermann des Jahres" gewählt. Schneider, so die Begründung der Marktforscher aus dem Taunus, habe mit viel unternehmerischem Mut und Geschick bewiesen, daß ein inländisches Unternehmen in dem von amerikanischen und japanischen Anbietern beherrschten bundesdeutschen DV-Markt eine Spitzenposition einnehmen könne. Zugleich habe er deutlich gemacht, daß sich der Produktionsstandort Bundesrepublik Deutschland und wirtschaftliche Fertigung nicht ausschließen müßten.

Konservieren, geschweige denn ausbauen konnte Schneider die PC-Erfolge nicht. Wachsender Preisdruck und die immer stärker werdende Konkurrenz aus Fernost bereiteten schon 1990 dem Höhenflug ein Ende. Der PC-Umsatz ging um 21 Prozent auf 243 Millionen Mark zurück, die Computersparte schlidderte in die roten Zahlen: 45 Millionen Mark fehlten bei der Endabrechnung, was auch den Jahresüberschuß des Gesamtkonzerns stark belastete. Er fiel von 25,4 auf 10,1 Millionen Mark.

Aufgeben wollten die Türkheimer aber noch nicht. Professionelle PCs für den Großkundenbereich, so hoffte die Konzernspitze, würde dem Computersektor einen neuen Aufschwung bescheren. Für dieses Unterfangen holte man Anfang 1991 von der ehemaligen Nixdorf Computer AG Hubert Küpper als neuen Leiter der PC-Sparte. Doch bei den avisierten Großkunden wie Banken und Versicherungen stießen die Schneider-PCs auf wenig Gegenliebe, der Versuch war ein Schlag ins Wasser. Zur Halbzeit 1991 konnte das Unternehmen gerade noch einen PC-Umsatz von 66 Millionen Mark ausweisen.

Da eine Rückkehr zur Rentabilität im Computersektor nicht mehr möglich schien und die Schneider Rundfunkwerke AG zudem auch bei der Unterhaltungselektronik durch einen deutlichen Konjunkturrückgang zunehmend Probleme bekam, so daß sich für 1991 gar ein Konzernverlust abzeichnete, mußten die Türkheimer handeln. Im November kündigten sie an, aus der PC-Produktion auszusteigen, nur noch Vertriebsaktivitäten wahrzunehmen - Hoffnungsträger Hubert Küpper verließ das Unternehmen wieder - und rund 350 Mitarbeiter zu entlassen.

Fehlbetrag von rund 68 Millionen Mark

Gleichzeitig wurden mit der NCR GmbH Kooperationsverhandlungen aufgenommen, die die Weiterentwicklung und Fertigung der professionellen Schneider Business-Line-PCs durch die Augsburger zum Gegenstand haben. Eine Entscheidung steht indes noch immer aus.

Den drohenden Konzernverlust werden die Türkheimer dennoch nicht abwenden können. Bernhard Schneider gab vor Weihnachten bekannt, man werde für 1991 wohl einen Fehlbetrag von rund 68 Millionen Mark hinnehmen müssen. Auch der Umsatz, so die düstere Prognose, werde stark zurückgehen - um 40 Prozent auf 600 Millionen Mark. Gleichzeitig zog er aus dem Debakel die Konsequenzen und erklärte seinen Rücktritt.

Der neue Vorstandsvorsitzende des Schneider-Konzerns, Hans-Jürgen Thaus, steht vor keiner leichten Aufgabe. Will er das Unternehmen zu alter Stärke zurückführen, vor allem aber das angepeilte Ziel erreichen, 1992 wieder ein ausgeglichenes Konzernergebnis zu erzielen, müssen die Sanierungsaktivitäten, die in den vergangenen Monaten in die Wege geleitet wurden, greifen. Neben der Aufgabe der Entwicklung und Fertigung eigener PCs sowie den Entlassungen sollen zudem die Unternehmensstruktur gestrafft, die Kosten drastisch reduziert und die Potentiale des Unterhaltungselektronik-Geschäftes voll ausgeschöpft werden.