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23.06.2000 - 

CEO Jeffrey Weitzen plant ASP-Angebote

PC-Direktanbieter Gateway sucht nach neuen Geschäftsfeldern

MÜNCHEN (CW) - Die dünnen Gewinnmargen im PC-Markt gehen auch an Gateway nicht spurlos vorüber. Ephraim Schwartz von der CW-Schwesterpublikation "Infoworld" sprach mit CEO Jeffrey Weitzen über die Strategie des Direktanbieters und die Pläne, ins ISP- und ASP-Geschäft einzusteigen.

CW: Sie haben eine der ersten E-Commerce-Websites aufgebaut. Wo steht Gateway heute mit seinen E-Business-Aktivitäten?

Weitzen: 1996 waren wir der erste PC-Anbieter, der seine Systeme über das Internet verkauft hat. Seitdem haben wir unser Portfolio auf über 30000 Produkte und 7000 Softwaretitel erweitert.

CW: Viele Unternehmen legen Wert darauf, Rechner auch in die Privathaushalte ihrer Mitarbeiter zu bringen. Werden PCs künftig verschenkt, wie Ford und AOL es getan haben?

Weitzen: Ja, wir haben gerade einen sehr großen Auftrag von Avon erhalten. Das Unternehmen versucht, seine Vertriebsbeauftragten mit PCs auszustatten, um mit ihnen weltweit elektronisch kommunizieren zu können.

CW: Über wieviele Rechner reden Sie?

Weitzen: Ich glaube, es handelt sich um ungefähr 500 000 Geräte. Weltweit werden es nahezu drei Millionen sein.

CW: Das heißt, Avon installiert 500 000 PCs in den Privathaushalten seiner Vertriebsleute?

Weitzen: Ja, alle Rechner stehen in privaten Räumen. Dort arbeiten die Verkäufer.

CW: Welchen Nutzen bringt das für Avons Geschäftstätigkeit?

Weitzen: Viele Unternehmen werden so vorgehen, um die Beziehungen zu ihren Mitarbeitern zu verbessern. Das gilt nicht nur für Avon.

CW: Gibt es noch andere Geschäfte in dieser Größenordnung?

Weitzen: Gegenwärtig tut sich sehr viel in diesem Markt.

CW: Welche Aktivitäten verfolgt Gateway jenseits des Hardwaregeschäfts?

Weitzen: Die Fähigkeit, neben den reinen Boxen noch anderes anzubieten, ist extrem wichtig. Wir beschäftigen uns mit der gesamten Palette von Kundenbedürfnissen rund um die Datenverarbeitung. Das beginnt nicht und endet auch nicht mit der PC-Hardware. Viele weitere Faktoren kommen ins Spiel: Software, Internet-Zugang, Dienstleistungen. Schulungen und Finanzierung sind ebenfalls sehr wichtig.

CW: Gegenwärtig offeriert Gateway einen Internet-Service, einen ISP-Service und Schulungen. Wollen Sie künftig auch als ASP-Anbieter auftreten (ASP = Application Service Provider)?

Weitzen: Über eine Partnerschaft mit E-Soft werden wir künftig auch eine ASP-Dienstleistung anbieten. E-Soft besitzt eine Softwarearchitektur, die auf dem Server liegt. Sie beinhaltet eine modulare Funktionalität, so dass sie etwa für so simple Dinge wie einen gemeinsamen Internet-Zugang für mehrere Anwender eingesetzt werden kann. Sie lässt sich aber ausbauen und stellt dann beispielsweise E-Mail- und Web-Hosting-Funktionen zur Verfügung. Auch Firewall- und VPN-Funktionen sind möglich. Das System ist ferner für die Verbindung zu ASPs ausgelegt. Diese können Programme gegen die E-Soft-Plattform schreiben und Teile ihres Codes auf dieser zur Verfügung stellen.

CW: Geht Web-Hosting und Hosting im Allgemeinen nicht zu Lasten Ihrer Hardwareverkäufe?

Weitzen: Eine Menge kleiner und mittlerer Unternehmen nehmen solche Dienste in Anspruch. Wir haben eine Partnerschaft mit Verio, in deren Rahmen wir Web-Hosting-Lösungen ebenso wie grundlegende ISP-Fähigkeiten zur Verfügung stellen. Das reicht vom Dial-Service bis zum DSL-Service (DSL = Digital Subscriber Line).

CW: Werden dadurch ihrer Server-Umsätze reduziert?

Weitzen: Nein, das glaube ich nicht. Zunächst einmal entfällt nur ein geringer Prozentsatz unseres Geschäfts auf Server. Die Desktop-Verkäufe werden durch Web-Hosting endeutig nicht beeinflusst. Wenn überhaupt, dann führt es insgesamt zu steigenden Hardwareumsätzen.

CW: Ist es aus Ihrer Sicht legitim, von einer Post-PC-Ära zu sprechen?

Weitzen: Ich glaube nicht, dass der PC in irgendeiner Hinsicht tot ist. Er ist noch immer ein Gerät mit einer sehr breiten Funktionalität. Für jeden Benutzer, der viele verschiedene Funktionen ausführen will, ist ein PC wahrscheinlich auch in zukünftigen Szenarien ein wichtiges Element. Ich denke aber, dass eine Menge mehr Appliances entstehen werden, die spezielle Funktionen ausführen oder mobil eingesetzt werden können. Wir haben erst kürzlich drei Internet Appliances vorgestellt (siehe CW 24/00, Seite 39).

Weitzen: Die Transformation von einem Hardwareverkäufer zu einem Dienstleistungs- und Lösungsanbieter. Wenn es einen zehnstufigen Prozess auf diesem Weg gäbe, würde ich sagen, wir befinden uns auf Stufe zwei.