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14.08.1986 - 

Organisationsabteilungen kämpfen oft mit Kapazitätsproblemen, dennoch:

PC-Einsatz ist nicht der einzig gangbare Weg

Bei der Entwicklung von Online-Dialogprogrammen für Großrechner stehen die Organisationsabteilungen oft vor Kapazitätsproblemen. Der entstehende Anwendungsstau macht den Einsatz von PCs und Standardsoftware für Fachabteilungen attraktiv, weil sie schnelle Lösungen auch komplexer Probleme verspricht. Die Böhler AG entschied sich jedoch für einen anderen Weg.

Durch die Umstellung der DV-Anlage von Honeywell auf IBM mußten sich die Programmierer mit neuen Betriebssystemen und Programmen auseinandersetzen, da jetzt auch erstmalig Dialogprogramme zum Einsatz kamen. Bei Böhler benötigte man Werkzeuge, um neben den SAP-Programmen eigene Dialoganwendungen zu entwickeln. Da die Programmierer über keine CICS-Kenntnisse verfügten, wurden Anwendungsentwicklungssysteme gesucht, die ihnen einen Teil der Arbeit bei der HW-Umstellung abnehmen sollen.

Acht Niederlassungen mit Zugriff auf zentrale DB

Modell-Aufgabe war die Vorkalkulation von Schmiedeprodukten. Die dazu benötigten Daten stehen im Großrechner bereit. Das Ergebnis der Vorkalkulation muß zur Auftragsabrechnung wiederum im Großrechner verfügbar sein. Dazu kommt, daß bei dem Unternehmen solche Aufgaben nicht nur in der Düsseldorfer Zentrale anfallen, sondern daß auch in den acht deutschen Niederlassungen der Zugriff auf die zentrale Datenbank über Terminals mit HFD-Kopplung notwendig ist. Deshalb mußten Software-Entwicklungswerkzeuge gefunden werden, die Engpässe in der zentralen DV-Abteilung abbauen und flexibel auf die Anforderungen der Benutzer eingehen können.

Trotz des starken Einsatzes von Standard-Software steigt die Nachfrage nach neuen DV-Anwendungen zur Lösung von Spezialaufgaben. Dabei möchten die Benutzer, wenn möglich, die bestehenden technischen Einrichtungen nutzen, ohne Zusatzkosten für neue Spezialrechner.

In einem Team mit dem Leiter des Rechenzentrums, Hans-Jürgen Conrad, und dem für Software-Pakete zuständigen Systemprogrammierer, Manfred Ewers, nahm sich Berd Greskamp, Org./DV-Chef der Böhler AG, etwa ein Jahr Zeit, um die Entscheidung für einen geeigneten Generator vorzubereiten. Die Programmierung von Batch-Programmen wird bei dem Unternehmen bereits durch den Einsatz von Programmund Auswertungs-Generatoren optimiert. Für die Erstellung eigener Dialog-Programme sucht man einen Generator, der von Mitarbeitern ohne CICS-Kenntnisse erfolgreich eingesetzt werden kann.

"Wir haben uns nach einer Vorauswahl über den ISIS-Katalog, durch das Studium von Systembeschreibungen, Anwender- und Erfahrungsberichten, Präsentationen und Demonstrationen bei anderen Anwendern über die Details der für uns in Frage kommenden Pakete informiert. Den Aufwand für eine Probeinstallation auf dem eigenen Rechner wollten wir danach nur noch für maximal zwei Produkte akzeptieren", kommentiert Greskamp.

Nach dreiwöchiger Testzeit fiel die Entscheidung für "Gener/Ol" der Pansophic GmbH. Das System wurde Mitte April dieses Jahres zur Probe installiert. Die Einweisung in den Generator für ein Team von vier Mitarbeitern dauerte bei der Böhler AG 1,5 Tage.

Einweisung der Mitarbeiter dauert genau vier Tage

Ein erstes, abgeschlossenes Arbeitsgebiet mit 12 Dialog-Programmen wurde für die Verwaltung des DV-Schlüsselsystems geschaffen. Es handelt sich hierbei um die schlüsseltechnische Beschreibung der im Unternehmen eingesetzten DV-Systeme, eine Art System-Distionary.

Bei Böhler wurden die fünfzehn Mitarbeiter in der Systementwicklung hausintern im Umgang mit dem Softwaresystem ausgebildet. Dazu Greskamp: "Für Mitarbeiter mit Cobol-Kenntnissen benötigten wir für die Einweisung 16 Stunden, verteilt auf vier Tage. Von jeder Ausbildungsgruppe wurden Aufgaben aus der Praxis realisiert, die von einem Mitarbeiter anschließend noch dokumentiert und dem Fachbereich übergeben wurde."

Die CICS-Oberfläche des Betriebssystems wird von "Gener/OI" verwaltet. Dies bringt eine Entlastung bei der Programmerstellung, da sich der Programmierer auf das Anwendungsprogramm konzentrieren kann. CICS gilt als schwierig zu erlernen. Deshalb hat sich ein CICS-Spezialistenkreis herausgebildet. Ferner ist das System dafür konzipiert, Programmierfehler, die normalerweise zum CICS-Absturz führen, abzufangen und zu dokumentieren. Außerdem wird dem Anwendungsprogrammierer die Schnittstelle zum Betriebssystem geboten.

Endbenutzer mischt beim Prototyping kräftig mit

Beim Prototyping wird der Endbenutzer in die Programmentwicklung mit einbezogen. Bildschirmaufbau, Funktionstastenbelegung und Programmübergabe können mit dem User abgesprochen und ausprobiert werden. Der Vorteil für die Praxis: Das Programm wird sozusagen schrittweise abgenommen und grundsätzliche Änderungswünsche sind bei der Endabnahme nicht mehr zu erwarten.

Unter Einbeziehung des Endbenutzers wird ein Modell des Anwendungssystems erstellt. Dieses muß voll funktionsfähig sein und wird im Zuge der Entwicklung Bestandteil des Programms. Der User hat so die Möglichkeit, in jeder Phase der Entwicklung mit dem Modell zu arbeiten und Änderungswünsche einzubringen. Sinnvoll ist dieses Vorgehen allerdings nur, wenn die Entwicklung mit wenigen Befehlen und ohne hohen Aufwand möglich ist.

Planungsphase wird bei neuer Software reduziert

Durch effektives Prototyping kann die Planungsphase neuer Software erheblich reduziert werden. Der Endbenutzer legt fest, mit welcher Endbenutzerschau vorhandener Daten erarbeitet und wie am zweckmäßigsten die Darstellung auf dem Bildschirm erfolgt. Mit dem Modell, das beim Prototyping entwickelt wird, kann die Benutzerschulung erfolgen und der Programmalgorithmus getestet werden. Nicht zu unterschätzen ist, daß die erstellten Anwendungen in der Lage sein müssen, mit den unterschiedlichsten Datenbanken oder Dateiorganisationen einfach zu kommunizieren.

Mittlerweile wurde bei der Böhler AG die Anwendung der Vorkalkulation für die Produkte Blöcke, Stahlformguß, Federn, Schweißdraht und Präzisionsflachstahl DV-unterstützt fertiggestellt. VSAM-Dateien, die bisher über Belege im Batch gepflegt wurden, werden heute im Dialog verwaltet.