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27.08.1993 - 

Strategiewechsel bei NCR fuehrt zu Personalabbau

PC-Industrie steckt in Phase der Umorientierung und Neuausrichtung

MUENCHEN (jm) - Die PC-Industrie gibt derzeit ein diffuses Bild ab: Firmen wie der Langzeitprimus Dell Computer schreiben rote Zahlen; Compaq, aus dem Jammertal aufgestiegen, gibt sich selbstbewusst. Fast alle Firmen sehen sich genoetigt, ihre Strategien wegen des enormen Kostendrucks im PC-Segment zu ueberdenken.

NCR etwa streicht seine F&E-Ausgaben fuer Standard-PCs zusammen: Den in Augsburg ansaessigen 50 Mitarbeitern in der Entwicklungsabteilung rationalisiert die AT&T-Tochter auf Weisung der US-Mutter das Betaetigungsfeld weg. Die Hard- und Software- Entwickler hofft man, so NCR-Sprecher Lutz Leinert, in andere Firmenbereiche uebernehmen zu koennen: "Ob das gelingt, wird man sehen."

Eingestellt wird auch die SMT-Leiterplattenbestueckung (Surface Mount Technology). Das NCR-Management habe sich die Sinnfrage sowohl nach dem Nutzen von F&E-Ausgaben fuer Standard-PCs als auch nach dem strategischen Vorteil gestellt, den Hersteller aus einer eigenen SMT-Bestueckung ziehen wuerden. Leinert: "Die Konzernleitung kam zu dem Ergebnis, dass wir dies nicht billiger und besser machen als Anbieter, deren Produkte man heute am Markt zukaufen kann."

Den AT&T-Sparplaenen fuer das Augsburger Werk faellt damit technisches Know-how zum Opfer, das interessante Produkte wie das NCR-Notepad schuf. Auch die Oeko-PC-Entwicklung liegt nun brach, auch diesbezueglich orientiert sich NCR in Zukunft aushaeusig.

In der US-amerikanischen Zentrale lautet die Devise eindeutig Abgrenzung und Differenzierung von der Konkurrenz. "Wir wollen uns auf Bereiche konzentrieren, wo wir uns abheben koennen", gibt Leinert die Vorgabe von AT&T wider. Strategische Bedeutung haben danach die Bereiche Netzwerke und die Einbindung von PCs in diese sowie die Zusammenfuehrung von Diensten wie Telefon und Bildverarbeitung - generell also multimediale Funktionen des PCs. Dies sei besonders vor dem Hintergrund der Aktivitaeten der AT&T- Mutter zu sehen.

Zukunft des PCs als Informationszentrum

Deshalb werden sich die Entwicklungsanstrengungen vor allem auf die USA und dort die Bell-Laboratorien konzentrieren; dorthin leitet die Zentrale zukuenftig auch die F&E-Gelder.

In dieser Sicht geht NCR konform mit Hewlett-Packard (HP): Auch deren Europa-PC-Chef Alex Sozonoff sieht die Zukunft des PCs als Informationszentrum, in dem Dienste der Telekommunikation sowie der Unterhaltungselektronik zusammengefuehrt sind und die Rechenleistungen heutiger Mikros noch sinnvoller ausgenutzt werden. HP, bislang auf dem PC-Sektor nicht sonderlich erfolgreich - nach Sozonoffs Angaben allerdings rueckten die Kalifornier 1992 von Platz 14 erstmals unter die Top-Ten der Welt (Rang 6) -, hatte schon vor einigen Monaten Produkte angekuendigt, die Moeglichkeiten des Fernsehens mit denen des Computers verquicken.

Die Technologieforschung fuer PC-Systeme fasst NCR ab sofort im Werk Clemson zusammen. Diese Niederlassung war bisher schon zustaendig fuer die PC-Fertigung und Belieferung des nordamerikanischen Raums. Ausserdem stammen aus South Carolina die Entwicklungen fuer die Multiprozessor- und Parallelrechner der 3500-, 3600- und 3700-Linien von NCR. "Bei diesen Systemen sieht das Management Vorteile, die Entwicklung in eigenen Haenden zu belassen", erklaert Leinert.

Insgesamt werden 230 Mitarbeiter in den kommenden zwoelf bis 18 Monaten ihren Arbeitsplatz verlieren. Die 120 in der Fertigung, das heisst der SMT-Bestueckung, Beschaeftigten sollen unter Einschaltung eines Outplacement-Beraters in Augsburger Betrieben untergebracht werden. Nicht betroffen bleiben die PC-Montage sowie die Vertriebsorganisation.

NCR ist nur ein Beispiel eines PC-Anbieters, der aus Kostengruenden gezwungen ist, seine Firmenstruktur neu zu ueberdenken und auszurichten. Konzentration auf als erfolgstraechtig angesehene Betaetigungsfelder stellt dabei eine Moeglichkeit dar, wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Eine weitere Option ist die Fokussierung auf die vermeintlichen Staerken eines Unternehmens: Die Next Computer Corp. trennte sich von den einstigen Branchen-Glanzlichtern, den schwarzen Rechner- Wuerfeln, weil man hofft, die Firma mit der hausinternen Softwarekompetenz in die Prosperitaet zu fuehren.

Apple schien zu Zeiten von Ex-CEO John Sculley den Uebergang in den Entertainment-Sektor vorzubereiten. Mit dem Stuehleruecken an der Management-Spitze und der Inthronisation von Michael Spindler haben die Kalifornier diese Ziele allerdings offensichtlich aufgegeben.

Mit Verlusten kaempfend hoffen die Apfelleute nun auf absolute Mobilitaet: Ihr Newton-PDA soll Anwender ein Stueck naeher an die Vision der ubiquitaeren Informations- und Kommunikationsanbindung heranfuehren. Allerdings haben Branchenfachleute schon Zweifel angemeldet, ob Apple dieses ehrgeizige Ziel mit dem Newton anzugehen vermag. Als wesentliche Kritikpunkte fuehrten Insider an, der PDA sei zu teuer, die Faxmoeglichkeiten limitiert (sie bestehen lediglich in eine Richtung), uneingeschraenkte Kommunikationsmoeglichkeit gewaehrleiste nur ein integriertes Telefon, ueber das der Newton-Rechner nicht verfuegt.

Waehrend in ihren Heimatlaendern dominante PC-Anbieter wie NEC erkennen mussten, dass funktionierende Distributionskanaele fuer Peripherieprodukte und vermeintlich zugkraeftige Repraesentanten wie ein Franz Beckenbauer nicht ausreichen, um neue Maerkte zu erobern und sich aus dem PC-Geschaeft in Deutschland verabschieden; waehrend andere Hersteller wie der Direktanbieter Dell Computer Corp. trotz eines innovativen Vertriebskonzepts nicht unverwundbar sind - vertreten manche die Meinung, die schiere Groesse eines Unternehmens koenne in Grenzen als Ueberlebensversicherung herhalten.

Dies zumindest ist das Credo von Safi Qureshey. Der Mitbegruender und CEO der AST Research Inc. wird von der "Business Week" mit der Ansicht zitiert, in Zeiten der Konsolidierung wuerden die Starken immer staerker - Anlass fuer ihn, sich den Computerbereich der Tandy Corp. fuer 175 Millionen US-Dollar einzuverleiben.

Das Schicksal von kleinen Anbietern wie Everex, Kyocera oder aktuell Sanyo scheint die Kritische-Masse-Theorie von Qureshey zu bestaetigen. Andererseits macht das Schwergewicht Groupe Bull seine PC-Division Zenith Data Systems fuer anhaltend rote Zahlen im Millionenbereich verantwortlich.

Der AST-CEO sicherte sich mit der Akquisition aber auch ein Stueck Zukunft: Mit der Tandy-Subdivision Grid Systems kaufte er sich Technologie-Know-how ein; gilt Grid doch in der Branche als innovatives Unternehmen im Bereich des mit grossen Hoffnungen befrachteten Betaetigungsfelds der Pen-Computer.