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09.06.1995

PC-Linie und Multimedia-Maschinen Escom verselbstaendigt Amiga und nutzt Commodore als Marke

MUENCHEN (kk) - Die Escom AG laesst Commodore und die Amiga-Rechner nicht sterben. Nachdem der PC-Grosshaendler im April die Rechte an der maroden Firma fuer zehn Millionen Mark uebernommen hatte, gaben die Heppenheimer nun die Plaene fuer die zukuenftige Produktausrichtung bekannt: Die Amiga-Rechner sollen sich einen Namen als Multimedia-Maschinen machen, Commodore in Zukunft fuer preisguenstige PCs auf Intel-Basis stehen.

Amiga und Commodore bleiben der DV-Welt als Markennamen erhalten. Allerdings will Escom-Chef Manfred Schmitt damit getrennte Maerkte bedienen. Dazu wurde mit der Amiga Technologies GmbH im hessischen Bensheim ein eigenes Unternehmen etabliert, mit Petro Tyschtschenko als Geschaeftsfuehrer. Die neue Escom-Tochter soll im laufenden Jahr einen Umsatz von rund 100 Millionen Mark erwirtschaften.

"Einen kostenguenstigen Zugang zu den verschiedenen Multimedia- Anwendungen wie Pay-TV, Video on demand, Home-Banking und - Shopping oder interaktives Fernsehen" will Schmitt den Endverbrauchern ermoeglichen. Dafuer sei die Amiga-Technik eine interessante Alternative zum PC und diesem in manchen Bereichen, etwa bei Videoanwendungen, sogar ueberlegen, kalkuliert der Escom- Chef.

Ab September will man die ueberarbeiteten Rechner "Amiga 4000" anbieten, die mit Motorolas 68060-CPU arbeiten. Das Betriebssystem bleibt "Amiga OS", das im Gegensatz zu Windows mit einem Hauptspeicher von 0,5 MB auskommt. Damit, so Peter Kittl, bei Escom fuer Commodore-Produkte zustaendig, koenne man zwar Windows- Anwendungen nicht ablaufen lassen, die Rechner aber durchaus in heute uebliche Netzwerke einbinden.

Im Oktober soll dann die Fertigung des "klassischen" Consumer- Produkts "Amiga 1200" aufgenommen werden. 120 000 Exemplare will Schmitt davon bis Jahresende absetzen. Mit der Spielekonsole "CD 32" - Fertigungsbeginn ebenfalls im Oktober, also rechtzeitig zum Weihnachtsgeschaeft - wollen die Heppenheimer in die Kinderzimmer vordringen. 30000 Spielerechner sollen unter den Christbaeumen liegen.

Neue Jobs fuer Amiga-Entwickler

Damit auch die Eltern nicht leer ausgehen, entwickelt die Gruppe Set-top-Boxen, die zusammen mit einem TV-Geraet interaktives Fernsehen und die Nutzung von Online-Diensten ermoeglichen. Kostenpunkt fuer den TV-Zusatz: rund 400 Mark.

Derzeit ist Escom auf der Suche nach Produktionsfirmen fuer die Amiga-Serie. Verhandelt wird nach Auskunft von Kittl mit den alten Herstellern von Commodore ueber die Produktion von neuen "Amiga 1200"- und "4000"-Maschinen.

Fuer die zweite Produktreihe setzt Escom auf einen gelaeufigen Namen. Wie bekannt ist der Markenname Commodore? Dieser Frage ging das Wirtschaftsmagazin "DM" nach und stellte fest, dass der Popularitaetsgrad bei 93 Prozent liegt und nur vom IBM-Label uebertroffen wird. Kein Wunder, dass Escom diese Marke nicht sterben lassen will. Schon im Sommer sollen die ersten der fuer dieses Jahr geplanten 50000 bis 60000 Commodore-"Golf"-PCs in den Verkaufsregalen stehen.

Die PC-Reihe, deren Leistungsbandbreite noch weiter unten beginnt als bei den derzeitigen Escom-Rechnern, ist durchgaengig mit Intel- Prozessoren bestueckt und auf Multimedia-Anwendungen hin optimiert. Das Commodore-Logo wird ausserdem auch auf Zubehoer wie Maeusen und Lautsprechern zu finden sein.

Ausser in den eigenen Escom-Filialen will Schmitt Commodore- und Amiga-Produkte auch ueber Fachhaendler, Warenhaeuser und Massenmaerkte an die Endkunden bringen. Dazu wurde in den Niederlanden eine Vertriebsgesellschaft gegruendet.

Die Lizenzpolitik fuer Entwickler und Hersteller von Amiga- Produkten will Schmitt "sehr offen" gestalten, damit eine breite Angebotspalette an Hard- und Software entsteht. Der amerikanische Escom-Partner Viscorp erhielt kuerzlich die erste Amiga-Lizenz. Die Amerikaner wollen Set-top-Boxen fuer den US-Markt herstellen.

Die Plaene der Deutschen werden auch fuer frischen Wind im Forschungs- und Entwicklungszentrum von Commodore in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania sorgen, wo derzeit an der Weiterentwicklung der bestehenden Modelle gearbeitet wird. Die besten Amiga-Entwickler duerfen sich auf Anrufe der Escom-Manger freuen, die mit Arbeits- oder Partnervertraegen winken.

Die Plaene sehen weiter vor, dass am Firmensitz der Amiga Technologies GmbH in Bensheim eine 40 Mitarbeiter starke Truppe fuer Entwicklung, Support von Entwicklern, Haendlern und Endanwendern, Marketing und Verwaltung etabliert wird. "Mit den neuen Aktivitaeten", so Firmenchef Schmitt, "wandelt sich Escom vom PC-Vermarkter zum Multimedia-Konzern."

Berichte in der Presse, dass man in Heppenheim auch mit dem Power- PC-Prozessor spekuliert, wollte Escom-Manager Kittl nicht bestaetigen. Zwar bestaenden derartige Ueberlegungen, entschieden sei aber noch nichts. Der englische Branchendienst "Computergram" meldet allerdings, dass es zwei Amiga-Produktlinien mit Power-PC- CPU geben wird: "Ein ernsthafter RISC-basierender Rechner und ein 32-Bit-Spielecomputer." Als Betriebssystem sollen Windows NT, OS/2 oder Mac-OS zum Einsatz kommen, ausserdem werde eine 64-Bit- Maschine folgen.

Einen weiteren Lizenznehmer fuer die Amiga-Produkte hat Escom in China gefunden. Die dort ansaessige Tianjin Family-Used Multimedia Co. hat die Amiga-Rechte fuer China uebernommen und produziert ausschliesslich fuer den dortigen Markt. Dabei, so Escom-Manager Kittl, seien die Chinesen ziemlich frei in ihren Entscheidungen, auch was die CPU betrifft.