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10.08.1990 - 

Leistungsfähige Rechnersysteme stark im Aufwind

PC-Markt: Intel hat gut lachen - Commodore muß Trauer tragen

KRONBERG/MÜNCHEN (CW/ jm) - In der digitalen Welt mit ihrem "Entweder-Oder" ist alles ganz einfach. Marktanalysen bieten manchmal einen ähnlichen Befund nach dem Mono: "Die Sieger ins Töpfchen, die Looser ins Kröpfchen." Die neueste PC-Markt-Studie der IDC scheint das zu bestätigen: Intel-Prozessoren ganz groß, Commodore auf dem absteigenden Ast.

Die Analyse des Marktforschungs-Institutes IDC Deutschland GmbH, Kronstadt/Taunus, registriert für den gesamten PC-Markt der Bundesrepublik zwar einen minimalen Rückgang an verkauften PCs bei den Stückzahlen - 1,45 Millionen im Jahr l988 stehen 10 000 weniger veräußerte Rechner im Folgejahr gegenüber. Der Marktwert aller PC-Systeme legte jedoch 1989 gleich um 19,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu.

Die Gründe hierfür sind laut IDC eindeutig und vor allem für Commodore schmerzlich: Fast 200 000 Rechner der 8-Bit-Klasse - gemeinhin dem Heimcomputer-Bereich zugeordnet - wurden im vergangenen Jahr weniger verkauft als 1988. Commodores langjährige Cash-Kühe, die legendären Heim-PCs C64 und C128, sind vom Tode gezeichnet und das Hauptgeschäft der mit dem PET-Computer gestarteten Firma gehört laut IDC spätestens 1992 der Geschichte an.

Auch bei Motorola muß man gute Miene zu sinkenden Absätzen machen: Rechner mit 680X0-CPUs ließen sich 1988 noch rund 329 000mal an den Mann bringen, ein Jahr später schenkten nur noch 294 000 Kaufinteressenten diesem Prozessortyp ihre Gunst. Apple kam dabei sogar noch gut weg, können sie doch auf eine Steigerung der Verkaufszahlen um 7000 auf 28 000 Systeme verweisen. Und wieder ist Commodore der Verlierer: Das mit dem Motorola-Prozessor ausgestattete ehemalige Zugpferd Amiga 500 brach im Verkauf ein, hohe Einbußen waren für die Frankfurter die Folge.

Für beide Prozessor-Klassen verzeichnet die IDC-Studie einen Rückgang um annähernd 230 000 Stück. Daß trotzdem ein fast 20prozentiger Wertzuwachs des PC-Marktes zu verzeichnen ist, liegt eindeutig an den überproportionalen Steigerungsraten, die sich beim Verkauf von 286- beziehungsweise 386-Prozessoren erzielen ließen.

Abräumen kann Intel, wie die Studie belegt: Trotz des Wermutstropfens, bei den XT-Rechnern mit 8088- respektive 8086-Prozessoren einen Kaufrückgang von zirka 20 000 Stück hinnehmen zu müssen, festigt der Mikroprozessor-Hersteller aus Santa Clara in Kalifornien seine jetzt schon oligopolistische Marktstellung als CPU-Versorger stetig. Auf dem Weg zum Monopolisten schafft man sich außerdem die lästige Konkurrenz durch eine rigide Lizenzpolitik vom Halse. Weder für den 386- noch für den 486-Chip vergab Intel das Plazet zum Nachbau .

Nur den AT-Kuchen (286-CPUs) muß man sich mit Unternehmen wie AMD und Harris teilen .

Allerdings ist dieser nicht gerade unbedeutend: Ganz gegen Intels eigene Vorstellungen - auch große Anzeigen konnten den mündigen Anwender nicht davon überzeugen, daß der AT-Prozessor technologisch von gestern und besser durch die 386SX-CPU abzulösen sei - legten nach der Statistik der Marktbeobachter die Verkäufe von PCs mit dem 286-Chip von 1988 auf 1989 gleich um 51,9 Prozent zu In Stückzahlen gerechnet bedeutet dies, daß 485 170 mit diesem CPU-Typ ausgestattete Rechner über den Ladentisch gingen .

Noch krasser stellt sich die Erfolgsbilanz für Intel bei den Hochleistungs-Computern dar: Gleich um 106 Prozent mehr 386-PCs (1988: 61340) konnten 1989 verkauft werden. Das schlug sich in den Geschäftsergebnissen deutlich nieder: Das zweite Quartal 1990 schloß Intel mit einem weltweiten Umsatzerlös von 968,3 Millionen Dollar (30 Prozent Steigerung) und der Rekordzuwachsrate beim Nettogewinn von 73 Prozent ab. Die Nachfrage nach den international ausschließlich von Intel produzierten 386- und 486-Bausteinen ist so hoch, daß man in Lieferschwierigkeiten gekommen ist. Sogar eine bereits zur Schließung anstehende Chip-Produktionsstätte mußte am Leben erhalten, Produktionskapazitäten in anderen hochgefahren werden

Auch tragbare Computer erfreuen sich IDC zufolge steigender Beliebtheit, wobei für dieses Marktsegment ebenfalls festgestellt werden kann: Power ist Trumpf. Bei einer 47,1prozentigen Verkaufssteigerung (insgesamt 95100) gegenüber 1988 spiegeln sich hier die Ergebnisse - heruntergebrochen auf die einzelnen Prozessortypen - der Tischgeräte wider.

51 461 Laptops mit 286-CPU konnten an den Mann oder die Frau gebracht werden, was einer Steigerung um 82,5 Prozent entspricht Daß auch bei den mobilen PCs die 32-Bit-Technologie der 386-Chips Stand der Anwenderwünsche ist, beweist die Stückzahl eindrucksvoll: Fast 18 000 verkaufte Systeme verschafften dieser Prozessor-Architektur einen Zuwachs von etwa 313 Prozent.

Auch auf der Anbieterseite kam der Markt in Bewegung, wurden Umstrukturierungen deutlich: Wer im Wettlauf um Marktpositionen einen kurzen Atem bekam, mußte sich mit einem Partner zusammentun. Victor ging mit Tandy eine Verbindung ein. Zenith teilt Tisch und Bett mit Bull, die jedoch vom französischen Staat nach jüngsten Mitteilungen mit Zuschüssen und Krediten in Höhe von 380 Millionen Mark subventioniert werden müssen, um den Rekordverlust von 553 Millionen Mark für das erste Halbjahr 1990 halbwegs auszugleichen. Nixdorf andererseits belegt im Schuldenmachen einen Platz unter den "Top Ten" weltweit und kann sich nur durch die Liaison mit der Siemens DI über Wasser halten.

Der langjährige Heimcomputer-Riese Commodore ist ebenfalls gewaltig ins Wanken geraten. Bei ihm macht sich bemerkbar, daß man technologische Entwicklungen verschlafen hat. Noch auf der CeBIT verbrämte Ex-Compaq-Mann und Geschäftsführer Peter Kaiser - gerade sechs Monate im Amt - diesen Mangel mit der Bemerkung: "Wir wollen nicht technologische Speerspitze sein", um zu ummänteln, daß kein 486-Rechner am Commodore-Horizont zu sehen war. Kurz darauf heuerte er bei Poqet Computer an.

Vor allem Hersteller aus dem asiatischen Raum drängen - wie die IDC-Studie belegt - mit Macht auf den bundesrepublikanischen Markt und verdrängen Hersteller, die technologisch veraltete Produkte anbieten. Einen möglichen Hoffnungsschimmer machen die Marktforscher für die Überrundeten trotzdem aus: Nach dem Motto "Ex oriente lux" glauben sie, daß dank Glasnost und Perestroika das Ostgeschäft auch diesen Produzenten neue Absatzmärkte eröffnet.