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Von der Planung bis zur Realisierung

PC-Netze für Mainframe-Umgebung in Großunternehmen

16.02.1990

Nach der Ist-Aufnahme und einer ersten Planungsphase wurden bei der TKT Turbon Tunzini Klimatechnik, einer Tochter der Deutschen Babcock AG in Oberhausen, zunächst Anwendungen auf dem zentralen Großrechner (IBM 30xx, MVS, CICS, VSAM) des Service-Rechenzentrums in Oberhausen realisiert. Beratendes Unternehmen für die unternehmensweite EDV-Gesamtlösung war die Gesy, Gesellschaft für EDV-Beratung und Systementwicklung mbH, Troisdorf und München.

Die TKT-Anwender in der Zentrale und in den Niederlassungen waren über ein DFÜ-Netz an den Großrechner in Oberhausen angeschlossen. Warum also zusätzliche PC-Netze? Bereits 1984 stellte sich diese Frage. Die Einsatzmöglichkeiten von PC-Systemen als Teil einer EDV-Gesamtlösung wurden schon in dieser Frühzeit der PC-Vernetzung in Großunternehmen überprüft.

Dabei wurde insbesondere an folgende Vorteile gegenüber einer ausschließlich Großrechnerorientierten Lösung gedacht:

- Nutzung von Datenverarbeitungssystemen mit hoher lokaler Leistung und geringen Anforderungen an eine besondere lnfrastruktur,

- Verfügbarkeit kostengünstiger auf bestimmte Anwendungen zugeschnittene Peripherie (zum Beispiel geeignete Matrixdrucker für Beschriftung von Formularen oder Mehrfachsätzen),

- Reduzierung der Kosten für die Benutzung des Service-Rechenzentrums,

- Reduzierung der Kosten des DFÜ-Netzes,

- zentrale Datenverwaltung innerhalb einer organisatorischen Einheit (zum Beispiel Niederlassung),

- Ressource-Sharing, bedarfsorientierter Hardware-Einsatz,

- Verfügbarkeit von preiswerter Standardsoftware für eine Vielzahl von Aufgaben wie Textverarbeitung, Kalkulation, u.s.w.

Der erste Schritt: Einzelplatz-Anwendungen

Der erste Schritt zum Einsatz von PC-Systemen wurde mit der Realisierung eines Anwendungssystems für die Kundendienstfakturierung getan. Dieses System wird in der Zentrale und in den Niederlassungen als Einzelplatzanwendung eingesetzt.

Die verschiedenen möglichen Kundendienstleistungen sind in einer PC-internen Datenbank als Stammdaten gespeichert. Abgewickelte Kundendienstaufträge werden sofort nach Vorliegen des Technikerauftragsscheins erfaßt. Über einen leistungsfähigen Matrixdrucker können dann die Kundendienstrechnungen ausgedruckt und sofort an den Kunden versandt werden.

Durch die dezentrale Abwicklung der Kundendienstfakturierung und durch die Möglichkeit, auf im PC gespeicherte Standardwerte zurückzugreifen, wird die Zeit zwischen Leistungserbringung und Rechnungsstellung erheblich verkürzt.

Da beim Schreiben der Rechnungen neben einem Original sechs Durchschläge erzeugt werden, stehen genügend Rechnungsexemplare für die Weiterverarbeitung in der Verwaltung zur Verfügung.

Es folgten PC-Netze in der Zentrale

Die weiteren anstehenden Aufgaben, für die eine Lösung über den Einsatz von PC-Systemen denkbar schien, erforderten die Haltung eines zentralen Datenbestandes sowie die Zugriffsmöglichkeit von mehreren Arbeitsplätzen auf diesen Datenbestand.

Beispielsweise arbeiten mehrere Mitarbeiter im Unternehmen an der Erstellung von Angeboten. Diesen Angeboten liegt ein einheitliches Leistungsverzeichnis zugrunde, auf das alle Sachbearbeiter zugreifen müssen. Da weitere gemeinsame Daten in der Regel nicht benötigt werden, wäre eine Lösung über ein Großrechnersystem unnötig aufwendig und teuer.

Für diese Anwendung bot sich der Einsatz eines PC-Netzes an. Es wurde also ein entsprechendes Anwendungssystem konzipiert und man realisierte dieses auf der Basis von Novell-NetWare und Realia-Cobol. Mitte 1987 wurden dann zwei Netze ausgeliefert und in der TKT-Zentrale in Betrieb genommen. Das erste Netz diente der Entwicklung von netzwerkfähigen Anwendungen bei TKT. Das zweite Netz wurde produktiv für die Vorkalkulation im Rahmen der Angebotsabwicklung eingesetzt.

In gleicher Weise wie zunächst für die Vorkalkulation wurden in Zusammenarbeit mit TKT netzwerkfähige Anwendungen für die gesamte Auftragsabwicklung erarbeitet und

realisiert. Dabei entstanden unter anderem Lösungen für folgende Aufgabenstellungen:

- Erstellen von Leistungsverzeichnissen,

- Vorkalkulation und projektbegleitende Kalkulation

- Stücklistenerstellung nach vorliegenden Konstruktionsplänen,

- Abwicklung des Einkaufs mit Lieferantenanfrage, Preisvergleich, Bestellung, Bearbeitung, Wareneingang und Lagerhaltung,

- Controlling, Faktura.

Anbindung von PC-Netzen an Telex/Teletex

Sehr bald waren neben PC-Netzen auch zahlreiche PCs als Einzelplatzsysteme installiert, um die große Palette der marktgängigen Anwendungssysteme aus den Bereichen Datenbankverwaltung, Tabellenkalkulation und Textverarbeitung nutzen zu können.

Eine genaue Betrachtung der verschiedenen Anwendungen ergab, daß es insbesondere im Bereich der Textverarbeitung sinnvoll wäre, die PC-Systeme in den Sekretariaten und im Schreibbüro zusammenzufassen und zu zentralisieren. Mit dieser Maßnahme wurden unter anderem die folgenden Ziele verfolgt:

- Vereinheitlichung des Berichtswesens durch Verwendung zentral gespeicherter Formulare für verschiedene Anwendungsgebiete,

- Austauschbarkeit der Arbeitsplätze - jede Schreibkraft kann an jedem angeschlossenen Arbeitsplatz jeden Text bearbeiten,

- Nutzung der verschiedenen peripheren Geräte durch alle an den Schreibpool angeschlossenen Systeme,

--- kostengünstige Anbindung von Anwendern in verschiedenen Organisationseinheiten an das Telex-/Teletex-Netz der Deutschen Bundespost.

Zur Realisierung dieses Vorhabens wurde ein weiteres PC-Netz für die Abwicklung der zu zentralisierenden Textverarbeitungsanwendungen geliefert. Über einen Gateway-Rechner und weitere Hardware- und Software-Zusätze wurde das Netz an das Teletex/Telex-Netz der Deutschen Bundespost angebunden, so daß von jedem autorisierten Arbeitsplatz in diesem Netz Telex/Teletex-Verkehr möglich ist. Telex-Protokolle und eingehende Telexe

werden entweder automatisch auf einem zentralen Drucker ausgegeben oder in eine Datei zur weiteren Bearbeitung übernommen.

Server bedient zwei Netze gleichzeitig

Mit der steigenden Zahl der netzwerkfähigen Anwendungen wuchs natürlich auch die Zahl der an die produktiven PC-Netze angeschlossenen Arbeitsplätze. Um die Verfügbarkeit und das Antwortzeitverhalten im bis dahin größten PC-Netz - dem Netz für die Auftragsabwicklung - - trotzdem auf gleichbleibendem Niveau zu halten, wurde dieses Netz geteilt. Der zugehörige Server wurde von der Gesy so erweitert, daß er zwei Netze gleichzeitig bedienen konnte. Die angeschlossenen Arbeitsplätze wurden auf zwei Verkabelungssysteme verteilt, so daß zwei voneinander getrennte Netze entstanden. Beide wurden an den gleichen Server angeschlossen, so daß alle Anwender nach wie vor auf den gleichen gemeinsamen Datenbestand zugreifen konnten.

Mit der zunehmenden Zahl der PC-Netze in der Zentrale der TKT ergab sich gleichzeitig die Notwendigkeit einer einheitlichen Verwaltung und Steuerung dieser Netze.

Hierzu wurden alle bis dahin installierten Netzwerkserver in einem weiteren Netz zusammengeschlossen. Die Server wurden um die erforderlichen Hardware-Komponenten erweitert und die Netzwerk-Software wurde entsprechend generiert. Nun war es möglich, von allen in PC-Netzen installierten Arbeitsplätzen auf alle Netzwerkserver und damit auf alle Datenbestände zuzugreifen. Allerdings ist ein Zugriff auf andere Netze und deren Datenbestände nur möglich, wenn der Anwender über eine Zugangsberechtigung zu dem jeweiligen Netz verfügt.

Zentrale Systemverwaltung via PC-Netze

Die Vernetzung der PC-Netze wird dazu genutzt, die gesamte Systemverwaltung zentral durchzuführen. Alle Systemverwalterfunktionen für alle installierten PC-Netzwerke können von dazu autorisierten Benutzern von allen Arbeitsplätzen in jedem beliebigen PC-Netz wahrgenommen werden. In der Regel wird die Systemverwaltung über das Netz zur Systementwicklung durchgeführt.

Die Netze in den Niederlassungen

Nächstes Ziel war es, die in der Zentrale laufenden Anwendungen auch in den Niederlassungen der TKT verfügbar zu machen. Hierzu wurden im Laufe der Jahre 1988 und 1989 weitere Netze an die TKT-Niederlassungen in Hamburg, Marl, Hannover, Mannheim, München und Berlin geliefert und dort installiert.

Eine ordnungsgemäße organisatorische und systemtechnische Betreuung der externen PC-Netze war nur durch die Zentrale sicherzustellen, da die Niederlassungen nicht über die hierzu erforderlichen Kenntnisse verfügen. Daher wurde im Verwaltungsnetz der Zentrale ein Arbeitsplatzrechner so konfiguriert, daß er über Telefonleitung (mit dazwischengeschaltetem Modem) Verbindung zu entsprechenden Gateway-Rechnern in den Netzen der Niederlassungen aufnehmen kann. So kann von der Hauptverwaltung über Telefonverbindung auf alle Netze in allen Niederlassungen zugegriffen werden. Dies ermöglicht eine zentrale Systembetreuung sowie Datentransfer zwischen Hauptverwaltung

und Niederlassungen.

Über BSC-Anschlüsse die einzelne Arbeitsplätze der PC-Netze mit dem zentralen

Großrechner des Servicerechenzentrums in Oberhausen verbinden, so daß ein Datenaustausch zwischen Groß-EDV-Anwendungen und PC-Netz-Anwendungen gewährleistet ist.

Anbindung von PC-Netzen an Großrechnersysteme

Weiterhin werden zur Zeit die bereits installierten Netze Gateway-Rechner erweitert der über SDLC-Anbindungen Zugriff von Netzwerkarbeitsplätzen direkt auf den Großrechner des Servicerechenzentrums in Oberhausen ermöglichen wird.

Dabei stehen dem Netzwerk-Arbeitsplatzbenutzer sowohl Funktionen zur Durchführung von Filetransfer als auch 3270-Terminalemulation zur Verfügung. Mit Hilfe der Netzwerksoftware kann bei Bedarf also jeder PC-Arbeitsplatz gleichzeitig als Großrechner-Terminal benutzt werden.

Priorität: Qualitätssicherung und Stabilität

Zwei Faktoren bildeten die Grundlage für die Entscheidung der TKT, den Einsatz von PC-Netzen zu erproben und dann mit hoher Priorität fortzusetzen:

- optimale Funktionalität bezüglich der zu realisierenden Anwendungen bei günstigen Kosten,

- hohe Ausfallsicherheit und Stabilität bei minimalem Aufwand für die Systembetreuung.

Die installierten Netze laufen fast ohne Verwaltungsaufwand und nahezu ohne Ausfälle. In jedem Fall ist die Ausfallrate deutlich niedriger, als dies Anwender von Groß-EDV-Anlagen gewohnt sind.

Lieferumfang

PC Systeme:

ca. 120 PCs als Arbeitsstationen in Netzen

ca. 30 PCs als Einzelplatzsysteme

mehrere tragbare PCs mit Anschlußmöglichkeit an die PC Netze

Server:

2 Server basierend auf AT 286 mit 4 MB Arbeitsspeicher und Festplattenkapazitäten von 180 MB

7 Server basierend auf AT 386 mit 4 MB Arbeitsspeicher und Festplattenkapazitäten von 340 MB

Netzwerkausstattung:

9 Netzwerk-Betriebssysteme Novell-NetWare zum Betrieb von 10 Netzen

ca. 130 Netzwerk-Interface-Karten (File-Server und Workstation)

12 Active-Hubs

ca. 30 Passiv-Hubs

Datensicherung: 3 Streamer mit 60 MB Bandkapazität

7 Streamer mit 150 MB Bandkapazität

Sonstige Peripherie:

3 Streamer mit 60 MB Bandkapazität

7 Streamer mit 150 MB Bandkapazität

ca. 40 PC-Drucker (NEC, Epson, Fujitsu)

Teletex/Telex-Interface

Netzwerkausstattung

Server:

AT 286 oder AT 386

4 MB Arbeitsspeicher

180-340 MB Festplattenkapazität

Netzwerk-Interface-Karte SMC PC-500FS

Arbeitsstationen:

in der Regel AT 286

1 MB Arbeitsspeicher

20 MB Festplattenkapazität

Netzwerk-lnterface-Karte SMC PC-500WS

Datensicherung:

Streamer mit 60 oder 150 MB Bandkapazität

Betriebssoftware "Sytos"

Drucker:

Schnelldrucker Fujitsu DL 5600 am Server

Arbeitsplatzdrucker NEC P6/P7 oder Epson

Topologie:

SMC-Arcnet Token-Bus Verkabelung über Standard Koaxialkabel RG 62 U (93 Ohm) Größtmögliche Distanz:

ca. 6 km

Typische Entfernungen:

600m/30m