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10.07.1992 - 

Steht Firmensterben bevor?

PC-Preise fallen zwischen 20 und 30 Prozent in zwei Wochen

MÜNCHEN (CW) - Als die Compaq Computer Corp. unlängst ihre Armada neuer IBM-kompatibler Computer vorgestellt hatte, mußten wohl die Chefs vieler Wettbewerber erst einmal schlucken: Daß Compaq preiswerte Rechner vorstellen würde, war allen klar - doch daß die Texaner die Preise gleich so niedrig schrauben würden, daß sie selbst Clone-Hersteller unter Druck setzen, hatten viele nicht erwartet. Die Folge: In der gesamten PC-Branche fielen die Preise in nur 14 Tagen um bis zu 30 Prozent - und das, obwohl viele Hersteller gerade brandneue PCs auf die Startrampe gehievt haben.

Besonders Zenith Data Systems (ZDS), eine Tochter des französischen Staatsunternehmens Groupe Bull SA, erwischte die spektakuläre Aktion des viertgrößten PC-Herstellers kalt. Zenith hatte ebenfalls eine neue, 35köpfige Rechner-Familie präsentiert, einige Tage vor Compaq - und damit einige Tage zu früh. Nach der Compaq-Produkteinführung war den ZDS-Managern klar, daß sie die Preise, die sie auf der Pressekonferenz genannt hatten, nach unten würden korrigieren müssen. Nach zweiwöchiger Beratung gab das Unternehmen dann um bis zu 12 Prozent niedrigere Preise bekannt.

Mehr Glück hatte die Everex Systems Inc., die mit der Einführung frischer Modelle und der Ankündigung neuer Preise gewartet hatte, bis Compaqs Uraufführung vorbei war. Insgesamt 20 neue Produkte mit aggressiven Preisen stellten die Kalifornier vor: Server, 386er und 486er Tischrechner und ein 386SL-Notebook. Die deutsche Everex-Niederlassung kam mit dem Tempo der Muttergesellschaft allerdings nicht ganz mit: Für manche der in den USA vorgestellten neuen Geräte steht noch nicht fest, ob sie in Deutschland herauskommen, und wenn ja, wann und wieviel sie kosten sollen.

Dell-PCs um 27 Prozent billiger

Klar ist immerhin, daß die Krönung der neuen Everex-Computer, der fehlertolerante Multiprozessor-Server "Step MPFT 2001", noch etwas auf sich warten lassen wird. "Wir wollen uns mit dem System erst einmal vertraut machen und müssen uns auch um die Erfüllung der deutschen Normen kümmern", begründete Hans-Jürgen Winter, der Marketing-Leiter des Unternehmens, die Verzögerung.

Mit der fünften Preissenkung in zwölf Monaten reagierte die Dell Computer GmbH. Bis zu 27 Prozent billiger sind die Maschinen aus Langen jetzt zu haben. Auf Compaqs neue Low-end-PC-Familie "Prolinea" antwortete Dell - zunächst nur in den USA - mit dem Start einer eigenen Einsteiger-Reihe, deren Modelle bis ZU einem Drittel weniger kosten als vergleichbare Prolinea-Rechner.

Und das sind nur einige Meldungen einer langen Karawane von Pressemitteilungen, die in der Redaktion einlaufen. Für Toshiba-Notebooks und -Laptops müssen Kunden jetzt ein Viertel weniger zahlen, Compuadd ist mit zehn bis 20 Prozent weniger Geld zufrieden. Andere PC-Prominenz wie Acer, ALR, AS I-, DEC, Hyundai, IBM und NEC hat Preissenkungen angekündigt oder - zumindestens in den Vereinigten Staaten - schon durchgeführt.

Daß die PC-Hersteller so übereinander herfallen. ist kein Wunder: Immer mehr Wettbewerber versuchen, Anteile auf einem Markt zu gewinnen, der weitgehend gesättigt ist. Und weil die Produkte, mit denen sie das unternehmen, technisch kaum noch voneinander zu Unterscheiden sind, kaufen viele Kunden nur noch über den Preis. Besonders schlimm ist gerade für die Hersteller gehobener Ware, daß das zunehmend auch für die Einkäufer mittlerer und großer Unternehmen gilt.

Ein Treibstoff des PC-Krieges ist, daß sich die Mikroprozessoren-Preise im freien Fall befinden. Für eine 486SX-CPU mit 25 Megahertz Taktrate verlangt Intel jetzt beispielsweise nur noch 80 Dollar pro Stück. Nur wenige Wochen vorher hatte das Rechenwerk noch 119 Dollar gekostet - und auch dieser Preis war schon das Ergebnis einer deutlichen Preisreduzierung gewesen. Die Ursache: Intel will dem 486er einen guten Start als Standard-Prozessor für Bürorechner verschaffen, bevor Ende des Jahres sein Nachfolger, der "P5", herauskommt.

Ein ähnliches Billig-billiger-am-billigsten findet bei Intels 80386-Chips statt. Hier ist freilich die Konkurrenz von AMD, Chips & Technologies und Cyrix der Grund.

Zusätzlich zu den allgemein reduzierten Preisen räumt Intel seinen besten Kunden höhere Rabatte ein als bisher. Genelle Trader, Vice-President für Marketing bei Everex, bestätigt das. Die neuen, preiswerteren Everex-Produkte "wären nicht möglich gewesen, wenn Intel nicht einen Spezialpreis gemacht hätte".

Die Anwender können sich über diesen Sturzflug der Preise freuen: Für immer weniger Geld gibt's immer mehr PC. Weniger Anlaß zur Freude besteht dagegen für die PC-Händler, deren Margen immer mehr schrumpfen, am wenigsten aber für die Computer-Hersteller. Die International Data Corporation schätzt, daß etwa in den USA der PC-Absatz nach Stückzahlen 1992 gegenüber dem Vorjahr noch um höchstens neun Prozent wachsen wird - und das bei Preissenkungen von bis zu 30 Prozent. Experten glauben, daß das Umsatzwachstum der Branche in diesem Jahr nahe Null liegen wird.

"500 Firmen, von denen 450 nicht existieren sollten"

Das könnte für manchen PC-Produzenten das Aus bedeuten. Viele Insider rechnen denn auch damit, daß der Preisrutsch der Auftakt zu einem großen Firmensterben ist. Intel-Chef Andrew Grove zitierte die US-amerikanische Wirtschaftszeitschrift Business Week zum Beispiel mit den Worten: "Es gibt 500 Hersteller, von denen 450 nicht existieren sollten." Joel Kocher, Dells Senior Vice-President für den US-Markt, teilt diese Einschätzung: "Wir glauben daß es ein dramatisches Shake-out geben wird. Wir erwarten, daß zum Ende des Jahres nur noch sechs oder sieben große Hersteller übrig sind." Ähnlich sieht es Steve Lair, Vice-President für Marketing bei Toshiba: "Es wird ein Firmensterben geben, und zwar ein großes. Es gibt viele Unternehmen, die kein Geld auf der Bank haben und nur von geborgter Zeit leben."