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01.09.1995

PC-Produzenten geraten in die Schusslinie Am Flammschutz entbrennt die oekologische Auseinandersetzung

Von Stephan Eder*

Das "Oeko-Test"-Magazin brachte letzte Woche einen Umwelt-Check fuer PCs heraus, der zusammen mit dem Bund fuer Umwelt und Naturschutz (BUND) entwickelt wurde. Fazit: Selbst die besten seien nur Mittelmass.

In einigen Systemen fanden sich ausserdem mehr Schadstoffe, als die Hersteller offiziell angeben. Der Bund fuer Umwelt und Naturschutz (BUND) verweist bei dieser Aussage auf eine eigene Umfrage unter PC-Produzenten im Mai dieses Jahres. "Oeko-Test" untersuchte 15 Systeme, bestehend aus Rechner, Monitor und Tastatur. Schwerpunkte der Bewertung waren Flammschutzmittel und Ergonomie. Bis auf zwei Testgeraete wiesen alle PCs Maengel in mindestens einer der folgenden Kategorien auf:

- halogenierte (bromhaltige) Flammschutzmittel und Antimontrioxid im Monitorgehaeuse;

- Einhaltung des MPR-II-Standards;

- effektive Bilddiagonale im Vergleich zum Soll-Wert;

- Trauerrand am Bildschirm;

- Bildwiederholfrequenz sowie

- Zeichenlesbarkeit.

Was die Flammschutzmittel angeht, ergaben sich Widersprueche zwischen Herstellerangaben der Firmen Peacock, Vobis sowie AT&T zur BUND-Computer-Umwelt-Liste und den Testergebnissen. "Wir haben bei den eingesetzten Schadstoffen nach Monitoren und Rechnergehaeusen gefragt", so Thomas Lenius, Chemieexperte des BUND. Die drei Firmen verneinten dabei den Einsatz halogenierter Flammhemmer und von krebserregendem Antimontrioxid. "Oeko-Test" wies aber genau diese Stoffe in den Geraeten nach.

"Die Angaben zur BUND-Computer-Umwelt-Liste bezogen sich auf die von uns produzierten Rechnereinheiten", stellte fuer Peacock Publik-Relations-Leiter Kuno Hartmann klar. Im Hause verstehe man unter "PC" immer nur den Rechner, nie den Monitor. Bildschirme wuerden als OEM-Ware zugekauft. Hartmann spricht von einem "Missverstaendnis" und betont: "Selbstverstaendlich haetten wir bei Einbeziehung der Monitore andere Angaben gemacht."

Die AT&T Global Information Solutions in Augsburg haelt sich mit Aussagen bedeckt. Der zustaendige Experte sei in Urlaub. Man wolle keine falschen Auskuenfte nach aussen geben. Auch von Vobis war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten. Ebenfalls Schweigen bei der Firma NEC: In der BUND-"Computer-Umwelt-Liste" schloss sie das gesundheitsschaedliche Antimontrioxid aus, was die Oeko-Tester jedoch fanden. Aber auch die Monitore von Actebis und Escom enthielten die von "Oeko-Test" und BUND kritisierten Schadstoffe.

Halogenhaltige Flammschutzmittel sind seit einiger Zeit ebenfalls umstritten. So wertete die "Stiftung Warentest" Computer mit bromhaltigen Flammschutzmittel konsequent ab. Ein Leitfaden des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) sieht halogenierte Flammhemmer auf der Abschussliste, der BUND fordert gar ein entsprechendes Verbot. Hauptgrund: Bei der Verbrennung koennen Dioxine und Furane enstehen. Werden polybromierte Diphenylether (PBDE) als Gehaeuseflammschutz eingesetzt, "so kann es schon beim Betrieb von Geraeten zu einer Freisetzung von Dioxinen und Furanen in die Raumluft kommen", so Lenius. Seit 1987 verzichtet auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) freiwillig darauf, PBDE zu produzieren.

Der Ersatzstoff Tetrabrombisphenol A (TBBA) macht nach bisherigen Erkenntnissen keine Probleme beim Betrieb. "Die fangen", so Lenius, "in der Muellverbrennung und beim Recycling an". Das neben Brom gefundene Antimon deutet auf Antimontrioxid hin, ein Wirkungsverstaerker fuer Flammhemmer. Die Probleme liegen beim Arbeitsschutz. Antimontrioxidstaeube gelten als krebserregend.

In Sachen Sicherheit am Arbeitsplatz urteilte "Oeko-Test" nach den Entwuerfen zur neuen Unfallverhuetungsvorschrift. Fazit: "Danach duerften die meisten der untersuchten Geraete an keinem Bildschirmarbeitsplatz stehen."

Auch das Testergebnis bei der Bildschirmabstrahlung ueberraschte.

Das von Apple zugeschickte Modell des RGB-14-Zoll-Monitors erfuellte den Standard MPR II nicht. "Der Monitor ist MPR-II- zertifiziert", hiess es dazu aus der Apple-Pressestelle. "Das von der Redaktion getestete Geraet war mehrere Monate im Leasing- Betrieb auf Messen im Einsatz", sucht das Unternehmen nach einer moeglichen Erklaerung. Apple bot "Oeko-Test" zwar ein Zweitgeraet an, das Magazin lehnte allerdings ab.

Der unglueckliche Fauxpas ist schon der dritte in Folge. Bereits im Fruehjahr hatte die "Stiftung Warentest" in den Fuesschen eines Apple-Nootebooks PBDE gefunden.

Darueber hinaus besitzen nach der BUND-Umfrage nicht alle Apple- Geraete eine durchgehende Kunstoffkennzeichnung. Experten nennen dies jedoch als Voraussetzung fuer ein funktionierendes Recycling von Kunststoffen. Apple verweist hier auf Umstellungsprozesse: "Wir arbeiten daran, die komplette Produktpalette aus Sicht des Anwenders und der Herstellung umweltvertraeglicher zu gestalten."

Oekologie ist auch eine Kostenfrage

Der vom BUND geforderte Verzicht auf halogenierte Flammschutzmittel ist machbar. Das beweisen nicht zuletzt jene Monitore im Test, bei denen die fraglichen Materialien nicht gefunden wurden. Kunststoffe wie ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol), Polycarbonate (PC) oder ein PC/ABS-Blend sind mit phosphorhaltigen Flammhemmern auf dem Markt.

Bloss, die Nachfrage nach den Materialien steigt und treibt die Preise in die Hoehe. Die PC-Firmen sehen sich nach preiswerten Alternativen um. Was dabei herauskommen kann, zeigt das Abschneiden von IBM im Oeko-Test. Der IBM-Rechner PC 330-P 60 landete mit einem 14-Zoll-Monitor in der Kategorie "Weniger empfehlenswert". Der Preis: 4750 Mark, Gehaeuse: preiswertes PVC. Mit einem 17-Zoll-Bildschirm ohne PVC sowie ohne brom- und antimonhaltigen Flammschutz - aber fuer 6847 Mark - stand der gleiche Rechner in der Kategorie "Empfehlenswert".

Dass andere Firmen aehnlich handeln, deuten die Ergebnisse von AT&T an. Noch bei der BUND-Umfrage im Fruehjahr hiess es: "Kein PVC in Gehaeusen." "Oeko-Test" mass jedoch im billigeren AT&T-Modell Chlor im Monitor, was auf PVC hindeutet. Der BUND dagegen kritisiert die Verwendung von PVC in Gehaeusen stark und erwartet, dass die PC- Produzenten anderen Branchen folgen. Das "zu Recht stark umstrittene PVC" solle durch andere Stoffe ersetzt werden.

Bei der Diskussion um Flammschutzmittel in Arbeitsplatzcomputern muessten sich Industrie und Umweltschuetzer spaetestens bei der Neufassung des "Blauen Engels" zusammenraufen.

* Stephan Eder ist freier Journalist in Bonn.

Kurz vor Redaktionsschluss ...

erreichte uns eine Erklaerung von Apple: Der kritisierte 14-Zoll- Monitor sei "... sowohl in unseren Labors in den USA als auch bei Semco in Schweden auf MPR-II geprueft (worden) und hat die entsprechenden Tests bestanden." Ausserdem fuehre der Monitor das TUEV-GS-Zeichen.