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25.02.1994

PC-Profi: Frustration und neue Herausforderungen Experten erwarten "quantitative Explosion"

Unisono prophezeien Anwender und Hersteller den PC-Experten gute berufliche Zukunftsaussichten. Auch vom Gehalt her sind sie nicht mehr weit von den Grossrechnerspezialisten entfernt. Allerdings zeichnet sich - wie bei allen Berufsgruppen - eine starke Differenzierung ab. Auf der Sonnenseite des Arbeitsmarktes werden die "Wanderer zwischen den Welten", also die Profis stehen, die Grossrechner- und PC-Wissen oder Fach- und PC-Kenntnisse beherrschen. Schwieriger wird es fuer die PC-Spezialisten, die sich nur auf ihr Freak-Know-how verlassen. Auch fuer sie bieten sich aber zumindest bei den Herstellern von Standardsoftware Einstiegsmoeglichkeiten.

Niemand bestreitet heute mehr, dass die Installation der PCs zu grossen Veraenderungen in den Unternehmen gefuehrt hat. Und wie es bei der Einfuehrung von innovativen Techniken der Fall ist, entstehen neue Taetigkeiten und Berufsbilder.

Allerdings wird der aufmerksame Beobachter hier zunaechst mit einem Widerspruch konfrontiert. Einerseits haben die Betriebe bereits Millionen von Tischcomputern im Einsatz, andererseits lassen sich im Inseratenteil der Zeitungen bisher kaum Jobs fuer die entsprechenden Technikprofis finden. Sowohl 1992 als auch im letzten Jahr galt etwa ein Prozent aller DV-Stellenangebote dem PC-Spezialisten, so eine EMC-Stellenauswertung in 19 Tageszeitungen (siehe die Grafiken).

Eine Erklaerung ist sicherlich die, dass der PC seinen Siegeszug in den Fachabteilungen antrat und dass er dort als ein Werkzeug angesehen wird, das die Arbeit unterstuetzen soll. So ueberrascht es nicht, dass die Arbeitgeber mittlerweile in (fast) jede Jobanzeige hineinschreiben, dass Grundkenntnisse im Umgang mit dem PC erforderlich sind. Mit reinem Spezialisten-Know-how kann und muss der Sachbearbeiter also keinesfalls glaenzen.

Als zweiter Grund fuer die auf den ersten Blick schwache Nachfrage nach PC-Experten im Stellenteil der Zeitungen laesst sich anfuehren, dass die Betriebe die einschlaegigen Qualifikationen in ihren Annoncen nicht explizit nennen, sondern sehr allgemein etwa vom Support- oder einem Benutzerservice-Mitarbeiter sprechen, der dann auch Grossrechner- und Netzkenntnisse mitbringen sollte.

Dass es aber Experten braucht, die den in den Betrieben entstandenen PC-Wildwuchs unter Kontrolle bekommen, sei es in Form von Programmierung, Anwenderbetreuung oder Vernetzung, um nur einige wenige Taetigkeiten aufzuzaehlen, steht ausser Frage.

Als beruhigend koennen es die Jobsuchenden empfinden, dass ihr potentielles Aufgabengebiet sehr breit gefaechert ist und sich auch die Bezahlung sehen lassen kann. Sie reicht von etwa 4000 bis 7000 Mark Monatsgehalt, je nachdem, wie anspruchsvoll die Firmen die Taetigkeit einschaetzen. Eines koennen die Personalchefs mit Gewissheit sagen: Vom negativen Image des PC-Freaks, der ausser seinem Spielzeug nichts kennt, ist nicht mehr viel uebriggeblieben.

Werner Dostal, Direktor am Bundesinstitut fuer Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nuernberg, scheint ganz froh zu sein, dass nach Jahren der Stagnation wieder Bewegung in den DV-Arbeitsmarkt gekommen ist. Er ist zuversichtlich, dass der Bedarf an Beschaeftigten im PC-Umfeld in den naechsten Jahren "quantitativ explodieren wird". Der Nuernberger Berufsforscher verweist auf das Beispiel England, wo sich in der Anwenderbetreuung bereits drei unterschiedliche Qualifikationsstufen herauskristallisiert haetten.

Gefragtes Zusatzwissen wirkt sich auf Gehalt aus

So gebe es auf dem Einsteigerlevel Mitarbeiter, die sich um die Hotline kuemmern und die einfache Fragen beantworten oder zumindest wissen, wer weiterhelfen kann. Auf der mittleren Ebene arbeiten Experten, die sich mit den Programmen auskennen, und darueber sind Systemspezialisten angesiedelt, die in der Programmierung fit sein muessen. Aber auch hierzulande haben sich Anwender und Hersteller Gedanken gemacht, wie sie die neue Generation der Datenverarbeiter am besten einsetzen koennen.

Die Technikerkrankenkasse in Hamburg beispielsweise installiert derzeit 7000 PCs an 150 Standorten. Dafuer hat ihr Org./ DV-Leiter Helmut Ruehberg eine klare Aufgabenverteilung fuer seine Desktop- Profis eingefuehrt. Auf der ersten Ebene agieren Mitarbeiter, die sich um kaputte PCs kuemmern, Karten austauschen oder das Betriebssystem installieren. Auf der naechsthoeheren Stufe sind Spezialisten gefragt, die den Umgang mit PC-Standardsoftware beherrschen, und die Experten auf der obersten Ebene gewaehrleisten den reibungslosen Ablauf im PC-Netz.

Unabhaengig von diesem technisch orientierten PC-Dienst agiert die Anwenderbetreuung. Hier kuemmern sich sowohl Host- als auch PC- Profis um das Wohl der Benutzer. Diese Zweiteilung geschah deshalb, so Ruehberg, damit die Mitarbeiter in den Fachabteilungen nur eine Instanz als Ansprechpartner auf der DV-Seite haben.

In vielen Unternehmen sind die PC-Spezialisten dem Benutzerservice zugeordnet, wie zum Beispiel beim Kuratorium fuer Dialyse und Nierentransplantation in Neu-Isenburg. Dieses gemeinnuetzige Unternehmen mit 4500 Beschaeftigten in ueber 160 Betriebsstaetten stellte letztes Jahr Mitarbeiter fuer die Anwenderbetreuung ein. Gefordert waren kaufmaennische und PC-Kenntnis-se, aber auch AS/400-Know-how.

Reine PC-Experten zu finden sei nicht schwierig, bilanziert Personal-Manager Dieter Goeckel. Er habe zahlreiche Zuschriften von Bewerbern erhalten, die sehr gutes PC-Know-how mitbrachten. Ein PC-Fachmann, wie die offizielle Bezeichnung in seinem Unternehmen fuer diese Berufsgruppe lautet, koenne mit einem Einstiegsgehalt von etwa 4300 bis 4500 Mark monatlich rechnen.

Sobald er Zusatzwissen mitbringe, etwa im Netzwerkbereich, steige das Salaer auf bis zu 5000 Mark. Grundsaetzlich - und damit bestaetigt Goeckel die Ergebnisse der CW-Gehaltsstudie - zaehle die Verguetung in der Anwenderbetreuung zu den niedrigsten in der DV- Branche.

Der Personaler aus Neu-Isenburg glaubt auch nicht, dass fuer diese Spezialisten in absehbarer Zeit Verbesserungen zu erwarten sind. Goeckel empfiehlt den Erwerb von weiteren Kenntnissen. So sei es im Fall seines Unternehmens wesentlich schwieriger gewesen, einen Profi mit AS/400- und PC-Know-how zu finden. Zufrieden mit der Qualitaet der zahlreichen Bewerber zeigte sich Nikolaus Dewald. Der Org./DV-Leiter der Bayernwerke in Muenchen suchte im Januar PC- Systembetreuer mit einem gut abgeschlossenen technischen Studium. Als Einstellungsvoraussetzungen nannte die Anzeige in erster Linie PC-Wissen.

Im Gespraech allerdings meinte der Muenchner IS-Chef, dass er Bewerber mit Zusatzkenntnissen aus der Grossrechnerwelt bevorzuge. Auch hier bestaetigt sich: Eine zu einseitig ausgerichtete Ausbildung kann sehr schnell in die Sackgasse fuehren.

Den Bewerbern fehlt es am Qualifikationsmix

"Die Technikkenntnisse sind da, es fehlt aber am Qualifikationsmix", resuemiert Hartmut Bechthold. Sein Arbeitgeber, die Bank fuer Gemeinwirtschaft (BfG) in Frankfurt, stellt PC- Programmierer ein, die in einer gaengigen Sprache wie C programmieren koennen, vor allem aber auch fit im Rechnungswesen sind. Und genau solche Personen habe er zu seiner Ueberraschung nicht finden koennen. "Bei 80 bis 90 Prozent der Kandidaten dominierten eindeutig die Computerkenntnisse", meint der Frankfurter Banker. Wirtschaftsinformatiker, die genau mit der gewuenschten Doppelqualifikation aufwarten koennten, haetten sich kaum gemeldet. "Und das, obwohl wir 6000 bis 7000 Mark Monatsgehalt zahlen wuerden", so Bechthold.

Einstiegsmoeglichkeiten fuer PC-Freaks, die zunaechst mit dem Manko der Techniklastigkeit leben muessen, bieten sich vor allem bei Anbietern von Standardsoftware. So stellen die deutschen Dependancen der beiden grossen amerikanischen Softwarehaeuser Lotus und Microsoft staendig Mitarbeiter fuer ihre Supportabteilungen ein. "Wir suchen sowohl Einsteiger als auch Profis", meint Stefan Ries vom Branchenprimus Microsoft. Die Supportspezialisten koennen auf allen Gebieten der Anwenderunterstuetzung arbeiten, sei es bei der Beratung der Anwender von Textverarbeitungsprogrammen ueber Datenbanken bis hin zu Betriebssystemen. Je umfangreicher die Programme, desto anspruchsvoller werde auch der Job, so Ries. Auch bei Lotus arbeitet man mit einem mehrstufigen Programm, das nach Produktgruppen und Supportebenen differenziert. Zwar reissen die Beschwerden der Anwender bezueglich der Programmunterstuetzung durch die Software-Anbieter nicht ab, beide Unternehmen versichern indes, dass sie in die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter viel Geld investierten und ihnen auch interessante Berufsperspektiven boeten.

So meint Christian Moegl von Lotus, dass sich die PC-Experten sowohl fuer eine Spezialisten- als auch fuer eine Management-Laufbahn innerhalb des Supports entscheiden koennten. Ansonsten gebe es die Moeglichkeit, dieses Umfeld zu verlassen und in Marketing und Vertrieb zu wechseln, um hier etwa die technische Beratung und Produkteinfuehrung bei Kunden vorzunehmen.

Fuer Quereinsteiger oder Berufsanfaenger kann sicherlich von Vorteil sein, dass sich die Arbeitgeber weniger an der Schulbildung als an dem aktuell vorhandenen Wissen orientieren. Dies untermauert auch die EMC-Auswertung: Ueber ein Drittel der Jobanzeigen nennt keine Ausbildungsvoraussetzungen. Mit einer Tatsache muss sich die zukuenftige Generation von Computerexperten allerdings heute schon abfinden. Die "kreative Arbeit des Programmierens", wie es IAB- Direktor Dostal nennt, tun nur noch ein paar wenige. Fortan stuenden Verwaltungstaetigkeiten wie Bewerten und Auswaehlen von Programmen oder auch die Betreuung und Beratung von Anwendern im Mittelpunkt.