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13.03.1987

PC-Schnupper-Messe

13.03.1987

"Marktbeobachter haben es sich ... abgewöhnt, Computer- und Büromessen mit normalen Maßstäben zu messen. Wo Präsenz zur Prestigefrage wird, geht Insiderkritik ins Leere." Aus: CW Nr. 10 vom 6. März 1987, Kolumne.

Doch der Versuch, sich ein Bild zu machen: Was ist die CeBIT? Eine Fachmesse der Informationstechnik? Eine Mikro-/PC-Schnupper-Messe hoch n? Oder eine "We-are-the-Champions" Inzuchtveranstaltung der DV- und Büro-Anbieter, eine Art IBM-Siemens-Nixdorf-Firmenmesse mit auswärtiger Beteiligung? Wen spricht diese Monster-Messe eigentlich an? Und was bringt sie?

Dies zur Verdeutlichung der eigenen Beobachter-Position: Der CW-Kolumnist, in Messedingen vielleicht zuwenig "flairempfänglich", war "Fach"-Besucher im CeBIT. Als solcher wollte er das aktuelle Produktangebot der Computerbranche sichten (Stichwort "Innovation", um Trends auszumachen und den DV-Markt zu analysieren. DEC & Co. galt sein Augenmerk - nicht Deckweiß und Flipchartständern.

Nun zur Meßlatte, die angelegt werden sollte - Parfüm, sprich: "Flair", kann Körperpflege nicht ersetzen: Es geht, erstens, um die Angebotsstruktur; zweitens um die Zielgruppen-Definition - und, last but not least, um die Effizienz. Da haben wir sämtliche Messe-Haken, an denen sich ein Fachbesucher aus der DV aufhängen kann: Nichts gegen Aussteller, die traditionelle Bürotechnik zeigen. Noch haben wir nicht die "heile Welt der Informationstechnik", leben wir auf Kriegsfuß mit dem Papier - nicht nur auf dem Firmenklo. Wenn man aber im CeBIT vor lauter Pinnwandnadelbäumen den DV-Wald nicht mehr sehen kann, dann hört der Messespaß auf. Damit wäre der Punkt "Produkt-Neuheiten" abgehakt: Fehlanzeige. CeBIT bot von allem etwas, aber von nichts genug.

Was aber ist die CeBIT? Das Urteil fällt auch hier eindeutig aus: keine Fachmesse mehr, sondern eine "Man-muß-sich-ja-heute-über-den-Computer-informieren "-Veranstaltung.

Um Möchtegern-Manager, Mittelständler und Maturanten nach Hannover zu locken, mußten freilich Konzessionen an den Publikumsgeschmack gemacht werden: ein Hoch dem Mikro, Prost PC! Eine Luft zum Schneiden an den Ständen der PC-Anbieter, die dem Andrang kaum gewachsen waren - aber keine Informationsdichte. Man fragt sich, was die Besucherzahl, auf die das Messe-Management so stolz ist, mit Qualität zu tun haben soll. Die Amerikaner, bekanntlich weniger messemotiviert als wir, haben für derartige Augenwischereien eine treffende Frage parat: Where is the beef? Auf Deutsch: Wo liegt der Messehund begraben?

Was bringt die CeBIT-Messe? Aus Fachbesuchersicht ist alles gesagt (siehe Informationsdichte). Die DV-Aussteller (und wir meinen Aussteller, nicht Schausteller) scheint das nicht zu scheren. Man trägt Messe-Euphorie im Knopfloch und zieht sich an den Besucherzahlen hoch. Dazu ist relevant, daß die Erwartungen an diese Messe nicht allzu hoch waren.

Um so hektischer wird jetzt an der Leine gefeiert: Fin-de-siècle-Stimmung - ein Tanz auf dem Vulkan. Die Hersteller hüpfen von einem auf das andere Bein, weil die Lava heiß ist - Freudentänze sind das nicht. Solange die kleineren und mittleren Ausstellerfirmen diese Messe-Philosophie teilen, können sich die CeBIT-Macher, die den ganzen Zirkus veranstalten, die Hände reiben. Noch steigt den Verantwortlichen der CeBIT-Rauch wie eine Schnüffeldroge in die Nase - bald könnten ihnen die Augen tränen. Denn der PC wird immer mehr das Normale. Und dann hat es sich bald ausgeschnuppert.