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05.08.1983 - 

Home Computern der ersten Generation droht Markteinbruch:

PC-Wachstum hängt nur von der Software ab

NEW YORK (CW) - Eine deutliche Zurückhaltung spüren die Hersteller von Home Computern der ersten Generation in den USA bei den Verbrauchern. Derzeit läßt sich ein deutlicher Trend zu "nützlicheren" Geräten, den Home Computern der zweiten Generation, feststellen. Wachsende Fähigkeiten und ein umfangreicheres Softwareangebot könnten diese Spiel-bald zu echten Personal Computern machen.

Der Massenmarkt für Home Computer in den USA "explodierte" im August des vergangenen Jahres, als die Texas Instruments Inc. den Preis für ein Grundgerät auf 150 Dollar senkte und damit einen allgemeinen Preisrückgang auslöste. Der Absatz der Industrie verdreifachte sich 1982 auf etwa 2,4 Millionen Einheiten. Seit dem Frühjahr hat sich das Wachstum jedoch stark verlangsamt. Bei einigen Marken beginnt der Absatz in verschiedenen Regionen, wie es in einem Bericht des APDJ-Korrespondenten G. Christian Hill heißt, "zusammenzubrechen".

Die Mehrzahl der Hersteller verzeichnet schrumpfende Gewinnspannen und rückläufige Marktanteile. Texas Instruments machte im zweiten Quartal einen Verlust vor Steuern von 183 Millionen Dollar. Die Warner-Communications-Tochter Atari meldete für das zweite Quartal wegen des rückläufigen Geschäfts mit Video-Spielen und Home Computern einen Betriebsverlust von 310 Millionen Dollar und mußte 1982 den Verlust der Hälfte des Marktanteils bei Home Computern hinnehmen. Der Absatz des Timex-Sinclair 1000 der Timex Corp. fiel in einigen Läden um ein Drittel. Auch die Mattel Inc., die den Übergang von Video-Spielen zu Home Computern betreibt, teilte mit, daß sie für das erste Halbjahr einen bedeutend über 100 Millionen Dollar liegenden Verlust vor Steuern ausweisen wird.

Diese Gesellschaften haben die Nachfrage für ihre Produkte über- und das Tempo, in dem ihre Konkurrenten fortgeschrittenere, aber dennoch billige Geräte auf den Markt bringen würden, unterschätzt. Einer zumindest vorübergehenden Absatzbelebung erfreut sich die Commodore International Ltd., deren Home Computer offensichtlich von den Verbrauchern als billiges Gerät der zweiten Generation angesehen wird. Der Commodore-Marktanteil ist von 25 Prozent zu Jahresbeginn auf inzwischen 40 bis 50 Prozent gestiegen. Die Gesellschaft begann ihren Konkurrenten "davonzulaufen", als sie Anfang Juni die Preise für den Commodore 64, die Peripheriegeräte und die Software von ursprünglich 600 auf 200 Dollar senkte. Das Modell 64 kostet jetzt rund 100 Dollar mehr als weniger leistungsfähige Geräte, verfügt aber über die vier- bis sechzehnfache Speicherkapazität und kann mit anspruchsvolleren Programmen betrieben werden.

Weil die Home Computer der zweiten Generation den teureren Personal Computern weitgehend entsprechen, dürften sie den Absatz der Hersteller von Personal Computern beeinträchtigen. So meint Aaron Goldberg von International Data Corp., daß Apple die Konkurrenz der Home Computer zu spüren bekommen wird. Als Vorteil der teureren Geräte wird allerdings der bessere Händlerservice und die bessere Versorgung mit Programmen herausgestellt.

Die Konkurrenten von Commodore versuchen jedoch Marktanteile zurückzugewinnen. Atari hat ein Modell (1200XL) auf den Markt gebracht, das die gleiche Speicherkapazität wie der Commodore 64 hat, jedoch noch 300 bis 400 Dollar kostet. Coleco Industries Inc. wird im September ihren "Adam" einführen, dessen Speicherkapazität um 25.Prozent größer ist als die des Commodore 64. Der Preis wird im Rahmen eines "Bündelsystems", zu dem auch ein Drucker gehört, rund 600 Dollar betragen. Timex plant für den Herbst einen 200-Dollar-Computer mit einer größeren Speicherkapazität als der Commodore 64. Auch Texas Instruments soll an der Entwicklung eines fortgeschrittenen Modells arbeiten. IBM und Apple wollen mit Preisen zwischen 600 und 750 Dollar ebenfalls auf den Markt für Home Computer vordringen. In Branchenkreisen rechnet man damit, daß IBM sein Gerät noch in diesem Jahr vorstellen wird, während Apple Anfang 1984 auf den Markt kommen dürfte.

Als Nachteil der Geräte der ersten Home-Computer-Generation wird der Umstand angesehen, daß sie bei einer Verarbeitungskapapzität von nur 4000 bis 16 000 Zeichen nicht für die Textverarbeitung und auch nicht für viele Bereiche der Datenverarbeitung und für andere Aufgaben eingesetzt werden können. Umfragen haben ergeben, daß viele Käufer oder Verkäufer von Home Computern die Werbeaussagen für diese Geräte für stark übertrieben halten.

Industieexperten sind jedoch der Meinung, daß die mit Problemen konfrontierten Gesellschaften mehr Fehler gemacht haben, als nur die Nachfrage falsch einzuschätzen. Vor allem Texas Instruments und Atari hätten die Einführung neuer billigerer Modelle zu lang hinausgezögert und sich darauf beschränkt, den Wettbewerb mit Commodore nur über den Preis zu führen.

Der rückläufige Preistrend wird voraussichtlich anhalten. Industriebeobachter schätzen, daß Commodore den Preis für das Modell 64 um weitere 35 bis 50 Prozent senken und dank "cleverer" Produktionsmethoden noch Gewinn machen könnte. Weitere kräftige Preissenkungen würden jedoch das Ende der weniger leistungsfähigen Geräte, die von Texas Instruments, Atari und Mattel angeboten werden, beschleunigen.

Für die zweite und folgende Generationen der Home Computer wird auf der anderen Seite ein rasches Wachstum vorausgesagt, das jedoch nach Expertenmeinung von besseren und nützlicheren Softwareprogrammen abhängen wird. Selbst die leistungsfähigeren Geräte müßten ihren Nutzen für den Durchschnittsverbraucher" noch beweisen.