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10.06.1994

PCs im Umweltvergleich PC-Hersteller versprechen den Anwendern das Gruene vom PC

Mit dem Signet "Green PC" werben Computerhersteller neuerdings heftig um die Gunst umweltbewusster Kunden. Was ist zu halten von deren oekologischen Versprechungen? Wie umweltfreundlich agieren die Firmen insgesamt - jenseits ihrer Vorzeige-Oeko-Modelle? Stephan Eder* bewertet das Computersortiment der PC-Anbieter von der Herstellung bis zur Entsorgung.

Papier und Stift, allenfalls die alte Reiseschreibmaschine, nur deren Gummifuesse und das Schreibband sind nicht aus Metall - das klassiche Handwerkszeug des Journalisten, von den grauen Zellen mal abgesehen. Recycelbar? Aber klar!

Dieser Beitrag wird per Desktop-Publishing an einem Hochleistungs- PC mit einem 17-Zoll-Farbbildschirm direkt ins Layout geschrieben. Recycelbar?

So viel High-Tech hat seinen oekologischen Preis. Von "Giftcocktails" auf Platinen und in Bildschirmroehren ist die Rede. Auch sonst haben die Hersteller allzulange auf Kosten der Umwelt produziert. Mittlerweile aendern sich langsam die Sortimente der Computerfirmen. Ursachen gibt es mehrere:

-Die Elektronikschrottverordnung: Hersteller sollen alle ab 1995 verkauften Neugeraete spaeter kostenlos zuruecknehmen und entsorgen. Folglich kuemmern sich die Konzerne mehr oder weniger um recyclingfreundliches Design und eine Entgiftung ihrer Produkte.

-Die oeffentlichen Haushalte muessen sparen, die Regierungen wollen den CO2-Ausstoss drastisch verringern. In den USA fuehrte dies im Sommer 1993 dazu, dass die Behoerden nur noch stromsparende Computer nach der sogenannten "EPA-Norm" (siehe Kasten "Oeko-Normen fuer PC") einkaufen werden. Die EG wird sich aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr aehnlich entscheiden. Angesichts dieser Forderungen sollten Energiespar-PC in Zukunft selbstverstaendlich sein.

Als Folge werben die Anbieter mit dem Argument eines "Green-PC" um die Gunst umweltbewusster und zahlungekraeftiger Kundschaft. Dahinter verbirgt sich ein Mikro, der weniger Energie verbraucht und wenig Abstrahlung sowie gute Recyclingeigenschaften besitzt. Auch der Einsatz von Recyclingmaterial und eine umweltfreundliche Verpackung wird gezaehlt. Doch ein Oeko-Computer im Sortiment macht noch lange nicht das gesamte Angebot gruen.

Grund genug, den Computerherstellern auf den Zahn zu fuehlen, was sie jenseits der Oeko-Imagepflege fuer die Umwelt tun. Das Magazin Natur & Umwelt (N&U) verschickte deshalb einen dreiseitigen, einfach strukturierten Fragebogen an sechzehn Firmen. Es ging dabei um eine oekologische Gesamtbewertung der Firmen und ihres Computersortimentes - im Gegensatz zu den Tests der +Oeko-PC in den Computerzeitschriften.

In die Liste fliessen deshalb auch keine Angaben ueber Technik, Benutzerfreundlichkeit und Gebrauchstauglichkeit ein.

Das ist Sache der handelsueblichen Computermagazine. N&U wollte etwas ueber die Verwendung von Umweltgiften erfahren, aber auch wissen, wie die Hersteller in der Produktion Energie und Wasser sparen. Unter Computer verstanden wir dabei das System aus Rechner, Monitor, Tastatur und Kleinteilen (Maus, Kabel etc.). Nur Escom war nicht in der Lage, uns innerhalb von sieben Wochen zu antworten - trotz mehrfachen Faxens des Fragebogens und Zusagen der Firma, "es nach Moeglichkeit" bis Redaktionsschluss zu versuchen. Ein schwaches Bild.

Umwelt-Liste ist keine Kaufempfehlung

N&U will aber mit der "Umwelt-Computerliste" keinen Computer zum Kauf empfehlen, weder ein bestimmtes Modell, noch eine Firma.

Bei einem "Oeko-Test" fuer Computer stellt sich die Frage nach konkreten Kriterien und deren Bewertung. Eine PC-Oekobilanz ist noch nicht zu leisten. Wir haben uns angesehen, was Standards bei den befragten Firmen sind (siehe Kasten "Was alle machen"). Wer sich davon positiv oder negativ abhebt, bekommt Plus- oder Minuspunkte. Ausserdem fragte N&U nach, was zur Zeit machbar ist - vor allem was die Vermeidung von Schadstoffen im Computer angeht.

Asbest, FCKW und Schwermetallacke sind out

Hier wertete das N&U-Team danach, was jetzt schon moeglich ist und forderte, die Hersteller sollten dies auch schnellstens tun. Asbest, FCKW und schwermetallhaltige Lacke setzt keine der befragten Firmen mehr ein. Anders sieht es da bei den restlichen Stoffen aus: PVC, Verbundstoffe (schlecht recycelbare) Kunststoffgemische, Blei, Cadmium, Antimontrioxid und die Flammenhemmer polybromierte Diphenylether und Biphenyle.

- PVC: Kaeufer eines IBM-PC muessen auch in Zukunft damit rechnen, dass Gehaeuseteile aus PVC bestehen, ist es doch "recyclingfaehig und langlebig", so die Deutschlandzentrale in Stuttgart. Das belegte N&U mit einem sehr dicken Minus in der Bewertung. Denn inzwischen entwarf die Industrie Konversionsszenarien fuer die Chlorchemie, zudem nimmt der Widerstand der deutschen Industrie dagegen langsam ab.

Nur IBM scheint nicht in der Lage auf Alternativen umzusteigen, wie andere Firmen das vormachen. Compaq, Dell und NEC setzen bei Kleinteilen noch PVC ein (Verpackungsclips, Tastatur). Auch hier werteten wir kraeftig ab. Ersatz sollte leicht zu finden sein. Nur was die Kabelummantelung angeht, ist noch keine Alternative verfuegbar. Zwar gibt es auch (teurere) Polyethylenummantelungen, doch erfuellen sie zur Zeit nicht in allen Faellen die Vorschriften der Brandschutzklassen, die fuer bestimmte Einsaetze in Computern noetig sind. PVC-Einsatz hat N&U in diesem Fall deswegen noch nicht negativ bewertet.

- Verbundstoffe/Kunststoffgemische: Verbundstoffe sind zum Beispiel Verklebungen zwischen Kunststoffschaeumen und Kunststoffgehaeusen und aehnliches. Kunstoffgemische sind schlecht wiederzuverwerten. Ein sortenreines Recycling ist fuer diese Stoffe nicht moeglich. Keine Firma verwendet sie mehr im Gehaeuse- und Konstruktionsbereich.

Nur der Hersteller Dell gibt an, dass er dabei ist, solche Stoffe zu ersetzen. Der Direktvertreiber konnte N&U aber auch nicht sagen, wo diese Stoffe genau eingesetzt werden - Gehaeuse und Verpackung nicht ausgeschlossen. Anders bei der Elektronik: Die Platine und die Kunststoffumhuellungen der elektronischen Bauteile sind ein abenteuerlicher Stoffmix. Verbunde und Kunststoffgemische koennen hier von keiner Firma ausgeschlossen werden. N&U bewertete diesen Umstand dennoch nicht negativ.

(wird fortgesetzt)