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17.06.1994

PCs im Umweltvergleich (Teil 2 und Schluss)PC-Hersteller versprechen Anwendern das Gruene vom PC

Mit dem Signet "Green PC" werben Computerhersteller neuerdings heftig um die Gunst umweltbewusster Kunden. Was ist aber zu halten von den oekologischen Versprechungen? Wie umweltfreundlich agieren die Firmen insgesamt - jenseits ihrer Vorzeige-Oeko-Modelle? Stephan Eder* bewertet das Computersortiment der PC-Anbieter von der Herstellung bis zur Entsorgung.- Blei: Wurde frueher bei Batterien eingesetzt, was inzwischen bei den befragten Herstellern nicht mehr vorkommt. Zur Zeit setzen die Firmen Blei noch im Loetzinn und bei der Innenbeschichtung des Monitorbildschirmes ein. Mangels bekannter marktfaehiger Alternativen gab es auch hier noch keine Minuspunkte.-Cadmium: Wurde frueher bei der Bildschirmbeschichtung verwandt, ist aber vermeidbar. Auch fuer Nickel-Cadmium-Batterien gibt es Ersatz. Einige Hersteller haben nur noch Nickel-Metall-Hydrid-Batterien im Programm. Da bisher fuer diese Batterien aber keine Verwertungskapazitaet bekannt ist, wurden fuer den Einsatz keine Pluspunkte verteilt. Trotz der Recyclingfaehigkeit von Nickel-Cadmium-Akkus vergab N&U fuer sie fuenf Minuspunkte - problematische Schwermetalle sollten ersetzt werden, wo dies moeglich ist.- Bromierte Flammhemmer: Diese Stoffe fuehren bei der Herstellung und bei der normalen Betriebstemperatur eines PCs zur Freisetzung von Dioxinen und Furanen. Grund genug, sie zu vermeiden. Hier sind halogenfreie Flammschutzmittel angezeigt. Beim Einsatz polybromierter Diphenylether und Biphenyle gab es deswegen 15 Minuspunkte.-Antimontrioxid (Sb2O3): In Tierversuchen eindeutig krebserregend. Es ist enthalten als Synergist (eine Art Wirkungsverstaerkung) in der Umhuellung elektronischer Bauteile in Kombination mit dem Flammhemmer Tetrabrombispenol A (TBBA). Bei Platinen fand sich jedoch die Loesung, einfach mehr TBBA einzusetzen. Bei Ersatz durch andere brom- und antimonfreie Flammschutzmittel gaebe es diese Problemstoffe im Computermuell weniger. Einzige Erklaerung, warum Sb2O3 bei elektronischen Bauteilen nicht ersetzen wird: Die Hersteller, die das Marktmonopol halten, bieten den Werkstoff fuer die Ummantelung eben nur mit Sb2O3 an.Ueberrascht war N&U denn auch, als die Mehrheit der PC-Produzenten die Verwendung dieses Stoffes verneinten. Nach dem Informationsstand von N&U ist das kaum moeglich. Der Einsatz von Sb2O3 wurde deswegen nicht bewertet.Insgesamt vergab N&U bei den Schadstoffen bis zu 40 Minuspunkte. Einen Abzug von zehn Punkten gab es in dieser Rubrik auch dafuer, dass die Firmen nicht oder nur teilweise genau sagen konnten, was in ihren Produkten denn alles so drin ist.Ein zwei bis drei Jahre alter Computer gilt technologisch schon als vollkommen veraltet. Und das, obwohl die Geraete mindestens sechs bis zehn Jahre halten, so die Hersteller. Hochruesten statt Neukaufen waere umweltfreundlich und geht im Prinzip bei allen PCs.Doch zum einen sind die Preise fuer besser ausgestattete Neugeraete meist billiger als die aufgepaeppelten Altcomputer. Zum anderen interessiert die Hersteller der Kauf eines Neugeraetes mehr als das personalintensive Hochruesten. Es sei denn, es gehoert zum Firmenkonzept, wie bei Apple. Auch Acer wirbt mit einem einfachen Prozessorenwechsel, so dass die Hochruestung nicht teurer ist. Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Recycling und recyclingfreundliche Konstruktion. Besonders wichtig war uns die kostenlose Ruecknahme von Altgeraeten, wie sie Apple, Actebis ("Targa"-Computer) und Vobis anbieten - 15 Pluspunkte. Entsprechend soviel Minuspunkte mussten alle PC-Hersteller hinnehmen, die ihre Kunden fuer die Ruecknahme zahlen lassen.Denn sollte die Elektronikschrott-Verordnung wirklich in Kraft treten und die kostenlose Ruecknahme fuer die ab naechstes Jahr verkauften PCs Gesetz werden, dann koennen die Unternehmen das auch schon frueher umsetzen - und zwar auch fuer Altgeraete. In der Praxis heisst die kostenpflichtige Ruecknahme naemlich, dass die Zweit- oder Drittbesitzer eines ausgedienten PCs die Lasten tragen.Schwarze Schafe bezeichnen Kunststoffe nicht Einige Hersteller sprechen inzwischen auch eine Recyclinggarantie aus. Dafuer gab es zwei Pluspunkte. Angesichts der kommenden Elektronikschrott-Verordnung schien diese Garantie aber eher kosmetischer Natur, deswegen die geringe Bewertung.Voellig unverstaendlich ist, warum einige Hersteller immer noch nicht die Kunststoffe in ihren Geraeten kennzeichnen, oder erst gerade dabei sind, es zu tun. In der Automobilindustrie ist dieses Vorgehen gang und gaebe. Hierfuer gab es keine Pluspunkte, die Saeumigen hingegen bekamen zehn Minuspunkte.Eine gute Recyclingmethode ist die Verwendung nur einer Sorte von Kunststoffen fuer die Gehaeuseteile. Einige Hersteller tun dies schon. Im Einsatz sind dabei meist ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) oder Polycarbonat: Fuenf Pluspunkte.Mittlerweile werben Hersteller auch damit, Recyclingkunststoff einzusetzen. Hierfuer vergab N&U sehr vorsichtig nur zwei Pluspunkte. Grund: Meist handelt es sich nicht um recycelten, gebrauchten Altkunststoff, sondern um die Beimischung von Produktionsabfaellen bei der Kunststoffherstellung.Dieses Verfahren ist seit Jahren Standard in der Industrie. Die Wiederverwertung ist schwieriger. Altkunststoff hat nicht die gleichen Werkstoffeigenschaften wie neu hergestelltes Material. Der Recyclingstoff muesste neu zertifiziert werden, um zu gewaehrleisten, dass er die gleichen Eigenschaften hat wie neuer Kunststoff der gleichen Sorte.Damit sich der Aufwand lohnt, bedarf es gewisser Mengen an Altkunststoff, die zum Teil noch nicht vorhanden sind. Beim Slogan "Mit oder aus Recyclingkunststoff" sollte der Kaeufer also genau nachfragen, was damit gemeint ist.Beim Energiesparen gab sich N&U nur mit denjenigen Herstellern zufrieden (fuenf Pluspunkte), die angaben, dass schon jetzt alle ihre Geraete der EPA-Norm genuegen. Alle anderen erhielten Minuspunkte.Aehnlich bewertete N&U auch die Einhaltung der schwedischen Norm MPR II fuer die Bildschirmabstrahlung. Die gibt es seit 1992. Wer sein Sortiment noch nicht umgestellt hat, bekommt Minuspunkte. Pluspunkte gab es fuer Hersteller, die auch Monitore nach der noch strengeren TCO- Norm anboten.Auch im Bereich Versand tut sich etwas. Mehrere Firmen setzten kein Styropor als Daempfung bei Verpackungen mehr ein. Alternativen sind Pappe, Mais-Chips oder mit Staerke versteiftes Baumwollgewebe, letzteres allerdings erst probehalber.Handbuecher aus Recyclingpapier oder gedruckt mit Tinte auf Pflanzenbasis sind ebenfalls ein Beitrag zum Umweltschutz. An der mageren Resonanz auf die Frage nach "weiteren Umweltschutzmassnahmen" zeigte sich, wie selten noch immer in diese Richtung gedacht wird.Zu guter Letzt befragte das Umweltmagazin die Hersteller nach ihren Energie- und Wassersparmassnahmen. Erschreckend, wie wenig detailliert diesbezueglich die Antworten ausfielen.Die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI), Hewlett-Packard und IBM gaben die genauesten Auskuenfte. Lobenswert sind geschlossene Wasserkreislaeufe, Wiederaufarbeitung von Brauchwasser und Abwaermenutzung fuer Heizzwecke. Dafuer gab es jeweils fuenf Pluspunkte. Allerdings ist die Ausgangssituation der Hersteller sehr unterschiedlich. Einige bauen nur zugekaufte Teile zusammen: Deshalb gibt es nur einen geringen Energie- und Wasserverbrauch. Andere Unternehmen dagegen betreiben eigene Galvanisierungsanlagen.

Was alle machen

- Problemstoffe: Asbest, FCKW und schwermetallhaltige Lacke setzt keine Firma mehr ein.- Nachruesten: Aufpeppen alter Versionen auf neue ist bei allen PC-Herstellern moeglich. Bei den DOS-PC ist das aber wohl eher was fuer Bastler. Nur Apple hat schon seit Jahren sogenannte Upgrades im Programm, mit denen Altgeraete schnell und problemlos auf den neuesten Stand gebracht werden koennen.- Ruecknahme von Alt-PCs: Bis auf Philips (stellen nur Monitore her) ist dies bei allen Herstellern moeglich, aber nur bei vieren kostenlos. Preise: von 1,50 bis vier Mark pro Kilo, oder zirka 50 Mark fuer einen PC.- Reduzierung der Kunststoffsorten: Fuer funktionierendes, recyclingfreundliches Design unabdingbar. Alle tun es.- Konstruktionsmerkmale: Alle Hersteller setzen keine Metall-Kunststoff-Verbindungen mehr ein, die nicht mechanisch zu trennen sind. Nieten, Kleben und Schweissen gehoeren, so die Firmen, beim Zusammenbau eines PCs ebenfalls der Vergangenheit an - abgesehen von den Loetstellen auf der Platine.Umweltcheckliste Computerkauf 1. Achten Sie auf eine kostenlose Ruecknahme - auch fuer Altgeraete. 2. Rechner, Monitor und Drucker sollten den Energiestar tragen. 3. Monitore sollten zusaetzlich die MPR II-Norm erfuellen. 4. Das Gehaeuse sollte nur aus einer Kunststoffsorte bestehen. 5. PVC hat weder im Gehaeuse noch bei der Verpackung etwas zu suchen! 6. Koennen Sie spaeter ihren PC kostenguenstig und problemlos hochruesten? Informiert Sie die Firma ueber die Moeglichkeit, eventuell regelmaessig. 7. Gibt es eine Recyclinggarantie? 8. Wie ist der PC konstruiert? Wird noch geloetet, geschweisst und genietet? Keine Schrauben mehr? 9. Verpackung mit Styropor ist nicht mehr notwendig. Es gibt Alternativen.10. Achten Sie auf Handbuecher aus Recyclingpapier.*Stephan Eder ist Diplom-Physiker und freier Wissenschaftsjournalist mit Ausrichtung auf das Thema Umwelt in Bonn. Bei dem Artikel handelt es sich um einen Nachdruck aus der Zeitschrift "Natur und Umwelt" des Bund fuer Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), Heft 2/1994.