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16.05.1986 - 

Unix-Pionier sieht sich als Opfer der Glaubwürdigkeitskrise:

PCS schlüpft beim Mannesmann-Konzern unter

MÜNCHEN - Der Düsseldorfer Mannesmann-Konzern setzt seine Akquisitionen in der Computerbranche fort: Nach der Übernahme von Kienzle und Tally gehen jetzt 65 Prozent der Münchner PCS GmbH an den Stahlriesen. Der Hersteller der Unix-Rechnerserie "Cadmus" soll zwar nicht in Kienzle integriert werden. wird aber offenbar diese Mannesmann-Tochter mit CAD-Workstations beliefern und damit Apollo ablösen.

Der Unix-Markt hat ein weiteres Opfer gefordert. PCS ist kein selbständiges mittelständisches Unternehmen mehr. Nur durch die Anlehnung an den immer mehr nach Beteiligungen im Hochtechnologie-Sektor suchenden Stahlkonzern Mannesmann AG hat Geschäftsführer Eberhard Färber seine 1969 gegründete Firma retten können. In den letzten Jahren hatte PCS wiederholt seine Verkaufsziele nicht erreicht: War schon für 1984 ein Umsatz von 50 Millionen Mark im Stammhaus (ohne den US-Ableger Cadmus Inc.) geplant, schaffte die PCS GmbH 1985 erst knappe 46 Millionen. Auch drastische Preissenkungen im Frühjahr konnten die angespannte Lage nicht verbessern.

Unter den neuen Beteiligungsverhältnissen hat der Röhren-Konzern Mannesmann nun praktisch die Alleinherrschaft. Nach den Düsseldorfern, die mit 65 Prozent am Grundkapital von 15 Millionen Mark beteiligt sind, halten die Gebrüder Färber - außer Geschäftsführer Eberhard auch sein Bruder Georg, der als Professor an der Münchner TU lehrt - etwa gleichauf mit der Quandt-Vermögensverwaltung den größten Anteil. Er dürfte bei etwa 16 Prozent liegen. Die Quandt-Firma Inda war im März 1984 mit einer Sperrminorität von 25,1 Prozent eingestiegen und hatte PCS damit die Expansion ermöglicht. Der Industrielle Franz Morat, der bislang die führende Beteiligung hielt, hat seinen Anteil komplett an Mannesmann verkauft. Kleinster Gesellschafter ist das Softwarehaus Softlab, dessen ursprünglicher Anteil nach mehreren Kapitalerhöhungen von 26,5 Prozent auf 3,8 Prozent zurückgegangen ist.

Als Hauptursache für die Situation, die PCS unter die Fittiche eines Großen gezwungen hat, sieht Eberhard Färber neben der fehlenden "nationalen Beschaffungspolitik" in der Bundesrepublik eine "Glaubwürdigkeitskrise" der deutschen Industrie gegenüber der übermächtigen Konkurrenz aus den USA. Färber: "Wer traut schon einer kleinen PCS in Deutschland zu, daß sie auf Dauer überlebt, auch wenn wir der fünftgrößte deutsche Computerhersteller sind?" Die Anteilseigner hätten aus der Überlegung heraus verkaufen müssen, daß das Image für den Markterfolg wichtig ist. US-Firmen wie Sun oder Apollo hätten "seltsamerweise" diese Probleme nicht; da die Anwender hierzulande amerikanischer Hochtechnologie eher vertrauten als einheimischer.

Gegenüber Apollo scheint PCS indes durch die Zusammenarbeit mit den Düsseldorfern jetzt die Nase vorn zu haben. Denn die Mannesmann-Tochter Kienzle, mit der der neue Münchner Ableger nicht zusammengelegt wird, bezog bisher ihre CAD-Systeme von der US-Firma, Demnächst werden, wie Insider spekulieren, Kienzles Unix-Rechner aus München kommen, denn PCS arbeitet wie Apollo mit der Proren-Software, so daß es keine Umstellungsprobleme geben dürfte.

Die Absatzchancen der PCS-Rechner dürften auch durch andere Vorteile der Konzernzugehörigkeit erhöht werden. So gelten die Anlagen- und Maschinenbautöchter Rexroth und Demag als interessante Abnehmer für die Cadmus-Produkte. Eberhard Färber wehrt sich allerdings gegen die Vermutung, PCS werde nun überwiegend als interner Zulieferer der Mutter fungieren: "Wir werden künftig keinesfalls ausschließlich Haus- und Hoflieferant für die Mannesmann-Gruppe sein. Unsere eigenen Aktivitäten werden vor allem da verstärkt, wo wir schon einen sehr guten Marktzugang haben: an den Hochschulen und Großforschungseinrichtungen." Dort allerdings, das räumt Färber ein, sitzen auch die "mündigsten Kunden", und das bedeutet "knallharten Wettbewerb".