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01.06.2001 - 

Angriff auf die Wohnzimmer-Surfer

PCs und Portale für Rentner

Die Generation 50plus gilt zwar als interessante E-Commerce-Zielgruppe, doch vielen Silver Surfern ist die Technik bisher zu kompliziert. Jetzt sollen Senioren-PCs mit maßgeschneiderter Software die Älteren ins Netz locken. Von Christoph Lixenfeld*

Ein Drittel aller Bundesbürger ist heute älter als 50, 2020 werden es 46 Prozent sein. Und die Gruppe drängt ins Netz: Wie die Unternehmensberatung Fittkau & Maaß in einer Studie feststellte, gehen heute fünfmal so viele Ältere regelmäßig online wie vor fünf Jahren; rund 14 Prozent aller deutschsprachigen Surfer sind 50 oder älter.

Als Kundengruppe sind diese Menschen deshalb interessant, weil sie im Durchschnitt nicht nur mehr Geld haben als die Jüngeren, sondern auch mehr Zeit. Und die nutzen sie immer häufiger zum Surfen. Deshalb entstanden schon 1999 auch in Deutschland Portale, die auf einen Klick alle Themen bieten, für die sich Silver Surfer interessieren sollen. Geld verdienen wollen die Betreiber von ovivo.com oder feierabend.com mit der Verbindung aus Content und Kommerz: Wer etwa bei Ovivo in den Artikel "Exotische Paradiese auf dem Balkon" anklickt, kann zwei Links später im "Frühlingsshop", Terracottagefäße und Rasenmäher kaufen.Um die Bindung an solche Sites zu erhöhen, setzen alle Anbieter auf den Community-Gedanken: Die Silver Surfer sollen sich auch zu nicht-virtuellen Treffen verabreden.

Via Internet kehrt so der gute alte Clubgedanke zurück, eine Zielgruppenansprache, die bei 40-Jährigen allerdings nicht funktioniert. Wie überhaupt das Konzept nicht aufzugehen scheint, die Alten für jung zu erklären und sowohl 40- wie auch 70-Jährige über dieselbe Plattform anzusprechen. Sebastian Küster, einer der Geschäftsführer von Ovivo, gesteht freimütig ein, dass es dem Unternehmen besser geht, seit man sich auf die älteren fokussiert und auch dazu steht.

Zu solchen Träumen zählt zum Beispiel auch der erste eigene PC. Dennoch verweigern sich viele ältere Menschen aus Angst vor Installationsproblemen oder komplizierter Software der schönen neuen Internet-Welt.

In diesem Jahr wollen gleich mehrere Firmen versuchen, diese Hürden aus dem Weg zu räumen. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Strategien: Philips bringt einen schlichten Netz-PC, dessen Funktionsumfang sich weitgehend auf das Surfen beschränkt. Verkauft werden soll das Gerät zum Preis von 1000 Mark, allerdings nicht an die User, sondern an Service-Provider.

Während Samsung ähnliche Pläne hat, geht die Lintec AG aus dem sächsischen Taucha andere Wege. Sie verkauft ab Juni einen Rentner-Computer, der Senior Club heißt und alles kann, wozu jeder andere PC auch in der Lage ist. Nur: Er besitzt eine spezielle, altersgerechte Oberfläche und wird vor Ort von einem Techniker aufgestellt und installiert. In Zusammenarbeit mit Alteneinrichtungen und Seniorenverbänden sollen die User darüber hinaus gezielt geschult werden.

Als Bildschirm kann ein moderner 100-Hertz-Fernseher dienen. Die Oberfläche zeigt vorinstallierte, aber jederzeit änderbare Links und soll mit ihren großen Schaltflächen und dem ebenso großen Mauszeiger den Umgang mit dem bei zittrigen Händen gefürchteten Zeigegerät erleichtern. Bedient wird das Ganze vom Wohnzimmer-Sessel aus via Infrarot-Verbindung.

Allerdings gehen die Player in diesem Markt davon aus, dass die Liebe zur Technik bei den meisten "Silver Surfern" so weit nicht gehen wird. Als Zauberformel gilt der Dreiklang aus passender Hard- und Software, Schulung und spezifischen Online-Angeboten. So bieten die Portalbetreiber Ovivo und Feierabend auch Schulungen an, Lintec wiederum ist an deren Inhalten für den Aufbau eines eigenen Portals interessiert.

*Christoph Lixenfeld ist freier Journalist in Hamburg.