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05.04.1991 - 

APPN ist in 3270-Applikationen nicht anwendbar

Peer-to-Peer: IBMs Strategie stößt bei Usern auf Abneigung

STUTTGART (pg) - Die IBM bleibt ihrer proprietären Politik treu: Durch die jüngste Ankündigung zu Advanced Peer-to-Peer Networking (APPN) für OS/2 wird die SAA-Welt für blaue Anwender jetzt zwar bis zu lokalen PS/2-Netzen durchlässig, Protokolle anderer Hersteller werden jedoch nicht unterstützt. Folge: Die User halten sich bei SNA-Protokollen zurück.

Big Blue hat mit dem Announcement jetzt auch APPN-Funktionen für das Betriebssystem OS/2 in Aussicht gestellt. Damit wäre der Weg für Nutzer von PS/2-Workstations innerhalb der SAA-Welt frei. Sie könnten laut IBM dann auf Systeme der mittleren Leistungsklasse, zum Beispiel auf die AS/400, zugreifen, um über diese Knoten Anwendungsprogramme in das Multitasking- und Datenbankumfeld von OS/2 einzubeziehen.

APPN ist im Konzept der Armonker die Basis des Distributed Computing innerhalb der Systems Network Architecture (SNA), die ihrerseits als systemübergreifender Bestandteil von SAA gilt. Das Protokoll wurde zur Vereinfachung von Netz konfigurationen entwickelt. IBM zufolge sind in der Architektur Algorithmen integriert, die ein vollautomatisches Suchen und Finden von Netzteilnehmern realisieren. Jeder APPN-Knoten ist demnach in der Lage, seine "Identität" im Netzwerk zu signalisieren ohne in Konfigurationstabellen aufgeführt zu sein. Darüber hinaus wählt APPN den schnellsten Weg zu den Adressaten und ist laut IBM mit den neuen Features schneller zu installieren sowie leichter zu handhaben.

Gegenwärtig wird das hausgebackene Protokoll nur von den Minis AS/400 und /36 unterstützt. Neben OS/2 sollen die neuen APPN-Features, die wahrscheinlich ab Herbst 1991 verfügbar sind, auch auf den 3174 Establishment Controller anwendbar sein. Der 3174 kann dann als Low-end-Router in SNA fungieren und damit sowohl LANs als auch APPN-Workstations unter Umgehung eines Hosts verbinden.

Keine Vorteile bringt der APPN-Support für den Controller in Sachen 3270-Applikationen; profitieren können nur User mit Rechnern, die das Protokoll LU6.2 fahren. Das Advanced Program-to-Program Communications Protocol (APPC) LU6.2, ebenfalls ein Machwerk der IBM-Entwickler, ist der einzige De-facto-Standard, der APPN zur Zeit unterstützt. Folge: Lokale Netze, die unter anderen Protokollen laufen, sind für APPN-User tabu. Durch den proprietären Charakter von APPN zwingt Big Blue andere Hersteller, aber auch den Anwender, sich dem SNA-Protokoll anzupassen. Laut IBM haben bereits Apple, Novell, SNI und Systems Strategies angekündigt, ihre zukünftigen Produkte auf APPN abzustimmen.

Die Armonker scheinen mit ihren SNA-Standards allerdings die Rechnung ohne den Anwender gemacht zu haben. Marktforscher von Forrester Research sowie Ernst & Young haben in einer Befragung herausgefunden, daß viele LAN-Anwender auf SNA-Backbones verzichten und statt dessen lieber Router von Herstellern wie zum Beispiel Cisco oder Wellflett einsetzen. Den Analysten zufolge nimmt der SNA-Verkehr über WANs pro Jahr nur um zehn Prozent zu, während sich der Einsatz von Multi-Protocol-Routern jährlich verdoppelt. Für die Router spricht die bessere Kosten-Nutzen-Relation im Vergleich zu Front-ends von IBM.

Probleme bekommt APPN darüber hinaus, weil die Peer-to-Peer-Strategie von Mother Blue auf zwei Komponenten beruht, die beim Anwender bisher noch wenig Akzeptanz fanden: OS/2 und LU6.2. Zum einen konnten sich Netz-Manager bisher kaum mit der Idee anfreunden, OS/2-Workstations in LANs einzusetzen, zum anderen stößt LU6.2 seit seiner Einführung vor rund fünf Jahren bei Entwicklern auf wenig Gegenliebe. Die Gründe: Das SNA-Protokoll ist in Applikationen schwer integrierbar und als Speicherfresser verschrien. Schätzungen von Ernst & Young sowie Forrester Research zufolge macht LU6.2 im SNA-Verkehr nicht einmal fünf Prozent aus.

Obwohl sich Anwender über die Routing- und Directory Services in APPN lobend äußern, setzen die meisten Unternehmen dennoch auf Netbios- oder Novell-Applikationen und ziehen ein dummes Terminal als SNA-Gateway zu Großrechnern vor.

Die Absicht, auf Peer-to-Peer-Protokolle von IBM zu migrieren, hegen nur wenig Unternehmen, weil dann sämtliche 3270-Anwendungen umgeschrieben werden müßten.

Die Verantwortlichen bei IBM sind sich dieser Problematik offenbar bewußt. Wie ein Sprecher mitteilte, arbeite der Konzern an einer LU6.2-Version für Windows, die auch weniger Speicherplatz in DOS benötige. Außerdem erwäge IBM eine Portierung von LU6.2 auf 3270-Applikationen.