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05.06.1981

Peisl-Preis

Fortüne, immerhin, ist Dr. Claus Kessler zu' wünschen. Der frischgebackene Chef des Siemens-Unternehmensbereiches Daten- und Informationssysteme wird sie brauchen.

Ob der neue Mann, als Manager im technologisch hochstehenden Energiebereich erfolgreich, dem angeschlagenen DV-Geschäftszweig wieder auf die Beine helfen kann, ist fraglich.

Da ist, wenn Insider die personelle Maßnahme des Siemens-Vorstandes kommentieren, etwas von Trotz zu spüren, den ausländischen Mainframe-Konkurrenten nunmehr auf dem Technologie-Sektor zu zeigen, was eine Harke ist.

Zumindest scheint es den Siemens-Öffentlichkeitsarbeitern ganz recht zu sein, wenn draußen der Eindruck erzeugt wird, der Elektrokonzern besinne sich - was die Computerei angeht - auf diejenige Tugend, die ihn in der Nachrichten- und Energietechnik auszeichnet: Qualität "made in Germany".

Die Konzentration der Kompetenzen in der Siemens-Datenverarbeitung soll wohl auch dadurch betont werden, daß Dr. Werner Poschenrieder das Ressort Technik übernimmt.

Gleichzeitig hat man einen Verlustmacher, das Geschäftsgebiet Basisinformationssysteme, mit dem gut verdienenden, riesigen Unternehmensbereich Kommunikationstechnik zusammengeworfen. Damit wurde kosmetisch so viel geändert, daß bei Siemens nun wenigstens der Zahlenspiegel besser aussieht.

Mit richtiger DV-Marktpolitik hat die Sache freilich noch nichts zu tun. Unklar bleibt beispielsweise, wie es in Neuperlach mit der Entwicklung eigener Großrechner-Hardware und -Software (BS2000?) weitergehen wird. Gewiß: Die Münchner leiden immer noch unter dem, was man als "RCA-Trauma" bezeichnen könnte. Und auch das Unidata-Debakel hat Siemens - etwa gegenüber IBM - um Jahre zurückgeworfen. Solche Brocken sind schwer zu verdauen.

Gleichwohl wäre es zu vordergründig, nur den Produktionsaspekt in die Vorstandsentscheidung hineinzuinterpretieren. Das ist es doch nicht, was Siemens im DV-Geschäft Schwierigkeiten bereitet.

Der Grund für die Misere ist, daß der größte deutsche Computer-Hersteller im gewinnträchtigen Mittelklasse- und Großrechnergeschäft zuletzt wenig zu vermelden hatte. Ist Peisl also vom Vorstand angelastet worden, auf die preisliche Herausforderung durch die lBM 4300- und 3033-Ankündigungen nicht schnell genug reagiert zu haben?

Die Tages- und Wirtschaftspresse hat denn auch mit bissigen Kommentaren nicht gespart. "Zauderer" nannte "Capital" in seinem Aprilheft die führenden Leute im Siemens-Unternehmensbereich Daten- und Informationssysteme- das saß. Dabei wurde nur geschrieben, was Branchenkenner längst wußten: Durch ungeschicktes Taktieren (Management-Fehler!) in den Prestige-Projekten "ITS" (Integriertes Transportsteuerungssystem der Deutschen Bundesbahn) und "Flughafen München" büßten die Münchner einen Teil ihrer Markt-Reputation ein.

Angefangen hatte es mit der "Affäre Uni Bremen", die noch in Unidata-Zeiten zurückreichte. Da meldeten sich Leiter von Universitäts-Rechenzentren öffentlich zu Wort; drohten gar mit Rücktritt, wenn sie mit Siemens-Rechnern arbeiten müßten. Überzeugend klang das gerade nicht. Zugegeben: Es bessert das Image auf, ein System des "großen Herstellers" zu fahren. Aber DV-Leiter, die sich als Dienstleister - sprich: als Chauffeure - verstehen, müssen mit jeder Maschine zurechtkommen.

Das "Kessler-Regime" tut gut daran, das Imageproblem nicht zu unterschätzen, zumal der Strukturwandel bei Siemens die Frage provoziert, was die Münchner langfristig im Computerbereich vorhaben.