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06.12.1991 - 

Über den Status von Prototypen noch nicht hinaus

Pen-Computer taugen noch nicht für ernsthaften Einsatz

Es ist wohl eine zwingende Entwicklung jeder Industrie, gerade neueste Produkte so bald wie möglich durch noch sensationellere zu ersetzen. Im PC-Bereich haben in den letzten Monaten immer mehr Anbieter - bekannte und vorher nie in Erscheinung getretene - die neue Rechnerklasse des "Pen-basierten Systems" aus der Taufe gehoben.

Im Gegensatz zum Laptop oder Notebook erfolgt hier die Dateneingabe mittels eines Stiftes direkt auf dem Display. Und alle beteiligten Hersteller erhoffen sich einen Riesenmarkt für die nächsten Jahre.

Vorneweg sei schon mal gesagt: Alles, was zur Zeit an "Penbased Notebooks" angeboten wird, hält wirklichen professionellen Einsatzansprüchen nicht stand. Sowohl die Hardware als auch die Betriebssystem-Software ist noch nicht ausgereift. Trotzdem drängen diverse Anbieter mit diesen Systemen auf den Markt, hoffend, hier eine führende Stellung zu erkämpfen und dann die großen Gewinne einzustreichen. Die Marktforscher jedenfalls, sind sich sicher: 1995 werden rund 3,4 Millionen solcher Rechner verkauft - das behauptet jedenfalls das US-Marktforschungsunternehmen Computer Intelligence/Infocorp.

Ein kurzer Blick zurück in die Geschichte der Miniaturisierung: Schon bald nach Einführung der ersten PCs gab es tragbare Systeme wie den Osborne 1 oder die ersten Compaq-Portables. Mit der Serienproduktion des Toshiba T1 100 begann der in seinen Grundzügen bis heute unveränderte "Laptop" seinen Siegeszug. Vor etwa zwei Jahren versuchten einige Hersteller - beispielsweise Atari und Poqet - mit den sogenannten Palmtop-Rechnern den Laptop-Erfolg weiterzuführen. Hier waren jedoch die natürlichen Grenzen der menschlichen Hand und des Auges durch zu kleine Tastaturen und Displays überschritten worden. Erfolge dagegen konnten verkleinerte Laptops verbuchen, die heute von einer Vielzahl von Anbietern als "Notebooks" verkauft werden.

Immerhin hat bereits vor rund drei Jahren das US-Unternehmen Grid, neben Toshiba einer der Laptop-Pioniere, den Prototypen des "Gridpad" vorgestellt. Hier fanden sich erstmals alle Bestandteile des Pen-

Computers: Der ganze Rechner paßte unter ein etwa DIN-A4-großes Display und war nur wenige Zentimeter hoch. Eingaben erfolgten über einen elektronischen Griffel direkt auf dem Display. Das Betriebssystem war noch proprietär, als CPU fungierte ein einfacher 8086-Chip. Zielgruppe sollten in erster Linie Anwender sein, die Listen und Formulare ausfüllen mußten, wo Tastaturen eher hinderlich sind. Man dachte an Lagerverwaltungen, Werkstätten, Auslieferbetriebe und ähnliches.

Diese ersten Pen-Anstrengungen von Grid und dem kanadischen Hersteller Microslate gerieten aber bald fast in Vergessenheit - bis Anfang dieses Jahres wieder Grid und NCR neue Systeme dieser Art ankündigten.

Diesmal jedoch sollte volle MS-DOS-Kompatibilität gewährleistet werden. Zusätzlich engagierten sich gleich zwei Softwarehäuser in Sachen Betriebssystem. Der US-Newcomer Go Corp. erklärte, man arbeite an einem System namens "Penpoint". Kurz darauf stieg dann der MS-DOS-Konzern Microsoft selbst in den Ring und kündigte eine auf die Belange des Pen-Rechners zugeschnittene Windows-Version an. Ab diesem Zeitpunkt wurden die neuen Rechner plötzlich von mehreren Herstellern und erwartungsfrohen Anwendern ernstgenommen. Als weitere Zielgruppe haben alle Hersteller jetzt auch den sonst PC-scheuen Manager ins Auge gefaßt. Mit dem Pen-Computer soll er in Zukunft seine Notizen handschriftlich, aber dennoch elektronisch machen - auch in Konferenzen.

Als erster Serienfabrikant bot Grid eine neue Version des "Gridpad" mit 386er Prozessor an, NCR folgte mit seinem - übrigens in Deutschland entwikkelten - Modell "System 3125". Die Hardware beider Hersteller ist zwar verfügbar, zu Preisen von rund 20000 Mark für eine ausgebaute Konfiguration. Bei der Software aber gibt es Probleme: Sowohl Microsoft als auch Go liefern ihre Betriebssysteme nur in Beta-Versionen aus, weshalb ein wirklich störungsfreier Betrieb der Geräte kaum möglich ist. Andere Hersteller, darunter IBM und Wang, haben bereits erklärt, man werde auch bald solche Geräte anbieten. Eine Reihe kleinerer Hersteller - Infos, Eden, Momenta, Samsung, Microslate, Tusk und Telepad - setzt zusätzlich auf den neuen Markt. Um möglichst schnell Geräte zu verkaufen, greifen einige wieder auf proprietäre Betriebssysteme zurück, zumindest so lange, bis die "Standardsysteme" von Go oder Microsoft verfügbar sind.

So bietet Eden zunächst Grids "Penwrite-System" an, das ursprünglich für den 8086er Gridpad entwickelt worden war. Ganz eigenwillig gibt sich der kalifornische Hersteller Momenta, der seinen "Pentop" auch in Deutschland ausliefern will. Für rund 10000 Mark bietet das Unternehmen ein schwarzes, aktenordnergroßes Gerät an. Als Betriebssystem können MS-DOS in Verbindung mit einer mitgelieferten Tastatur oder einem proprietären Momenta Pen-Betriebssystem zum Einsatz kommen. So wie alle anderen Geräte funktioniert der Pentop, solange man ihn als Prototyp für kommende Computergenerationen betrachtet. Will man dann - auch noch mit Batteriebetrieb - Daten per Pen eingeben oder etwa mit Handschrifterkennung arbeiten, dann stößt man doch sehr bald an die Grenzen des Machbaren. Auch der Prozessor 386 ist eben noch nicht leistungsfähig genug, um solche rechenintensiven Applikationen schnell und vollständig abzuarbeiten. Sicherheitshalber wird jedenfalls eine Tastatur zum normalen PC-Betrieb des Pentop mitgeliefert. Einen ähnlichen Weg geht übrigens NEC mit seinem neuen Notebook "Ultralite SL/20P". Dieser Notebook verfügt über einen Pen-Anschluß und kann - quasi testweise - als Pen-System benutzt werden.

Sowohl Microsoft als auch Go wollen die Serienversionen ihrer Betriebssystem-Software im ersten Quartal 1992 ausliefern. Dann wird sich zeigen, ob Hard- und Software korrespondieren und ob Standard-Windows-Programme ohne Probleme laufen. Aber erst neue Prozessorgenerationen, noch kleinere Festplatten und günstigere Speicher-Chips können zu wirklich komfortablen Pen-Rechnern beitragen.

Das Jahr 1995 könnte hier ein realistischer Anhaltspunkt sein, ab wann es sich lohnt, solche Systeme zu kaufen und wirklich auch einzusetzen.